Tarifrunde IG Metall fordert acht Prozent mehr Geld


Es ist die höchste Forderung seit 16 Jahren: Die Gewerkschaft IG Metall verlangt für ihre Mitglieder in der aktuellen Tarifrunde acht Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Reaktionen aus dem Arbeitgeberlager sind eindeutig: "Die IG Metall hat nicht alle Tassen im Schrank."

Die IG Metall geht mit einer Forderung von acht Prozent mehr Lohn und Gehalt in die Tarifrunde 2009 der Metall- und Elektroindustrie. Das hat Gewerkschaftschef Berthold Huber am Dienstag in Frankfurt bekanntgegeben. Es ist die höchste Forderung seit 16 Jahren.

Huber sieht keinen Grund, wegen der aktuellen Finanzkrise die hohe Forderung zu reduzieren. Die von den Bezirken aufgestellte Forderung von acht Prozent mehr Lohn sei weiter angemessen, sagte Huber am Dienstag im ZDF. Bislang könne noch niemand abschätzen, wie sich die Finanzkrise auf die Realwirtschaft auswirken werde. "Es kann ja nicht sein, dass hier die Banken spekulieren und Finanzhaie spekulieren über alle Maßen hinweg, und am Ende müssen die einfachen Leute wieder die Zeche bezahlen", sagte Huber.

Auch seiner Gewerkschaft wäre es lieber, wenn es die Finanzkrise nicht gäbe. "Trotzdem verlangen wir, dass die Arbeitnehmer gerecht beteiligt werden und fair beteiligt werden", sagte der Gewerkschaftschef. Die Metall- und Elektroindustrie stehe glänzend da, davon müssten die Arbeitnehmer etwas abbekommen. Zum Argument der Arbeitgeber, 2009 werde die Entwicklung nicht so positiv sein wie in den vergangenen Jahren, sagte Huber, er warne davor, das kommende Jahr aus Gewinninteressen schlechtzureden.

"Die IG Metall hat nicht alle Tassen im Schrank"

Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser hat die Gewerkschaft wegen ihrer Forderung frontal attackiert: "Die IG Metall hat nicht alle Tassen im Schrank", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Die Gewerkschaft begründe nur die Hälfte ihrer Forderung mit Fakten, die andere Hälfte werde mit Gefühlen gerechtfertigt, sagte Kannegiesser.

Die Maschinen- und Anlagenbauer kritisierten die Forderung der Metaller als realitätsfremd. "Die IG-Metall-Spitze nimmt offenkundig nicht wahr, was in dieser Welt vor sich geht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, Hannes Hesse, am Dienstag in Frankfurt. "Anders kann ich mir die exorbitante Forderung von acht Prozent nicht erklären.“ Die IG Metall schüre unerfüllbare Hoffnungen. Es gebe in der Metallindustrie keinen Nachholbedarf, da die Löhne in dieser Branche in den vergangenen Jahren stärker gestiegen seien als in anderen Bereichen.

Reuters/DPA DPA Reuters

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