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Tarifgespräche gescheitert: Lokführer planen Streiks

Zehn Tage wollen die Lokführer stillhalten, dann drohen wieder Streiks: Nachdem auch die jüngste Tarifrunde mit der Deutschen Bahn ohne Annäherung beendet wurde, will die Lokführergewerkschaft jetzt mit der Urabstimmung für Warnstreiks beginnen.

Bei der Deutschen Bahn stehen die Signale wieder auf Streik. Die Tarifverhandlungen zwischen dem Konzern und der Lokführergewerkschaft GDL sind vorerst gescheitert, wie beide Seiten am Donnerstag nach knapp dreistündigen Verhandlungen erklärten. Die GDL kündigte an, bereits am Montag eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf in die Wege zu leiten. Das Ergebnis soll Anfang August vorliegen. Der Streik würde damit mitten in die Hauptreisezeit der Deutschen fallen.

"Wir sind ratlos"

GDL-Chef Manfred Schell sagte: "Wir betrachten die Verhandlungen als gescheitert." Von der Bahn verlangte er ein verbessertes Angebot. Bahn-Vorstand Margret Suckale sagte, die GDL habe zugesichert, in den nächsten zehn Tagen nicht zu streiken - also bis Ende Juli. Sie kritisierte vehement die Forderung der Gewerkschaft nach Gehaltssteigerungen von 31 Prozent. "Wir sind an dieser Stelle ratlos", sagte sie.

Laut Suckale sei die hohe Lohnforderung der Lokführer den anderen Bahnmitarbeitern nicht zu vermitteln. Für sie war eine Erhöhung von 4,5 Prozent vereinbart worden. Das Unternehmen bleibe aber zu Verhandlungen bereit. "Wir werden weiter alles unternehmen, dass Streiks vermieden werden", sagte sie. Einen Erfolg werde es aber nur geben, wenn alle drei Eisenbahner-Gewerkschaften gemeinsam an einen Tisch kommen.

Lokführer wollen weiter "anständigen Tarifvertrag"

In dieser zentralen Streitfrage kamen sich beide Seiten nicht näher. Schell sagte, die GDL lehne es kategorisch ab, mit den anderen Gewerkschaften zu einem gemeinsamen Vertrag zu kommen. Die Gewerkschaft erwarte nun ein neues Angebot der Bahn. "Was wir wollten war folgendes: einen anständigen Tarifvertrag, Verbesserungen bei den Einkommen und eine Verbesserung der Arbeitszeitbestimmungen."

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte zu Beginn deutlich gemacht, dass die Bahn erneut die Anhebung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent anbieten werde. Diesen Tarifabschluss hatte die Bahn zuvor schon mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart und der GDL in der Tarifrunde letzter Woche bereits ohne Erfolg vorgelegt. In einem "Vorschlag zur Konfliktlösung" hatte die Bahn der GDL unter anderem auch einen Tarifvertrag über Berufs- und Ausbildungsbedingungen der Lokführer angeboten. Mit allen drei Bahngewerkschaften sollte zudem ein neues Vergütungssystem für alle Mitarbeiter des Unternehmens gesucht werden.

Kampf für eigenen Tarifvertrag

Die GDL verlangt einen eigenständigen Tarifvertrag mit einem Einstiegsgehalt für Lokführer von 2500 statt bisher 1970 Euro. Eine Übernahme des Abschlusses von 4,5 Prozent mit Transnet und GDBA lehnt die GDL ab.

DPA/AP / AP / DPA