Société Générale Kerviel beschuldigt Vorgesetzte


Zu Anfang hat Jerome Kerviel einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro gemacht – und dann einen Verlust von fast fünf Milliarden. Dass seine Geschäfte niemandem bei der Société Générale aufgefallen ist, hält er für unmöglich: "Die Vorgesetzten haben die Augen geschlossen."

Der im Zentrum des milliardenschweren Handelsskandals bei Société Générale (SocGen) stehende Aktienhändler Jerome Kerviel hat bei seiner Vernehmung seine Vorgesetzten bei der französischen Großbank schwer belastet. "Ich kann nicht glauben, dass meine Vorgesetzten nicht über die Beträge, die ich eingesetzt habe, im Bilde waren", sagte Kerviel nach den Aufzeichnungen der Ermittler, die am Dienstag in französischen Medien veröffentlicht wurden.

Kontrollen haben versagt

Er verwies darauf, dass er im vergangenen Jahr mit seinen riskanten Einsätzen zunächst einen enormen Gewinn von bis zu 1,6 Milliarden Euro gemacht habe. "Es ist unmöglich, einen derartigen Gewinn mit kleinen Positionen zu erzielen. Bei normalen Einsätzen kann man nicht so viel Cash erzielen." So lange seine Ergebnisse positiv gewesen seien "haben die Vorgesetzten die Augen geschlossen über die Modalitäten und das Volumen meiner Einsätze", kritisierte Kerviel.

Der Aktienhändler machte darin ein systematisches Versagen von Computer- und Management-Kontrollen für seine Geschäfte verantwortlich, die der Bank zufolge zu einem Schaden von fast fünf Milliarden Euro führten. Ein Anwalt der Bank zweifelte die Aussagen Kerviels an.

Kerviel will sich nicht bereichert haben

Als untergeordneter Mitarbeiter waren die Summen, die Kerviel einsetzen konnte, begrenzt. Société Générale erklärte allerdings, der 31-Jährige habe dank seiner Erfahrungen aus anderen Geschäftsbereichen der Bank das Wissen gehabt, die Sicherheitskontrollen zu umgehen. Vorwürfe, er habe sich auf Kosten der Bank bereichern wollen, wies er zurück. Er habe jedoch auf einen doppelt so hohen Jahresbonus für 2007 gehofft, wie die 300.000 Euro, die ihm angeboten worden seien.

Kerviel soll nach Angaben von SocGen illegale Geschäfte im Volumen von 50 Milliarden Euro gemacht haben. Das Management der Bank hat nach eigenen Angaben bis vor wenigen Tagen nichts von den ungenehmigten Geschäften gewusst. Gegen Kerviel wird wegen des Verdachts auf Vertrauensbruchs, der missbräuchlichen Verwendung von Computern und der Fälschung ermittelt.

Reuters/DPA DPA Reuters

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