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Tarifstreit: Der größte Bahnstreik beginnt

Zum Auftakt des größten Bahnstreiks will die Lokführergewerkschaft GDL ab heute Mittag den Güterverkehr blockieren. Das hat große Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, vielen tausend Beschäftigten droht Kurzarbeit. Ab Donnerstag ist dann auch der Personenverkehr dran - und die GDL droht mit einer weiteren Eskalation.

Die deutsche Wirtschaft befürchtet erhebliche Auswirkungen des Lokführerstreiks. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte der "Bild": "Zigtausenden Beschäftigten droht Kurzarbeit, weil der Nachschub fehlt." Er verlangte eine zügige Beilegung des Konflikts.

Bahn hat Notfallfahrpläne

Zunächst trifft es von heute Mittag an den Güterverkehr. Am Donnerstag wird es dann aber auch für die Privatkunden hart: Von 2.00 Uhr an wird 48 Stunden lang der Arbeitskampf auf den Personenfern- und Nahverkehr ausgeweitet. So solle bundesweit der gesamte Bahnverkehr bis Samstag 2.00 Uhr zumindest erheblich gestört werden, kündigte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), Manfred Schell, an. Der Konzern sprach vom größten Streik der Unternehmensgeschichte.

Die GDL sieht aber vorerst davon ab, die Bahn unbefristet zu bestreiken. Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Claus Weselsky begründete das im ARD-Morgenmagazin mit der Möglichkeit, dass eine solche Maßnahme von einem Gericht als unverhältnismäßig untersagt werden könnte. "Wir bleiben vorerst bei befristet", sagte Weselsky. Die GDL setze darauf, dass damit der Druck auf den Bahn-Vorstand groß genug werde, um anschließend an den Verhandlungstisch zurückkehren zu können. Die bisherigen Angebote des Arbeitgebers wies Weselsky erneut als nicht verhandelbar zurück. Kompromissbereitschaft der Gewerkschaft deutete er bei Gehalt und Arbeitszeit an, bekräftigte aber die Kernforderung: "Von einem eigenständigen Tarifvertrag lassen wir nicht mehr ab."

Die Bahn blieb trotz der erneuten Eskalation im Tarifstreit um einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Entgelt hart und legte kein neues Angebot vor. Notfahrpläne sollen in den kommenden Tagen wenigstens einen eingeschränkten Personenverkehr sichern. Über Verbindungen können sich Bahnkunden von Mittag an auf der Bahn-Internetseite oder telefonisch unter 08000 996633 informieren.

Im Fernverkehr sollen zwei Drittel aller Züge fahren, vor allem die ICE, sagte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch. Bei den Intercitys werde der Verkehr ausgedünnt sein. Im Nahverkehr will die Bahn wie an bisherigen Streiktagen bis zu 50 Prozent der Züge fahren lassen - mit Lokführern, die Beamte oder in anderen Gewerkschaften organisiert sind. Die neuen Bundesländer werden von dem Streik voraussichtlich wieder stärker betroffen sein als der Westen, sagte Rausch.

Schell drohte zudem mit einer weiteren Eskalation: Wenn auch die neuen Streiks nicht zum Erfolg führten, werde der GDL-Vorstand nicht umhinkommen, dem zunehmenden Drängen der Mitglieder zu unbefristeten Streiks nachzugeben.

Bahn: Keine Erpressung

Der Vorstand lasse sich nicht von einer kleinen Gruppe erpressen, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Im Güterverkehr wurde ein Annahmestopp für Sendungen von und nach Ostdeutschland verhängt, wie Frachtvorstand Norbert Bensel sagte. Der Streik könnte den dortigen Frachtverkehr fast völlig lahmlegen, befürchtete die Bahn. Gesichert werden solle aber eine Minimalversorgung mit versorgungsrelevanten Zügen im Osten sowie eine Grundversorgung im Westen. Ein Streik in Frankreich wird den Verkehr in das Nachbarland zusätzlich behindern.

DPA/Reuters / DPA / Reuters