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Stromnetz: Poker um Eons Hochpannungsnetze

Kaum hatte Eon seine Pläne zum Verkauf des Stromnetzes veröffentlicht, gingen die Spekulationen über mögliche Käufer los. Erste Interessenten werden gerüchteweise gehandelt, eine Verstaatlichung lehnt die Bundesregierung ab. Die Versorgung bleibe gesichert, verlautet es aus Berlin.

Sollte Deutschlands größter Versorger Eon seine Hochspannungsnetze tatsächlich verkaufen, dürften vor allem Finanzinvestoren den Finger heben. Die Aussicht auf stabile Erträge ohne größeres Risiko mache eine solche Investition gerade angesichts der Finanzkrise äußerst attraktiv, hieß es in Branchenkreisen. Am wahrscheinlichsten sei ein gemeinsames Gebot mehrerer Investoren, um einen derartigen Milliardendeal ohne Finanzierungsprobleme stemmen zu können. Dass Staatsfonds zum Zuge kommen, gilt wegen des zu erwartenden politischen Widerstands als ausgeschlossen.

Als potenzielle Käufer für die Stromnetze kommen wohl nur Infrastruktur-Investoren mit Erfahrungen in der Versorger-Branche in Frage. "Wer nicht garantieren kann, dass es keine Stromausfälle gibt, wird keine Chance haben", sagt Branchenexperte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck.

Erste Namen werden gehandelt

Als Interessenten genannt werden in Finanzkreisen unter anderem die britischen Beteiligungsfirmen 3i und Terra Firma sowie die Deutsche-Bank-Tochter Rreef und das australische Institut Macquarie. Das grundsätzliche Interesse dieser Infrastruktur-Spezialisten sei da, hieß es. Sprecher aller Häuser lehnten eine Stellungnahme ab. Neben Finanzinvestoren kommen auch europäische Netzbetreiber als Interessenten in Frage, die in Deutschland Fuß fassen wollen.

Sollte der russische Staatskonzern Gazprom an einem Kauf der Eon-Stromautobahnen interessiert sein, könnte das Geschäft mit Hilfe des verschärften Außenwirtschaftsgesetzes überprüft werden, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Die Regierung arbeitet gerade an einer Neufassung des Gesetzes, um wichtige Wirtschaftsbereiche vor Staatsfonds und Investoren aus Nicht-EU-Ländern schützen zu können.

Verbraucherschützer für Verstaatlichung

Für eine Verstaatlichung der Stromnetze in Deutschland plädiert unter anderem der Bund der Energieverbraucher. Dessen Vorsitzender Aribert Peters sagte im Bayerischen Rundfunk, die Übertragungsnetze sollten "verstaatlicht und nicht den privaten Profitinteressen überlassen" werden. Wenn Eon Geld mit dem Netz verdiene, könne das auch der Staat. Das sei dann auch sinnvoll, weil das Netz dann auch verantwortungsvoll ausgebaut werden könnte. "Das Netz ist eine wichtige Ressource für die Energieversorgung der Zukunft und es kommt ja auch darauf an, dass auch erneuerbare Energien dort eingebunden werden", sagte Peters.

In diese Richtung argumentiert auch der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel. Er sagte, die öffentliche Hand könne am besten Versorgungssicherheit und einen angemessenen Ausbau der Netze garantieren. "Wenn Finanzminister Steinbrück eine oder zwei Milliarden Euro locker machen kann, um eine Bank zu retten, die ihr Geld in den USA verzockt hat, müsste das auch für die Versorgungssicherheit in Deutschland ausgebbar seien", meinte der Experte. Wenn dagegen das deutsche Stromnetz privaten Investoren überlassen werden solle, müsse die Regulierungsbehörde auf jeden Fall mit den Kompetenzen ausgestattet werden, den Netzausbau zu kontrollieren, verlangte Krawinkel.

Versorgungssicherheit nicht gefährdet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies unterdessen Spekulationen über solche Pläne zurück. "Eine Verstaatlichung habe ich nicht im Auge", sagte Merkel in München nach einem Spitzengespräch mit der deutschen Wirtschaft. Eons Verkaufsabsichten hatten die Bundesregierung überrascht, die gegen entsprechende EU-Pläne für eine Trennung des Stromnetzes ist. Merkel sagte, sie nehme die Entscheidung von Eon "so zur Kenntnis." Dies werde die Verhandlungsposition in Brüssel nicht stärken. E.ON sei aber nicht der einzige Versorger in Deutschland, die Bundesregierung habe noch andere Verbündete. Nach Merkels Worten ist eine Trennung des Stromnetzes kein Garant für mehr Wettbewerb.

Die Versorgungssicherheit ist nach Einschätzung der Bundesregierung nicht gefährdet. Nach derzeitigen Erkenntnissen hätten die Absichten von Eon keine negativen Folgen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Das Wirtschaftsministerium betonte, die für die Aufsicht zuständige Netzagentur achte darauf, dass genug in die Netze investiert werde.

Eon hatte überraschend den Verkauf seines Strom- Übertragungsnetzes an einen Betreiber angekündigt, der nicht im Bereich der Stromerzeugung oder Stromversorgung tätig ist. Die Gründe seien betriebswirtschaftlicher Art, so der Konzern, außerdem setze Eon darauf, mit diesem Schritt und dem beabsichtigten Verkauf von größeren Kraftwerkskapazitäten konstruktiv auf ein laufendes Kartellverfahren auf EU-Ebene positiven Einfluss zu nehmen.

Trotz der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland seit 1999 beherrschen die großen Konzerne Eon und RWE allein etwa zwei Drittel des Marktes. Zusammen mit Vattenfall und ENBW sind 90 Prozent des Marktes in der Hand von nur vier Unternehmen.

DPA/AP/Reuters/ThoG / AP / DPA / Reuters