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TARIFSTREIT: Streik-Urabstimmungen in zwei Bezirken

Die IG Metall wird in den Tarifgebieten Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg Urabstimmungen über einen Streik einleiten.

Die IG Metall wird in den Tarifgebieten Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg Urabstimmungen über einen Streik einleiten. Weitere Verhandlungen mit den Arbeitgebern schloss IG-Metall-Chef Klaus Zwickel erneut aus. Die Wahrscheinlichkeit eines Streiks liege bei 100 Prozent, sagte Zwickel der »Bild«-Zeitung. Die IG Metall hat bereits angekündigt, mit einem neuen, flexiblen Streikkonzept vorgehen zu wollen, um auch Großbetriebe in nur wenigen Tagen lahm legen zu können.

Letzter Streik war 1995

Der letzte Streik in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,6 Millionen Beschäftigten in Deutschland fand 1995 in Bayern statt. Damals traten 22.000 Metaller für knapp vier Wochen in den Ausstand. Die dadurch erzwungene Einigung werten die Gewerkschafter noch heute als Erfolg: Mit zwei kurz aufeinander folgenden Lohnerhöhungen von 3,4 und 3,6 Prozent innerhalb von 24 Monaten plus einer Zusatzpauschale von 120 Mark und Lohnausgleich bei der Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden errechneten damals die Arbeitgeber eine Gesamtkostenbelastung von zehn Prozent.

75 Prozent Zustimmung ist nötig

Am Donnerstag will die IG Metall Urabstimmungen über längerfristige Streiks in den Tarifgebieten Bezirken Baden-Württemberg sowie Berlin-Branenburg einleiten, um ihre Forderung nach einem Gesamtvolumen von 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt durchzusetzen. Zur Abstimmung aufgerufen sind die Gewerkschaftsmitglieder in den tarifgebundenen Betrieben. Nötig ist eine Zustimmung von 75 Prozent. Der derzeitigen Planung zufolge wird die Abstimmung bis kommenden Dienstag dauern. Am 2. Mai entscheidet der Vorstand über das genaue Streikkonzept. In zwei Wochen, am 6. Mai, können die Streiks dann beginnen.

Neues Streik-Konzept

Die IG Metall hat nach den Worten ihres Zweiten Vorsitzenden Jürgen Peters ein neues Streikkonzept entwickelt. Anders als früher sollen dabei nicht mehr einzelne Firmen auf Dauer bestreikt werden, vielmehr wolle man flexibel zwischen Ausstand und Arbeit wechseln. So könnten etwa Automobilhersteller wie Daimler-Chrysler oder Porsche mit Hilfe von einigen Tagen Streik für längere Zeit lahm gelegt werden. Mit dem flexiblen Arbeitskampf will die IG Metall auch verhindern, dass es zu einer »kalten Aussperrung« in mittelbar betroffenen Betrieben kommt und deren Arbeitnehmer ohne Lohn nach Hause geschickt werden, weil es für sie keine Arbeit gibt.

Teuer für beide Seiten

Ein Arbeitskampf ist auch für die Gewerkschaft eine teure Angelegenheit, denn während des Ausstandes hat der Streikende keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Die Gewerkschaft zahlt an organisierte Beschäftigte Streikunterstützung, die sich aus dem Mitgliedsbeitrag und damit dem Bruttoeinkommen errechnet. Ein Gewerkschaftsmitglied mit 2.000 Euro Bruttogehalt würde monatlich rund 1.500 Euro erhalten.

Wenn sich die Tarifparteien nach einem Streik einigen, werden die Gewerkschaftsmitglieder in einer zweiten Urabstimmung noch einmal befragt. Das Verhandlungsergebnis ist angenommen, wenn 25 Prozent mit Ja stimmen.