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Société Générale: Kerviel war doch ein Einzeltäter

Neuigkeiten im größten Finanzskandal der Geschichte: Eine interne Untersuchung hat nun ergeben, dass Händler Jérôme Kerviel doch alleine handelte. Der Spekulationsverlust bei Frankreichs Société Générale hat indes ein gewaltiges Loch von über drei Milliarden Euro in die Bilanz gerissen.

Skandalhändler Jérôme Kerviel hatte keine Komplizen innerhalb der Société Générale (SocGen). Das hat der Bericht einer internen Untersuchungskommission ergeben. Der Spekulationsskandal hat der Société Générale indes einen Verlust von 3,35 Milliarden Euro im vierten Quartal 2007 beschert. Dennoch schloss die französische Großbank das Gesamtjahr mit einem positiven Ergebnis von knapp einer Milliarde Euro ab, wie sie bekannt gab. Der Händler Jérôme Kerviel hatte der SocGen durch unautorisierte Spekulationen an den Terminbörsen einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro eingebracht. Ohne den Finanzskandal hätte das Ergebnis 4,167 Milliarden Euro betragen, so die Bank.

Um die Belastungen abzufedern, hat die drittgrößte Bank Frankreichs eine Kapitalerhöhung beschlossen. Vom 21. bis zum 29. Februar läuft die Zeichnungsfrist. Insgesamt will die angeschlagene SocGen 5,5 Milliarden Euro frisches Kapital erhalten - unter anderem, um sich gegen eine feindliche Übernahme zu wappnen. Der Jahresgewinn brach durch den Skandal und Sonderabschreibungen wegen der US-Hypothekenkrise um mehr als das Fünffache ein, von 5,2 Milliarden 2006 auf 947 Millionen im abgelaufenen Jahr. Die Krise schlug allein im dritten Quartal mit 2,2 Milliarden Euro zu Buche, insgesamt belief sich die Rechnung für 2007 auf 2,6 Milliarden Euro für die Bank. Ihr Aktienkurs zog zu Handelsbeginn um 0,7 Prozent an. Die Dividende der SocGen-Aktie soll von 5,20 Euro auf 90 Cent je Aktie gekürzt werden.

Kerviel hat alleine gehandelt

Die bisher angekündigten Abschreibungen im Zuge der weltweiten Kreditkrise basierten auf einigen der konservativsten Schätzungen in der Bankenbranche, sagte Bouton auf die Frage, ob weitere Abschreibungen zu erwarten seien.

Unterdessen haben interne Ermittlungen auf Mängel im Kontrollsystem hingewiesen. Die hätten verhindert, dass die illegalen Geschäfte Kerviels früher aufgedeckt wurden, heißt es in einem Zwischenbericht. Es gebe derweil keine Hinweise darauf, dass Kerviel Komplizen innerhalb oder außerhalb der Bank gehabt habe. Zwar habe er über den Trader Moussa Bakir der Firma Fimat seine Transaktionen abgewickelt, der jedoch sagte aus, er habe nicht die Begrenzungen gekannt, die Kerviel auferlegt waren.

Der Firma war dennoch aufgefallen, dass in den drei betrachteten Monaten die Handelsvolumina der SocGen sehr viel höher lagen, als in dem Jahr zuvor. Daher hatte Firmat eine Untersuchung der Transaktionen in Auftrag gegeben. Die jedoch hatte ergeben, dass bei diesen Käufen und Verkäufen gegen keine Handels-Regeln verstoßen worden waren. In dem Bericht untersuchen die Ermittler die Monate September, Oktober und November 2007. Die Ermittler wollen ihre Untersuchungen fortsetzen und bei der Hauptversammlung am 27. Mai einen Bericht vorlegen.

Gewinn höher als zuletzt erwartet

Die SocGen hatte das Minus bereits im Januar nach Bekanntwerden des milliardenschweren Handelsskandals prognostiziert: Mit einem Gewinn von 600 bis 800 Millionen Euro hatte die Bank gerechnet. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte sie allerdings noch einen Gewinn von 1,18 Milliarden verbucht. Der nun verbuchte Verlust könnte die SocGen Marktspekulationen zufolge zu einem begehrten Übernahmeziel machen. Viele Analysten vermuten, dass Frankreichs größte an der Börse notierte Bank, die BNP Paribas, für die SocGen bieten könnte.

Bouton lehnte einen Kommentar zu diesen Spekulationen ab. Der Verwaltungsrat habe ihn beauftragt, die Krise zu bewältigen, sagte er. Ein eigenständiges Unternehmen zu bleiben, sei trotz des Handelsbetrugs und der Finanzkrise die beste Strategie im Sinne der Aktionäre.

Lio/ AP/ Reuters/ DPA / AP / DPA / Reuters