VG-Wort Pixel

Spanische Großbank Santander Tochter übernimmt Vorsitz nach Tod des "inoffiziellen Königs"


Er galt als einer der einflussreichsten Männer Spaniens, wurde der "inoffizielle König" genannt: Emilio Botín, Chef der Großbank Santander, ist mit 79 Jahren gestorben. Nun folgt ihm seine Tochter.

Der Firmenpatriarch der spanischen Großbank Santander, Emilio Botín, ist tot. Der 79-jährige Chef des Verwaltungsrats starb in der Nacht zum Mittwoch kurz vor seinem 80. Geburtstag an einem Herzinfarkt in Madrid. Dies teilten Sprecher des größten Geldhauses der Euro-Zone mit. Politiker und Wirtschaftsführer würdigten die Leistungen von "El Presidente", wie er in der Branche genannt wurde. "Er war ein Mann, der fähig war, Santander zur wichtigsten Bank unseres Landes zu machen", erklärte etwa Ministerpräsident Mariano Rajoy. Ein Londoner Hegdefonds-Manager nannte Botin den "inoffiziellen König von Spanien". Sein Tod sorge für Unsicherheit und ein Machtvakuum an der Spitze von der Bank.

Zur neuen Chefin des Geldinstituts wurde seine Tochter Ana Patricia Botín ernannt. Der Verwaltungsrat habe einen Vorschlag der Ernennungskommission der Bank einstimmig angenommen, hieß es am Abend in einer Mitteilung an die Finanzaufsicht CNMV. Die 53-Jährige war bisher als Präsidentin des britischen Ablegers Santander UK tätig. Ihr Vater habe sie aber nicht mehr richtig in Position bringen können, hieß es aus Branchenkreisen. "Es könnte also interne Machtkämpfe geben." Ein Experte für gute Unternehmensführung der unbekannt bleiben wollte, der für einen Vermögensverwalter und Santander-Aktionär arbeitet, äußerte sich zuvor kritisch: "Die Nachfolge-Frage sollte nicht einfach nach dem Motto gelöst werden 'Meine Tochter übernimmt jetzt'."

Von der Regionalbank zum Weltkonzern

Das Lebenswerk Botíns wurde nicht nur von Unternehmern und Politikern, sondern auch von Gewerkschaftsvertretern und linksgerichteten Medien gewürdigt. Botín habe die spanische Bankenwelt modernisiert und dazu beigetragen, die Wirtschaft des Landes "zu internationalisieren", sagten viele.

Die Botíns sind die bekannteste Bankiersfamilie Spaniens. Emilio Botíns Urgroßvater war 1857 Mitgründer der Bank. Als Nachfolger seines Vaters und Urgroßvaters, die beide ebenfalls den Namen Emilio Botín trugen, übernahm der gelernte Jurist und Ökonom 1986 die Präsidentschaft der Banco Santander. Unter seiner Ägide wuchs die Regionalbank durch eine offensive Übernahme- und Expansionspolitik zunächst in Spanien, dann in Europa und zuletzt in Lateinamerika und den USA zu einer Weltmarke mit insgesamt 183.000 Mitarbeitern und hundert Millionen Kunden. Sie hat auch in Deutschland Filialen. International zählt Santander zu den Top 20 der Branche.

Das größte Unternehmen Spaniens stand auf so starken finanziellen Füßen, dass es die 2008 ausgebrochene Immobilien- und Wirtschaftskrise überstehen konnte. Das vergangene Jahr schloss die Bank bei einem Umsatz von 39,75 Milliarden Euro mit einem Nettogewinn von 4,37 Milliarden Euro ab. Auch im zweiten Quartal 2014 wurden zuletzt die Erwartungen der Analysten mit einem Überschuss von 1,45 Milliarden Euro übertroffen. Das waren 38 Prozent mehr als im - bereits guten - Vorjahreszeitraum.

200 Millionen Euro Steuerschuld

Der am 1. Oktober 1934 im nordspanischen Santander geborene Emilio Botín-Sanz de Sautuola García de los Ríos, wie er mit vollem Namen hieß, wurde von Jesuiten erzogen und galt als "einfacher Mann" sowie als sehr schüchtern. Er besaß allerdings HUmor und machte sich selbst über sein schlechtes Englisch lustig. Doch hinter den Kulissen zog er in Spanien laut Medienberichten mit seiner starken Persönlichkeit viele Fäden. Botín soll beste Beziehungen nicht nur zu ranghohen Politikern wie dem früheren Ministerpräsidenten José Maria Aznar, sondern auch zum spanischen Königshaus unterhalten haben.

Im Haupsitz der Banco Santander in Boadilla del Monte 15 Kilometer westlich der Hauptstadt Madrid - von Medien "Botín-Stadt" genannt - ließ der passionierte Hobby-Golfer einen eigenen Platz errichten. "El Presidente", wie Botín in Spanien oft ehrfurchtsvoll gerufen wurde, unterstütze mit Dutzenden Millionen Euro Kunsthäuser, Bildungseinrichtungen und Sportteams wie den Formel-1-Rennstall Ferrari. Mit einem vom "Forbes"-Magazin auf 1,1 Milliarden Euro geschätzten Vermögen konnte er es sich leisten.

Botíns Weste war allerdings nicht blütenrein: Neben anderen Affären musste der sechsfache Vater vor zwei Jahren rund 200 Millionen Euro an Steuern nachzahlen. Nun soll seine Tochter sein Lebenswerk fortsetzen. Sie studierte in Harvard, leitete zuletzt die Geschicke der Santander in Großbritannien und spricht mehrere Sprachen.

ono/Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker