Standortverlagerung C-Klasse bald nur noch in Bremen und Südafrika?


Trotz hoher Gewinne in der PKW-Sparte droht DaimlerChrysler-Vorstand Hubbert mit dem Abbau von Arbeitsplätzen im Stammwerk in Sindelfingen. Jährlich sollen dort 500 Millionen Euro eingespart werden.

Die DaimlerChrysler-Führung hat den Betriebsrat massiv unter Druck gesetzt und droht jetzt mit Produktionsverlagerung: Sollte es keine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern über Einsparungen von jährlich 500 Millionen Euro geben, wird die Produktion der neuen C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika verlagert. Das würde - vor allem im Hauptwerk Sindelfingen mit seinen 41.000 Beschäftigten - den Verlust von rund 6.000 Stellen bedeuten.

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte , die Arbeitnehmervertretung sei weiterhin kompromissbereit. "Eingriffe in den Flächentarifvertrag lehnen wir ab." Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert bekräftigte, 500 Millionen Euro jährlich müssten eingespart werden. Von den Einsparungen sei abhängig, wo die neue C-Klasse von Mercedes-Benz gebaut werde. Sollte es keine Einigung mit dem Betriebsrat bis Ende Juli geben, dann werde die neue Generation der C-Klasse von Mercedes-Benz ab dem Jahr 2007 in Bremen auf 1.200 Fahrzeuge täglich und in Südafrika auf 300 aufgestockt. In Sindelfingen würde die C-Klasse dann nicht mehr produziert. Hubbert betonte: "Das Werk Sindelfingen ist bei weitem nicht das produktivste Werk."

Bremen solidarisch

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Bremer Werkes, Uwe Werner, sagte der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage, es sei nicht das erste Mal, dass versucht werde, die Bremer gegen die Sindelfinger Kollegen auszuspielen. "Wir sind aber nach wie vor solidarisch mit den Kollegen in Sindelfingen. Das ist ein Angriff auf den Tarifvertrag." Hubbert bekräftigte erneut seine Kritik an dem Tarifvertrag für Baden-Württemberg. "Der Kostennachteil in Baden-Württemberg ist gravierend." Als Beispiel nannte er längere Pausen, höhere Schichtzuschläge und mehr Feiertage im Vergleich zum Werk Bremen. Hubbert sagte: "Wenn wir die baden-württembergische Krankheit nicht beseitigen", dann könne dass zu einem dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen führen.

Fleig: 180 Millionen Ersparnis nicht genug

Personalvorstand Günther Fleig sagte, die vom Betriebsrat bisher angebotenen Einsparungen von 180 Millionen Euro reichten nicht aus. "Wir brauchen ein Zeichen, den Automobilstandort in Baden-Württemberg zu sichern." Fleig sagte, in Bremen könne 72 Stunden länger produziert werden als in Sindelfingen. Der Betriebsrat und der Vorstand seien sich weitgehend einig, die 40-Stunden-Woche mit Lohnausgleich im Bereich Forschung und Entwicklung einzuführen. Davon seien 20.000 Mitarbeiter betroffen. Hubbert erklärte, dass auch die leitenden Angestellten und der Vorstand möglicherweise ihren Anteil an den Einsparungen leisten wollten. "Wir diskutieren, wenn es zu einer solidarischen Lösung kommt, dass sie durchgehend solidarisch ist, auch für die leitenden Mitarbeiter."

Der Autobauer will nach nach Angaben des Chefs der Mercedes Car Group bei der C-Klasse in Zukunft die Kosten pro Fahrzeug um 500 Euro senken. Die Einsparungen habe sich das Unternehmen im Rahmen der normalen Planung vorgenommen. Hubbert sagte: "Auch für die nächste Generation der C-Klasse haben wir uns Kostenziele gesetzt." Weil der Betriebsrat eine Zusammenfassung der Gespräche für alle Standorte gefordert habe, seien aus 500 Euro nun 500 Millionen Euro geworden. Fleig betonte: "Der Vorstand hat den absoluten Willen Beschäftigung zu sichern." Die Einsparsumme sei ein solidarischer Kraftakt, "um den Kostensockel in Deutschland etwas zu ermäßigen."

Kritik: "Verrohung der Sitten"

Die SPD und die Gewerkschaft IG Metall haben scharfe Kritik an der Drohung von DaimlerChrysler geübt, 6.000 Arbeitsplätze von Sindelfingen an billigere Standorte in Südafrika und Bremen zu verlagern. Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, sprach laut "Berliner Zeitung" von einem "unglaublichen Verfall des Verständnisses von Unternehmertum in Deutschland". Er könne darin "nur Bediener-, aber keine Unternehmermentalität erkennen", fügte Müller demnach hinzu.

Der IG-Metall-Bezirksleiter von Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, warf DaimlerChrysler ebenfalls in der "Berliner Zeitung" eine "Verrohung der Sitten" vor: "Das ist Kapitalismus pur", wurde er zitiert. Die Ankündigungen zeigten, dass man "in deutschen Großkonzernen auf Sozialpartnerschaft offenbar keinen Wert mehr legt", sagte er.

Der Betriebsrat hat die Beschäftigten am kommenden Donnerstag zu Protestaktionen an allen DaimlerChrysler-Werken in Deutschland aufgerufen.

Neue Nahrung für Arbeitszeitdebatte

Mit den Verhandlungen bei DaimlerChrysler bekommt die Debatte über Produktionskosten und den damit zusammenhängenden Arbeitszeiten in Deutschland neue Nahrung. Ausgelöst worden war sie, nachdem Siemens in zwei westdeutschen Werken die 40-Stunden-Woche vereinbart und im Gegenzug eine befristete Standortgarantie gegeben hatte. Arbeitgeberverbände fordern nun eine generelle Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf mindestens 40 Stunden und eine Kürzung des Urlaubs auf fünf von sechs Wochen. Ziel soll sein, den Standort Deutschland zu stärken.

DPA

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