Société Générale Skandalhändler kommt auf freien Fuß


Jérôme Kerviel brachte die französische Großbank Société Générale um fast fünf Milliarden Euro. Dafür wanderte der 31-Jährige in Untersuchungshaft. Nun kommt er erstmal wieder auf freien Fuß.

In der Spekulationsaffäre bei der französischen Großbank Société Générale kommt der verdächtige Börsenhändler Jérôme Kerviel wieder auf freien Fuß. Das entschied ein Pariser Berufungsgericht, wie eine Sprecherin mitteilte. Kerviel solle noch im Laufe des Tages aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Es gebe allerdings "extrem strenge Auflagen". So dürfe Kerviel den Großraum Paris nicht verlassen und auch keine Aktivitäten im Zusammenhang mit den Finanzmärkten betreiben. Kerviel müsse sich zudem einmal wöchentlich bei der Polizei melden.

Der 31-Jährige hat dem Bankhaus mit ungesicherten Spekulationen auf den Deutschen Aktienindex DAX und andere Indizes einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro beschert. Die Bank geht davon aus, dass Kerviel allein handelte. Der Händler saß seit 8. Februar wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Untreue in Untersuchungshaft. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren sowie eine Geldstrafe von bis zu 750.000 Euro.

Die Société Générale wollte die Entscheidung nicht kommentieren. Der Anwalt des Instituts sprach einem Bericht des Fernsehsenders BFM zufolge von einem "ausgewogenen" Urteil, das nicht in Frage gestellt werde. Die Ermittlungen müssten jetzt ohne Hast fortgeführt würden.

Bank ignorierte Warnsignale

Kerviel hatte seit 2005 unerlaubt hoch spekuliert und war Mitte Januar 2008 aufgeflogen. Er soll die Kontrollsysteme unterlaufen und aufkommenden Verdacht mit gefälschten Dokumenten zerstreut haben. Die bankinternen Ermittler wollen bis zur Hauptversammlung am 27. Mai einen Schlussbericht ziehen. Ein Zwischenbericht wies auf Mängel im Kontrollsystem hin. Ein Bericht von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde kam zu dem Ergebnis, dass bei der Bank auf die Warnsignale nicht wirksam reagiert worden sei. Bank-Chef Daniel Bouton gilt seit dem Skandal als schwer angeschlagen.

DPA DPA

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