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Stahlkrieg: ThyssenKrupp kriegt Dofasco nicht

Nach dem negativen Urteil eines niederländischen Zivilgerichts hat Thyssen Krupp fast keine Chance mehr auf eine Übernahme des kanadischen Stahlherstellers Dofasco. Jetzt wird nach Alternativen gesucht.

Im Streit um die Übernahme des kanadischen Stahlkonzerns Dofasco muss ThyssenKrupp seine Hoffnungen vermutlich begraben. Denn nach mehr als einjährigem Ringen um seine Übernahme hat ein niederländisches Gericht am Dienstag den ehrgeizigen Plänen des größten deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp die rote Karte gezeigt. "Ein Kauf von Dofasco ist in weite Ferne gerückt", räumte ein Unternehmenssprecher in Düsseldorf nach der Abweisung einer von ThyssenKrupp in dem Streit eingereichten Klage ein. Noch wenige Tage zuvor hatte sich ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz vor der Hauptversammlung in Bochum optimistisch gegeben, dass das Geschäft doch noch gelingen könnte.

Nun fehlt wichtiger Baustein

Der Kauf des profitablen Stahlherstellers Dofasco hatte bislang als wichtiger Baustein in der Wachstumsstrategie des deutschen Unternehmens gegolten. Nun müssen die bereits vorbereiteten Alternativkonzepte aus der Schublade gezogen werden. Unter dem Stichwort "Greenfield-Lösung" sind bei dem Unternehmen bereits die Planungen für den Bau eines neuen Stahlwerks "auf der grünen Wiese" in Nordamerika angelaufen.

Mit seiner Strategie beim Stahl will sich das deutsche Unternehmen auf die Märkte in Nordamerika und Europa konzentrieren und dabei vor allem auf die Produktion hochwertiger Stahlsorten setzen. Weltweit liegt ThyssenKrupp derzeit bei der Produktion von so genanntem Qualitätsflachstahl mit 14,1 Millionen Tonnen auf Platz sieben. Bei dem einfachen Rohstahl belagt das Unternehmen mut 16,5 Millionen Tonnen nur Platz elf. "Mit höherer Qualität lassen sich auch bessere Ergebnisse erzielen", so Konzernchef Schulz.

Kriegskasse ist gut gefüllt

Vor allem der anhaltende Stahl-Boom hat derzeit die Kassen des Düsseldorfer Unternehmens prall gefüllt. Allein in den ersten drei Monaten des Anfang Oktober 2006 angelaufenen Geschäftsjahres 2006/07 (30.9.) hat ThyssenKrupp einen Gewinn vor Steuern von rund einer Milliarde Euro eingefahren. Damit konnte das Unternehmen das bereits glänzende Vorjahresergebnis mehr als verdoppeln. Im gesamten zurückliegenden Jahr 2005/06 hatte der Vorsteuergewinn noch bei 2,6 Milliarden Euro gelegen.

Angesichts glänzender Bilanzen im Stahl-Geschäft und eines weltweit anhaltenden Konsolidierungskurses in der Branche hätte eine Übernahme des größten kanadischen Stahlherstellers Dofasco neue Aussichten für ein schnelles Wachstum eröffnet. Das Ringen um die Dofasco-Übernahme hat dabei eine lange Vorgeschichte. Nachdem ThyssenKrupp bereits in einer ersten erbitterten Übernahmeschlacht um Dofasco gegen Arcelor eine Niederlage hatte einstecken müssen, hatte es vor einem Jahr eine dicke Überraschung gegeben.

US-Kartellbehörden müssen zufrieden gestellt werden

Im Kampf um die schließlich vollzogene Übernahme von Arcelor sagte Mittal dem deutschen Unternehmen doch noch den Verkauf von Dofasco zu. Arcelor hatte das Unternehmen zur Abwehr gegen Mittal zuvor jedoch in eine Stiftung eingebracht, die nun ihre Selbstauflösung verhindert. Mit der nun gescheiterten Klage hatte ThyssenKrupp versucht, die aufgestellten rechtliche Hürden für eine Dofasco- Übernahme doch noch aus dem Weg zu räumen.

Bei Arcelor Mittal mehren sich unterdessen die Anzeichen, dass dem Unternehmen der vor einem Jahr zugesagte Verkauf des profitablen kanadischen Unternehmens an die Deutschen derzeit gar nicht mehr gut ins Konzept passt. Am vergangenen Freitag gab Arcelor Mittal bekannt, sich statt auf einen Verkauf von Dofasco auf eine Veräußerung von Weirton Steel in den USA vorzubereiten. Auch damit könnte Arcelor Mittal die Auflagen der US-Kartellbehörden erfüllen, die bislang auf einen Dofasco-Verkauf gepocht hatten.

Uta Knapp/DPA / DPA