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TARIFE: IG Metall lässt die Muskeln spielen

Zwischen der Forderung der IG Metall und dem ersten Angebot der Arbeitgeber liegen noch Welten. Die Konsequenz: Im April drohen nun weitere Warnstreikwellen.

Die IG Metall lässt die Muskeln spielen. Nach ersten Warnstreiks in den neuen Bundesländern wird es in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag punkt Mitternacht auch erste Arbeitsniederlegungen in Westdeutschland geben. Nach Ostern soll es dann zu zwei massiven »Warnstreikwellen« in der zweiten und dritten April-Woche kommen. Damit will die Gewerkschaft in der seit Anfang Februar laufenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie ordentlich Druck machen. »Vom Arbeitskampf sind wir noch weit entfernt, unser Ziel ist ein verbessertes Angebot«, betont IG Metall-Sprecher Claus Eilrich.

Keine unterschiedliche Bezahlung mehr

Zwischen der Forderung der IG Metall und dem ersten Angebot der Arbeitgeber liegen noch Welten. Die Gewerkschaft verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 12 Monate. Zudem will sie den »unumkehrbaren Einstieg« in ein gemeinsames Entgelt für Arbeiter und Angestellte (ERA), damit die unterschiedliche Bezahlung für vergleichbare Tätigkeiten aufgehoben wird. Die Metall-Arbeitgeber haben bei einer Laufzeit von 24 Monaten Erhöhungen von je zwei Prozent für 2002 und 2003 angeboten. Zu einem Einstieg in ERA sind sie grundsätzlich bereit, bestehen aber auf Kostenneutralität und einer langen Übergangszeit. Damit liegt viel Konfliktstoff auf dem Tisch.

Signale der Deeskalation

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser warnt unermüdlich vor einem Streik, der die Industrie teuer zu stehen kommen und Arbeitsplätze kosten würde. Zudem passten »überholte Arbeitskampfrituale« nicht mehr zu einer modernen Wirtschaft. Deshalb setzt er auf Deeskalation und sendet Friedenssignale an die Gewerkschaft. »Wir werden in dieser Tarifrunde einen Streik nicht mit einer allgemeinen Aussperrung beantworten«, kündigte Kannegiesser frühzeitig an. Die Arbeitgeber wollten eine konstruktive Lösung. Ein neues Angebot haben sie bislang aber nicht in Aussicht gestellt - und die Zeit läuft.

Kompromiss unter Druck?

Bis Mitte April wird sich zeigen, ob unter dem Druck der Warnstreiks ein Kompromiss in greifbare Nähe rückt. Die Blicke werden sich dabei vor allem auf die Tarifbezirke Baden-Württemberg, Küste, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen richten, die wegen der weit fortgeschrittenen Verhandlungen über ERA als mögliche Pilotbezirke gelten. Sollte dort keine Annäherung gelingen, stellt sich für die IG Metall die Frage: Schlichtung oder Streik?

Auch Urabstimmung möglich

»Die Entscheidung über eine Urabstimmung ist noch nicht gefallen«, versichert Eilrich. Die IG Metall wolle einen vernünftigen Abschluss auf dem Verhandlungsweg erreichen. Sollten die Arbeitgeber aber nicht bald etwas auf ihr Einstiegsangebot drauflegen, werde die Kampfbereitschaft der Mitglieder weiter wachsen. »Die stehen schon Gewehr bei Fuß«, heißt es bei den Metallern.

Angela Schiller