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stern.de-Serie zu Nokia: Die Qual weicht der Zuversicht

In nur 40 Minuten können aus Pessismus und Resignation Optimismus und Zuversicht werden: Sümbül Cankaya, die bei Nokia in Bochum kurz vor der Entlassung steht, hat einen Termin bei der Arbeitsagentur und wird positiv überrascht. stern.de hat sie bei ihrer Job-Suche begleitet.

Von Christian Parth und Tim Farin

Es ist der Geruch des Hauses, der in Sümbül Cankaya schlechte Erinnerungen weckt. Wohlgefühlt hat sich die zierliche Deutsch-Türkin in der Agentur für Arbeit noch nie. Der Geruch erinnert sie an früher. Vor einiger Zeit noch begleitete sie ihren Vater häufiger in das rote Backsteingebäude an der Markgrafenstraße zu Herne, um ihm bei der Jobsuche zur Seite zu stehen. Kahle Gänge, kalte Büros, viele Menschen, aber wenig Menschlichkeit, dachte sie immer.

Der rückengeschädigte Vater, ehemaliger Nokia-Arbeiter, tat ihr leid, weil es nicht einfach ist, eine neue Aufgabe im Leben zu suchen, und es manchmal aussichtslos ist, sie zu finden. Sie hätte nie gedacht, dass sie auch einmal hier sitzen würde. "Anfangs fühlte ich mich erniedrigt", sagt sie hinterher. "Ich hatte plötzlich das Gefühl, jahrelang von der Stütze gelebt zu haben."

Der Staat als Dienstleister

Es ist 13.30 Uhr, als Sümbül Cankaya im Gang der ersten Etage Platz nimmt. Gleich neben der Sitzreihe befindet sich Raum 117, drinnen wartet Herr Hansmann, zuständiger Betreuer in Sachen Jobsuche. Sümbül Cankaya ist seine neue Kundin. So heißt das eine Weile schon, weil der Staat mit dem Wort Kunde seine Rolle als Dienstleister betont und der Arbeitsuchende ein Gefühl der Würde behält. Herr Hansmann ist ein netter Mensch, sagt Cankaya. Er wirkt aufgeschlossen und kooperativ, sagt sie, keiner von denen, die Arbeitslosigkeit mehr verwalten als bekämpfen.

Ihr Sohn Koray ist auch mit dabei, er lockert anfangs wohltuend die Atmosphäre. Er will einmal Computeringenieur werden, sagt der Siebenjährige. Seinen Vater könne er sich gut als Friseur vorstellen und die Mutter sollte sich als Schornsteinfeger versuchen, weil der eine, der kürzlich im Haus war, ihm so gut gefallen hatte.

16 Vermittler für Nokianer

Wolfgang Hansmann lacht. Doch mit Cankaya hat er ganz anderes vor. Sie erzählt ihm von ihrer Lebenssituation, von ihrer Familie, die nahezu vollständig im Dienst des finnischen Handy-Herstellers tätig war, dem pflegebedürftigen Vater und dem Haus, das sie sich im Überschwang der sicher geglaubten Arbeitsplätze kaufte und das nun zur existenziellen Bedrohung zu werden scheint. Das mit Nokia sei schon ein großes Problem für die Betroffenen, sagt Herr Hansmann. "Nach dem Bekanntwerden der geplanten Werksschließung hat unsere Geschäftsführung sofort den Kontakt zu Nokia aufgenommen." Nun heiße es auch für Cankaya, den Kopf nicht hängen zu lassen und die Ärmel hochzukrempeln.

Leuten wie Herrn Hansmann steht noch einiges bevor. Zehn Nokianer hat er bereits beraten. Doch der Großteil kommt erst noch, weil die meisten ihre Kündigungen abwarten wollen, die vermutlich Ende Mai in ihren Briefkästen landen. Insgesamt beschäftigen sich allein in Herne 16 Arbeitsvermittler mit den Schicksalen, die der finnische Handy-Hersteller durch seinen Werksumzug nach Rumänien hinterlassen hat.

"Es geht jetzt zunächst darum, ganz elementare Dinge zu klären. Dazu gehören vor allem fachliche und körperliche Voraussetzungen, Zeugnisse und Mobilität." Um den bevorstehenden Ansturm in geordnete Bahnen zu lenken, haben die Staatsdienstleister vergangene Woche begonnen, Info-Veranstaltungen für die Belegschaft zu organisieren. Ab nächster Woche werden die Arbeitsuchenden dann nach und nach an eigens dafür bereit gestellten Telefonen auf dem Werksgelände in Bochum kontaktiert. An der konzertierten Aktion beteiligen sich neben jenen aus Bochum und Herne auch Agenturmitarbeiter aus Essen, Duisburg und Köln.

Zukunft Flughafen

Herr Hansmann sagt, dass sich Sümbül Cankaya davon lösen müsse, erneut in einem Warenlager zu einem akzeptablen Salär Arbeit zu finden. Er scrollt über die Internetseite seiner Arbeitsagentur, zeigt ihr, wie viele verschiedene Jobprofile in der Datenbank gelistet sind. Sie solle mal schauen, was ihr zusagt und auch mal die Seite mit den Stellenanzeigen studieren. Ein Beispiel nennt Herr Hansmann auch, die Sicherheitsbranche. Der Flughafen in Düsseldorf suche Leute für die Gepäckkontrolle, zwischen 2200 und 2700 Euro Brutto im Monat könne sie dort verdienen. Bei Nokia bekam sie zwar 2713 Euro ohne Zulagen. Aber einen Arbeitgeber wie Nokia wird sie eben nicht mehr so schnell finden. Ihre SAP-Kenntnisse seien für den Job eine gute Voraussetzung, allein einen dreimonatigen Kurs gelte es zu absolvieren.

Wolfgang Hansmann findet es bemerkenswert, dass Cankaya ihre positive Ausstrahlung behalten hat. Auch wenn ihre Auffassung von der Strukturstärke der Region recht schwarzmalerisch sei. Der Vermittler sieht die Lage indes weniger dramatisch. "Es gibt hier noch einige Branchen, in denen man Arbeit finden kann. Zum Beispiel im Bereich Lager und Logistik sowie Systemgastronomie." Doch manchmal stöhnen selbst die Mitarbeiter der Arbeitsagentur, wenn sie etwa von der Umsetzung des politischen Mottos "Fördern und Fordern" reden. Der Ruhrgebietler an sich sei eben sehr bodenständig. Das gestalte die Vermittlung mitunter recht schwierig. Die Kunden müssten einfach lernen, mobiler und flexibler zu werden.

Nach rund 40 Minuten verlassen Sümbül Cankaya und ihr Sohn Koray die Agentur für Arbeit. Es sei besser gelaufen als erwartet, sagt die Deutsch-Türkin. Sie hat wieder einen Strohhalm, den sie greifen kann. Auf dem Weg nach Hause machen sich wieder diese Gedanken über ihre Zukunft breit in ihrem Kopf. Doch dieses Mal weicht die Qual der Zuversicht. Sie stellt sich vor, wie sie am Flughafen Düsseldorf das Gepäck der Reisenden kontrolliert. Den Job könne sie sich sehr gut vorstellen, sagt sie. Sie hat gerne mit Menschen zu tun. Und ein bisschen atmet sie dann auch den Duft der weiten Welt.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(