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Société Générale: "Die Affäre ist schockierend"

In die Diskussion um den größten Finanzskandal der Geschichte schaltet sich die französische Regierung ein: Präsident Nicolas Sarkozy fordert indirekt den Rücktritt des Bankenchefs Daniel Bouton, Finanzministerin Christine Lagarde spricht sich für mehr Transparenz an den Märkten aus.

Im Skandal um die Milliardenverluste der Société Générale (SocGen) gerät Bankchef Daniel Bouton immer stärker unter Druck. Staatspräsident Nicolas Sarkozy legte ihm indirekt den Rücktritt nahe: Wenn man ein hohes Gehalt habe, und es gebe ein großes Problem, "kann man sich seiner Verantwortung nicht entziehen", sagte er. Finanzministerin Christine Lagarde erklärte, es sei Aufgabe des Verwaltungsrates, über die Zukunft von Bouton zu entscheiden.

Lagarde forderte zudem Konsequenzen für das Bankensystem aus der Krise. Die Probleme bei der SocGen hätten gezeigt, dass es eine größere Transparenz an den Märkten geben müsse. Auch müsse man das System der Bonus-Zahlungen bei Banken in Frage stellen. Solche Zahlungen könnten nach Angaben der Behörden der Antrieb für den SocGen-Händler Jerome Kerviel gewesen sein, Geschäfte in Milliardenhöhe an den Kontrollsystemen der Bank vorbei zu führen.

"Schockierende Affäre"

Auch Justizministerin Rachida Dati äußerte sich zu dem Vorfall: Es handle sich um einen derart weitreichenden Gesetzesbruch, dass die Bank jetzt in einer Krise sei, sagte Dati dem Radiosender France Info. "Alle Verantwortlichkeiten müssen ans Licht kommen", fügte sie hinzu. "Die Affäre ist schockierend." Anders als Staatschef Nicolas Sarkozy äußerte sich Dati zum Schicksal von Konzernchef Daniel Bouton nur zurückhaltend.

Am Mittwoch kommt das Gremium erstmals seit Bekanntwerden des Skandals am vergangenen Donnerstag zusammen. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Börsenmakler Jérôme Kerviel ein. Seine Fehlspekulationen kosteten die SocGen knapp fünf Milliarden Euro. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gab Kerviel zu, seine Handlungen vor Vorgesetzten verschleiert zu haben. Er hat jüngsten Erkenntnissen zufolge mit fast 50 Milliarden Euro jongliert.

Anzeigen gegen Kerviel und Day

In dem Verfahren werden Kerviel Vertrauensbruch und unerlaubter Computerhandel zur Last gelegt, nicht aber Betrug oder Fälschung. Bei einer Verurteilung drohen ihm drei Jahre Gefängnis. Nach zwei Tagen in Untersuchungshaft war Kerviel auf freien Fuß gesetzt worden, muss sich den Justizbehörden aber zur Verfügung halten. In der Affäre hat außerdem ein Anwalt im Namen von rund 100 Kleinanlegern Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel erstattet. Im Visier steht Verwaltungsratsmitglied Robert Day.

DPA/ AP/ Reuters / AP / DPA / Reuters