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Sparprogramm in Deutschland: Schaeffler streicht 4500 Jobs

Der am Abgrund stehende Autozulieferer Schaeffler will sich mithilfe eines drastischen Sparprogramms retten. 4500 Stellen sollen allein in Deutschland wegfallen. Schaeffler versucht, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden - doch die Gewerkschaften kündigten bereits erbitterten Widerstand an.

Beim angeschlagenen Autozulieferer Schaeffler stehen 4500 der rund 28.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel. Angesichts der rückläufigen Nachfrage auf den Absatzmärkten müsse die fränkische Gruppe hierzulande 250 Millionen Euro jährlich bei den Personalkosten einsparen, teilte Schaeffler am Mittwoch mit. Der Wälzlagerhersteller, der nicht zuletzt durch die Conti-Übernahme in Schieflage geraten ist, will nach eigenen Angaben aber ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Die Arbeitnehmervertreter machten bereits klar, dass es einen groß angelegten Personalabbau mit ihnen nicht geben wird.

"Wir setzen vielmehr auf eine Vielzahl anderer Maßnahmen, um die Personalkosten in Deutschland zu reduzieren und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten", erklärte der Vorsitzende der Schaeffler-Geschäftsleitung, Jürgen Geißinger. Dazu zählten etwa eine Verkürzung der Arbeitszeit mit entsprechenden Gehaltseinbußen, eine weitere Nutzung der Kurzarbeit, freiwillige Aufhebungsverträge, die Kürzung von Einmalzahlungen, Altersteilzeit sowie die Gründung von Transfergesellschaften. "Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern werden wir spätestens bis zum 31. Juli sozialverträgliche Lösungen und Optionen identifizieren", erklärte Schaeffler.

Die Mitarbeiter waren am Morgen in Betriebsversammlungen über die Pläne informiert worden. Ein Schaeffler-Sprecher sagte, allgemein habe es Erleichterung gegeben, dass der Konzern keinen radikalen Stellenabbau plane, sondern das Einsparziel über andere Wege erreichen wolle. Ein Sprecher der IG Metall Bayern widersprach dieser Darstellung. Zumindest bei der Versammlung in Schweinfurt hätten "Wut und Entsetzen" geherrscht.

Gewerkschaft und Betriebsräte kündigen Widerstand an

Zusammen mit dem Schaeffler-Gesamtbetriebsrat erklärte die IG Metall Bayern, der geplante Personalabbau sei die falsche Antwort auf die Herausforderungen. "Nicht allein die Krise, sondern die hohe Verschuldung der Schaeffler-Gruppe treibt die Manager zu dieser Reaktion." Die Betriebsräte und die IG Metall würden sich mit allen rechtlichen und gewerkschaftlichen Mitteln wehren. Von der Politik werde erwartet, dass sie die Gewährung von Staatshilfe an die Bedingung knüpft, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

Das am Dienstag sowohl den Betriebsräten als auch der bayerischen Staatsregierung vorgelegte Sanierungskonzept soll zugleich den Weg für Staatshilfe ebnen. Die Bundesregierung hatte ihre Hilfe wiederholt von der Vorlage eines schlüssigen Konzepts abhängig gemacht. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofers (CSU) sagte nach einem Treffen mit der Schaeffler-Führung, das vorgelegte Konzept werde nun von Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) geprüft.

Nach Seehofers Worten ist auch die Eigentümerfamilie zu Opfern bereit: "Das Eigenengagement der Familie ist gewaltig, deshalb verdient es unsere Unterstützung." Bei den möglichen Staatshilfen könne es sich nur um Bürgschaften oder Darlehen, nicht aber um eine Übernahme von Schaeffler-Anteilen durch den Staat handeln, sagte Seehofer. Eine Lösung könne es aber nur unter Beteiligung des Bundes und der anderen betroffenen Bundesländer geben. Neben Niedersachsen, wo die von Schaeffler übernommene Continental-Gruppe ihren Sitz hat, seien noch mehrere andere Bundesländer beteiligt.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" strebt Schaeffler als Teil des Sanierungsplans auch Staatshilfen von vier Milliarden Euro an. Es gehe um Unterstützung aus dem Bürgschaftsprogramm der staatlichen Förderbank KfW. Der Bund und jene Bundesländer, in denen Schaeffler Werke betreibe, sollten je zur Hälfte das Risiko tragen. "Wir kommentieren das nicht", sagte der Schaeffler-Sprecher dazu lediglich.

Reuters/DPA / DPA / Reuters