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Sparkassenpräsident Haasis: "Renditen von 25 Prozent kann es nicht geben"

Geld weg, Vertrauen weg, Ansehen schwer beschädigt: Die Finanzkrise durchpflügt die Geldwirtschaft. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverband, fordert eine Rückbesinnung seiner Zunft - auf Normalmaß.

Von Frank Donovitz und Jan Boris Wintzenburg

Die Blase, die sich die Finanzwelt selbst erschaffen hat, ist geplatzt. Es war ein Paralleluniversum, fernab von jedem realen Wirtschaftsgeschehen, eine gigantische, globale Gelddrehmaschine. Sie glaubte, ganz ohne Bodenhaftung existieren zu können, ganz aus sich selbst heraus. Jetzt, da diese Welt mit sich am Ende ist, reißt sie den Rest, die reale Wirtschaft, mit - mancherorts in die Tiefe, überall aber zumindest in eine schwere Flaute.

"Die Finanzbranche hat eine schwere Verantwortung auf sich geladen", sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) Heinrich Haasis im aktuellen stern. "Alle waren zu gierig." Haasis beklagt das ungezügelte Renditestreben der Banken, das zur Krise geführt habe: "Die Finanzbranche ist eine dienende Branche. Das ist teilweise aus den Augen verloren worden." Langfristig könne man eben nicht mehr verdienen, als die Kundschaft selber. "Renditen in der Größenordnung von 25 Prozent kann es da nicht geben", kritisiert er die Gewinn-Vorgaben von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Zum 500-Milliarden-Rettungspaket der Regierung sagt Hassis: "Aus heutiger Sicht werden die Sparkassen das Programm nicht brauchen." Bei den Landesbanken, die Teil der Sparkassen-Finanzgruppe sind, werde das anders sein. Bislang erklärte lediglich die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dass sie keine Staatshilfe benötige. Haasis fordert unterdessen gefährdete Geschäftsbanken auf, sich unter den Rettungsschirm der Regierung zu begeben: "Ich finde es richtig, wenn die großen Banken die staatlichen Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Denn nur dann wird sich wieder Vertrauen einstellen." Es werde im übrigen noch einige Monate dauern, bis sich die Normalität an den Bankenmärkten wieder einstelle.

Die Bayerische Landesbank hat als erstes deutsches Institut Bedarf an staatlicher Hilfe angemeldet. Die Westdeutsche Landesbank, kurz WestLB, sucht Verhandlungskreisen zufolge Schutz unter dem Dach der sparkasseneigenen Deka-Bank. Zu den angeschlagenen Landesbanken seines Verbundes sagte Haasis: "Diejenigen, die sich zusammenschließen, müssen kleiner werden. Zwei und zwei wird nicht vier, sondern drei. Wir wollen kein intelligenzloses Zusammenschieben. Natürlich heißt das bei jedem Zusammenschluss erst mal Rückführung von Geschäften ohne Bezug zur realen Wirtschaft, zum Teil auch Personalabbau. Das ist immer schmerzlich. Aber ohne wird es nicht gehen."

Neben den ruinösen Geschäften der BayernLB und der WestLB sowie dem Quasi-Pleitefall SachsenLB, gibt es auch bei den Sparkassen selbst Probleme. Offenkundig dominierte auch bei Bossen und Beratern der laut Satzungen gemeinwohlorientierten Regionalinstituten die Gier - nach schnell verdienten Provisionen. So verkauften unter anderem die Frankfurter und die Hamburger Sparkasse gleich tausendfach Zertifikate der US-Pleitebank Lehman Brothers. Kunden, die im Zuge der Lehman-Brothers-Pleite Geld verloren haben, machte der Sparkassen-Präsident Hoffnung: "Sollte sich zeigen, dass falsch beraten wurde, dann muss die Sparkasse das in Ordnung bringen. Solche Fälle bedauere ich zutiefst."

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Von:

und Frank Donovitz