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Telekomstreik: Etappensieg für Obermann

Für die Telekom ist der Tarif-Kompromiss mit Verdi nur ein halber Durchbruch, aber auch der Anfang von Ende des bisherigen Kuschelkurs'. Doch die Schlacht um die Zukunft des Konzerns ist noch nicht geschlagen.

Ein Kommentar von Matthias Lambrecht

Mit dem Kompromiss zwischen der Deutschen Telekom und Verdi hat sich Konzernchef René Obermann vorübergehend Luft verschafft. Er hat den Konflikt mit der beim ehemaligen Staatsunternehmen immer noch mächtigen Gewerkschaft riskiert und damit den Kuschelkurs seiner Vorgänger beendet, der den Konzern im immer schärferen Wettbewerb zunehmend lähmte. Und er hat den Einstieg in ein Arbeitszeit- und ein Entlohnungsmodell geschafft, das der Telekom im Preiskampf zumindest auf mittlere Sicht Spielräume auf der Kostenseite eröffnet.

Allerdings ist der vom neuen Personalvorstand Thomas Sattelberger ausgehandelte Kompromiss kein Durchmarsch. Die Senkung des Grundgehalts um 6,5 Prozent liegt deutlich unter den Ausgangsforderungen der Arbeitgeberseite. Und wegen der vereinbarten Ausgleichszahlungen für die Beschäftigten wird der Kosten senkende Effekt dieser Maßnahme erst in einigen Jahren spürbar. Die Senkung der Einstiegsgehälter um 30 Prozent wirkt zwar sofort - angesichts der Rationalisierungsaufgaben, vor denen die Telekom steht, dürfte die zu erwartende Wirkung jedoch auch hier zunächst eher bescheiden ausfallen. Mit der Anhebung der Arbeitszeit auf 38 Stunden und dem Samstag als Regelarbeitstag gewinnt der Konzern immerhin Flexibilität beim Einsatz der Ressourcen.

Erkauft hat Obermann das Verhandlungsergebnis mit einer Verlängerung der Jobgarantie bis 2012. Ein hoher Preis für einen Konzernchef, der gegen Konkurrenten antreten muss, die aufgrund ihrer Geschichte wesentlich schlanker aufgestellt sind als die Telekom. Und mit der Verbreitung der deutlich weniger personalintensiven internetbasierten Telefontechnologie wird sich der Rationalisierungsdruck noch erhöhen. Diesen Preis musste Obermann wohl zahlen. Ohne die Perspektive, dass ihre Arbeitsplätze zumindest auf mittlere Sicht sicher sind, wären den Arbeitnehmern die schmerzhaften Einschnitte kaum zu vermitteln gewesen. Obermanns Verschnaufpause nach diesem Etappensieg dürfte so nur relativ kurz ausfallen- die Schlacht um die Zukunft des Konzerns ist noch nicht geschlagen.

FTD