HOME

Thyssen, Arcelor & Mittal: Stahlbranche ist im Umbruch

Wenige Tage nach dem verlorenen Bieterwettkampf um den kanadischen Stahlproduzenten Dofasco kommt Deutschlands Marktführer ThyssenKrupp möglicherweise doch noch zum Zug. Und Mittal hat feindlichen Appetit auf Arcelor.

Weltmarktführer Mittal teilte am Freitag in London überraschend mit, die weltweite Nummer zwei, Arcelor, für umgerechnet 18,6 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Mittal will anschließend Dofasco für insgesamt knapp 3,8 Milliarden Euro an ThyssenKrupp weiterverkaufen. Mit diesen Plänen hat allerdings Arcelor so seine Probleme und betrachtet die Übernahme-Offerte von Mittal Steel als "eindeutig feindlich". Es habe vor dem Kaufangebot keinerlei Gespräche der beiden Konzerne gegeben, teilte Arcelor am Freitag in Luxemburg mit. Der Vorstand des Stahlkonzerns will in Kürze zusammentreffen, um über den Vorstoß von Mittal Steel zu beraten.

Zuschlag beim zweiten Mal?

Erst am Wochenanfang hatte ThyssenKrupp sich im Bieterwettstreit um Dofasco gegen Arcelor geschlagen gegeben. Ein zuvor von Arcelor überbotenes Angebot von 68 kanadischen Dollar je Aktie der Düsseldorfer wurde nicht weiter erhöht. Nun soll ThyssenKrupp genau diesen Preis für Dofasco bezahlen.

ThyssenKrupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz erklärte in Bochum, das Angebot annehmen zu wollen, sollte Mittal bei der Übernahme von Arcelor erfolgreich sein. Es wurde vereinbart bis zu 100 Prozent der Anteile von Dofasco zu erwerben. Damit habe ThyssenKrupp weiter die Möglichkeit, in wirtschaftlich sinnvollem Rahmen diesen strategisch bedeutsamen Schritt für profitables Wachstum in Nordamerika zu tun, sagte Schulz. ThyssenKrupp, derzeit auf Platz zehn, würde mit der Übernahme weltweit zur Nummer fünf aufsteigen.

Es bleibt bei Ausfallgeld von Dofasco

Dabei wird ThyssenKrupp nach eigenen Angaben das vereinbarte Ausfallgeld für die Niederlage im vorherigen Bieterwettwerb unabhängig von einer Übernahme des kanadischen Stahlherstellers Dofasco von diesem erhalten. "Wir erhalten auf jeden Fall von Dofasco das Ausfallgeld von 215 Millionen kanadischen Dollar", sagte ein Sprecher von ThyssenKrupp am Freitag am Rande der Hauptversammlung in Bochum. Hierbei handele es sich um ein anderes Verfahren, das abgeschlossen sei. Der Konzern wolle wie angekündigt die Summe im zweiten Quartal verbuchen. Dofasco hatte die so genannte "Break Fee" zugesagt, falls ThyssenKrupp in dem Bieterverfahren gegen Arcelor nicht zum Zuge kommt.

Der gebürtige Inder Lakshmi Mittal hatte in den vergangenen Jahren durch eine Reihe spektakulärer Übernahmen in der Branche einen Stahlgiganten geschmiedet, der im vergangenen Jahr Arcelor als die Nummer eins überholte. Mittal erzeugte 2004 insgesamt 66 Millionen Tonnen Rohstahl, Arcelor 51 Millionen Tonnen. Beide hatten als Ziel eine Jahresproduktion von 100 Millionen Tonnen angekündigt. ThyssenKrupp stellte zuletzt 17,6 Millionen Tonnen her und lag damit weltweit auf Platz zehn. Experten hatten bereits seit langem eine weitere Konzentration in der Branche erwartet.

mit AP, Reuters / Reuters