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Stahlbranche: Ein Russe pokert um die Vorherrschaft mit

Der Stahlkonzern Arcelor wehrt sich heftig gegen eine Übernahme durch den britisch-indischen Tycoon Lakshmi Mittal. Einen Verbündeten findet Arcelor im russischen Milliardär Alexej Mordaschow.

Im Pokerspiel um die Vorherrschaft im internationalen Stahlgeschäft ist mit dem russischen Konzern Severstal ein Mitspieler aufgetaucht, der sich nur ungern in die Karten blicken lässt. Experten verfolgen jedoch schon seit längerem die zunehmend ehrgeizigen Expansionspläne des Konzerns unter Führung des russischen Milliardärs Alexej Mordaschow - auch wenn viele internationale Beobachter immer wieder die mangelnde Transparenz der russischen Unternehmensgruppe beklagen.

In der vergangenen Woche hatte der Luxemburger Stahlkonzern Arcelor überraschend angekündigt, sich im Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch den britisch-indischen Branchentycoon Lakshmi Mittal mit Severstal verbünden zu wollen. Das bis dahin weitgehend unbekannte russische Unternehmen war damit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten.

Ernstzunehmende Pläne des Oligarchen

"Seit mehreren Jahren verfolgt die Severstal-Gruppe eine aggressive Investitions- und Akquisitionsstrategie", heißt es in einer von der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl erarbeiteten Studie. Dabei schätzen Fachleute die Pläne des russischen Oligarchen Mordaschow als durchaus ernstzunehmend ein. "Severstal ist gewillt und in der Lage, im weltweiten Konsolidierungsprozess eine wesentliche Rolle zu spielen", heißt es.

Sollte Severstal mit seinen Plänen für einen Einstieg bei Arcelor zum Zuge kommen, müssten sich auch deutsche Stahlunternehmen wie ThyssenKrupp oder Salzgitter mit dem neuen Mitspieler auf dem Stahlmarkt auseinandersetzen. Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp könnte bei seiner Nordamerika-Strategie zunächst einmal nicht mehr auf eine Übernahme des kanadischen Stahlherstellers Dofasco von Arcelor setzen. Ein solches Geschäft war den Düsseldorfern bei einem Einstieg des Severstal-Konkurrenten Mittal bei Arcelor in Aussicht gestellt worden.

"Komfortable Kapitalausstattung"

Auch im Rennen um eine Führungsposition in der internationalen Stahlliga will Severstal nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung zum Spurt ansetzen und viele der etablierten Stahlhersteller auf den vorderen Plätzen der Welt-Liga überholen. "Langfristiges Unternehmensziel ist es, zu den drei bis fünf weltweit dominierenden Stahlkonzernen aufzusteigen", heißt es in dem Papier zu Strategie von Severstal. Dafür seien bei dem über eine "komfortable Kapitalausstattung" verfügenden russischen Unternehmen in den kommenden Jahren Milliarden-Investitionen eingeplant.

Strategisches Ziel von Severstal sei dabei vor allem auch der Ausbau des Geschäfts mit höherwertigen Stahlqualitäten. "Arcelor ist da der beste Fang, den man sich vorstellen kann", heißt es dazu aus europäischen Branchenkreisen. Der Luxemburger Konzern verfüge nicht nur über hochwertige Technologien, sondern auch über einen exzellenten Zugang zu vielen wichtigen Kunden etwa aus der Automobilindustrie. Langfristig Sinn mache ein Einstieg aus Sicht von Severstal jedoch nur, wenn das russische Unternehmen die Führung bei Arcelor übernehmen könne.

Eitelkeit gegen strategische Vorteile

Rätselraten herrscht bei vielen Beobachten dagegen in Hinblick auf die strategischen Vorteile für Arcelor. Ein Zusammenschluss mit Mittal wäre da eher auf "Augenhöhe" gewesen, urteilte ein Beobachter. Auch das Unternehmen unter Führung des aus Indien stammenden Unternehmers Lakshmi Mittal hätte von einem Zusammenschluss mit Arcelor von dem technologischen Vorsprung des Luxemburger Unternehmens profitieren können. Mittal hätte jedoch auch selbst viele auch für Arcelor interessante Geschäfte in eine solche Stahl-Ehe mit eingebracht. "Da können nur persönliche Eitelkeiten eine Rolle gespielt haben", meint ein Beobachter.

DPA / DPA