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Siemens-Korruptionsskandal: Ex-Berater mit Schweigegeld ruhiggestellt?

Die neue Siemens-Spitze geht einem Zeitungsbericht zufolge dem Verdacht nach, dass in dem Konzern Korruptionsdelikte mit Schweigegeld vertuscht worden sind. Laut "Süddeutscher Zeitung" flossen über Jahre hinweg hohe Summen an ehemalige Mitarbeiter und Berater.

In der Siemens-Korruptionsaffäre soll einem Zeitungsbericht zufolge über Jahre hinweg Schweigegeld gezahlt worden sein. Die neue Konzernführung gehe dem Verdacht nach, Gesetzesverstöße seien mit hohen Zahlungen an ehemalige Mitarbeiter und Berater vertuscht worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Anlass dafür seien entsprechende Aussagen früherer Manager bei der Staatsanwaltschaft. Zudem gebe es weitere Hinweise, die diesen Verdacht erhärteten. Bei der Ermittlungsbehörde seien mehrere Verdachtsfälle aktenkundig. Ein Sprecher der Münchener Staatsanwaltschaft sagte dazu lediglich: "Wir prüfen, ob strafrechtlich relevante Sachverhalte vorliegen." Ein Siemens-Sprecher verwies auf die laufenden Ermittlungen und wollte zu dem Bericht keine Stellung beziehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten wegen schwarzer Kassen und weltweiter Korruptionsdelikte bei Siemens. In dem Konzern kam ein umfangreiches System ans Licht, mit dem seit Mitte der 90er Jahre Aufträge im Ausland mit illegalen Zahlungen an Land gezogen wurden.

Laut "SZ"-Bericht sollen beispielsweise vor einigen Jahren über einen Mittelsmann in San Francisco 350.000 Euro an eine frühere Beraterin des Konzerns aus Syrien geflossen sein. Die einstige Geschäftspartnerin habe Siemens über Jahre hinweg erpresst und gedroht, in der US-Presse über illegale Praktiken auszupacken. Auch ein langjähriger Siemensianer, der Schwarzgeldkonten im Ausland verwaltet hatte, soll bei seinem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Unternehmen mit einer Abfindung in Höhe von 350.000 Euro ruhiggestellt worden sein. Ein Manager habe ihm mit auf dem Weg gegeben, "loyal" zur Firma zu sein.

Ex-Direktor drohte per E-Mail

Noch konkreter soll laut "SZ" der Verdacht einer Schweigegeldzahlung bei einem anderen Angestellten sein, der ebenfalls schwarze Kassen betreut hatte. Der frühere Direktor der Telekommunikationssparte Com sei bei Siemens ausgeschieden, nachdem sein Treiben dem Konzern zu brenzlig geworden war. Er erhielt demnach einen hoch dotierten Beratervertrag. Im Frühjahr 2006 seien die Zahlungen jedoch gestoppt worden: Staatsanwälte in der Schweiz und Liechtenstein hätten zu diesem Zeitpunkt bereits gegen den Mann ermittelt. Der langjährige Siemensianer habe sich daraufhin per E-Mail an einen Kollegen gewandt und gedroht, er werde ab sofort Fälle offenlegen, von denen viele Leute betroffen seien. Siemens bekomme ein großes Problem. Einige Wochen später zahlte Siemens dem Bericht zufolge den teuren Beratervertrag auf einen Schlag aus: Der Ex-Direktor erhielt fast 680.000 Euro.

Siemens untersucht laut "SZ" auch, ob die in solchen Fällen ausgegebenen Beträge zurückgefordert werden können - sei es von den eigenen Managern oder den Empfängern des Geldes. "Siemens prüft prinzipiell immer Schadensersatzansprüche", sagte ein Konzernsprecher der Zeitung.

AFP/DPA/Reuters / Anzeige