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Stiftung Warentest: Billigflieger haben die Nase vorn

Billigflieger haben nach einer Untersuchung der Zeitschrift "Stiftung Warentest" bei Preisen und Leistung die Nase im deutschen Luftverkehr vorn.

Auf dem deutschen Markt der Billigflieger sind die markigen Sprüche verhallt. Immer wieder haben sich die Konkurrenten gegenseitig den baldigen Absturz vorausgesagt. Doch drei Jahre nach Beginn des Booms halten sich die etablierten Rivalen um Germanwings, Air Berlin, Ryanair und Co. bisher weiter am Himmel. Mit zusätzlichen Jets, neuen Routen und vor Gericht rüsten sie sich für ein Ringen mit langem Atem. Auf noch billigere Tickets können Reisende allerdings kaum hoffen. Schon jetzt fand die Stiftung Warentest Mini-Tarife von 33 oder 44 Euro aus der Werbung tatsächlich nur selten.

Dabei haben Billigflieger bei Preisen und Leistung die Nase vor den großen nationalen Gesellschaften, wie die Tester urteilten. An fünf Niedrigpreis-Anbieter vergaben sie die Note "Gut" - ganz vorn lagen Air Berlin und die dba mit der Note 2,2. Drei Billig-Airlines erhielten ein "Befriedigend". In der Wertung kam es neben dem Preis aber auch auf Bordservice und Sitzkomfort an - und da geben sich die meisten Low-Cost-Flieger bewusst schlicht. Im Schnitt die niedrigsten Preise hatten im Test die irische Ryanair mit 109 Euro und die britische Easyjet mit 112 Euro für den Hin- und Rückflug.

Die Luft wird dünner

Im Gerangel um die Kunden bringen sich die Konkurrenten derweil weiter in Stellung. Germanwings, Tochter der Lufthansa-Beteiligung Eurowings, peilt nach 3,5 Millionen Reisenden in diesem Jahr die Fünf-Millionen-Marke an. Die beiden großen Reisekonzerne TUI und Thomas Cook haben auch schon ihre Ferienflieger in den Billigmarkt geschickt. Der zweitgrößte deutsche Linienflieger Air Berlin macht dort bereits immer größere Teile des Geschäfts und erwartet im Herbst die ersten Jets aus dem Milliardenauftrag über 60 Airbus A 320.

Und neue Maschinen müssen gefüllt werden. Ob zusätzliche Ziele genug Passagiere locken, muss sich aber erweisen - denn die Luft wird dünner. "Die Nachfrage ist schon bisher nicht so stark gestiegen wie das Angebot", sagt Andreas Knorr, Wirtschaftswissenschaftler an der Verwaltungshochschule Speyer. Noch stärker dürften neben europäischen Städten daher Sonnenziele der Ferienflieger mit Flugzeiten bis drei Stunden ins Visier der Preisbrecher geraten. Von Berlin aus buhlen im Sommer etwa Easyjet und der TUI-Billigflieger Hapag-Lloyd Express mit derselben neuen Route nach Sardinien um Urlauber.

"Unsere Planung beruht nicht darauf, dass andere aufgeben"

Dass nicht alle Anbieter auf Dauer überleben werden, gilt in der Branche als sicher. Doch das Ringen dauert schon länger als vielfach gedacht. "Unsere Planung beruht nicht darauf, dass andere aufgeben", sagt Easyjet-Chef Ray Webster. "Wir rechnen auf absehbare Zeit weiter mit Wettbewerbsdruck." Die Unternehmensberatung Mercer sieht trotz weiter wachsender Billigflug-Anteile am Gesamtmarkt aber besonders kleine Airlines bedroht. Mit Air Polonia, der italienischen Volare und der niederländischen V-Bird blieben schon drei Anbieter am Boden - bundesweit spielten sie aber keine größere Rolle.

Neben dem Preiskampf am Himmel bedrängen sich die Billigflieger längst auch am Boden. Wegen angeblicher Subventionen für Ryanair reichte Air Berlin gerade Klage gegen den Flughafen Lübeck ein. Vor Gericht hatte Geschäftsführer Joachim Hunold schon im vergangenen Jahr erfolgreich Front gegen Rabatte am Airport Berlin-Schönefeld gemacht, die Konkurrenten zu Gute kamen.

Sascha Meyer und Christoph Sator, dpa