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SUBVENTIONEN: »Bestäubungsprämie« für Europas Imker

Bienen sollen in der Europäischen Union endlich wie Kühe behandelt werden. Schließlich bekommen Rinderzüchter in der EU ja auch eine Prämie pro Tier.

Die emsigen Insekten geben zwar keine Milch, sorgen aber für den Honig auf dem Frühstückstisch - was für die Abgeordneten des Europäischen Parlaments in etwa auf das Gleiche hinausläuft. Deshalb fordern sie »Bestäubungsprämien« für jeden Imker in der EU. Schließlich soll es diesem nicht schlechter ergehen als Rinderzüchtern in Bayern oder der Bretagne, die schließlich auch für jedes ihrer Tiere Geld aus Brüssel kassieren.

Bienenstöcke = Großvieheinheiten

Die findigen Parlamentarier verlangen, dass »die Bienenstöcke in Großvieheinheiten umgerechnet werden«, um zu angemessenen Beihilfen für die Honigproduzenten zu kommen. Sie verweisen dabei in einer Entschließung auf »Alarmrufe der europäischen Bienenwirtschaft«. Besorgnis erregend sei die Abnahme der Zahl der Imker, die »auch in ökologischer Hinsicht unverzichtbar sind, um die Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen EU-weit zu gewährleisten«. Außerdem hat »der Grad der Selbstversorgung der Europäischen Union mit Honig« seit Jahren stetig abgenommen und liegt mittlerweile unter 50 Prozent.

Noch kein akuter Handlungsbedarf

Die EU-Kommission sieht allerdings keinen akuten Handlungsbedarf. Deshalb will sie dem entscheidungsbefugten EU-Agrarministerrat keinen Vorschlag für eine neue »Gemeinsame Marktorganisation Honig« präsentieren, also auch Bienen nicht mit Rindern vergleichen. Schließlich gibt Brüssel allein in diesem Jahr 16,5 Millionen Euro für »maßgeschneiderte und gezielte Programme«, um die Qualität des Honig zu verbessern und diesen besser zu vermarkten, sagt Gregor Kreuzhuber, Sprecher von EU-Agrarkommissar Franz Fischler.

Wichtig fürs Ökosystem

»Wir teilen die Ansicht, dass die Biene wichtig für die Ökosysteme in manchen Regionen ist«, betont Kreuzhuber. Aber Forderungen nach neuen direkten Beihilfen seien gegen den Zeitgeist. Das Verlangen, fleißige Honigbienen in träge Rindviecher umzurechnen, findet der Sprecher absurd. »Danach könnten dann 100.000 oder eine Millionen Bienen eine Großvieheinheit bilden. Wo endet das? Vielleicht bei einer festen Beihilfe von zehn Euro pro Biene?«, fragt Kreuzhuber halb im Scherz. Nein, ernsthaft habe man sich in seiner Behörde mit dieser Frage noch nicht beschäftigt, »und der 1. April ist ja schon vorbei«.

Imkerbund bleibt gelassen

Der Deutsche Imkerbund betrachtet die Diskussionen in Brüssel und Straßburg eher gelassen. Von den heimischen 90.000 Imkern seien bis auf etwa 500 alle lediglich als Hobby-Honigproduzenten tätig, erklärt Doris Kull vom Deutschen Imkerbund. Diese würden ihre qualitativ hochwertige Süßigkeit trotz hohen Preises problemlos in der Nachbarschaft los. Eine Bestäubungsprämie sei deshalb zwar begrüßenswert, aber für die deutschen Imker mit ihrer Jahresernte von etwa 25.000 Tonnen Honig nicht unbedingt überlebensnotwendig, meint Kull: »Die Nachfrage nach unserem Honig ist okay, alarmierend ist die Situation also nicht.«

Jörg Berendsmeier

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