VG-Wort Pixel

Genehmigung fehlt, Personal auch Lost in Grünheide: Wird Teslas Gigafactory zum Rohrkrepierer?

Tesla Grünheide
Eine Drohnenaufnahme zeigt die Tesla-Baustelle im brandenburgischen Grünheide Ende März 2021
© Patrick Pleul / DPA
Eigentlich will Tesla im Juli die Gigafactory in Brandenburg eröffnen. Doch noch immer fehlen Elon Musk die erforderlichen Genehmigungen – und offenbar auch Tausende Mitarbeiter. Es droht ein massiver Fehlstart. Mindestens.

Am Donnerstag war Elon Musk mal wieder voll in seinem Element. In T-Shirt, barfuß und mit verwegenem Haarschnitt plauderte er in einem Youtube-Livestream über seinen Wettbewerb "XPrice Carbon Removal", der ein Preisgeld von 100 Millionen Dollar für Technologie-Projekte gegen den Klimawandel ausgelobt hat. Außerdem ging es um den anstehenden SpaceX-Flug zur Raumstation ISS und seine Pläne zur Kolonisierung des Mars. Musk gab einmal mehr den lässigen Visionär, als der er berühmt und erfolgreich geworden ist.

In Deutschland allerdings trifft seine Vision einer in Rekordzeit aus dem Boden gestampften Elektroautofabrik gerade auf die harte Realität. Seit einem Jahr wird im brandenburgischen Grünheide an der Gigafactory gebaut und noch im Juli soll das Tesla-Werk laut Plan die Produktion aufnehmen. Eigentlich. Doch ob das gelingt, daran gibt es immer massivere Zweifel. 

Denn noch immer steht die endgültige Genehmigung durch die Behörden aus. Bislang baut Tesla nur mit vorläufigen Teil-Genehmigungen und auf eigenes Risiko – im Worst Case müsste der E-Autokonzern das Werk sogar wieder zurückbauen. Immer wieder torpedierten umweltrechtliche Fragen das Projekt, die Corona-Pandemie verzögerte zu allem Überfluss auch noch vorgeschriebene Anhörungen. 

Elon Musk äußert sich via Twitter zunehmend ungehalten. Vor zwei Wochen kritisierte Tesla in einem öffentlichen Brief die Trägheit der deutschen Bürokratie und forderte schnelleres grünes Licht für das Vorhaben: "Der deutsche Genehmigungsrahmen für Industrie- und Infrastrukturprojekte sowie für die Raumplanung steht in direktem Gegensatz zu der für die Bekämpfung des Klimawandels notwendigen Dringlichkeit der Planung und Realisierung solcher Projekte", heißt es unter anderem in dem Schreiben. 

Genehmigung fehlt, Personal auch: Lost in Grünheide: Wird Teslas Gigafactory zum Rohrkrepierer?

Tesla-Start erst im Herbst?

Doch die Bürokratie-Schelte hat rein gar nichts bewirkt. Im Gegenteil: In dieser Woche sind für Tesla sogar neue Hürden aufgetaucht. So müssen bestimmte Antragsunterlagen möglicherweise erneut öffentlich ausgelegt werden. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) rechnet damit, dass es allein wegen der damit verbundenen Fristen zu einer weiteren Verzögerung von bis zu drei Monaten für die Genehmigung kommen könnte, wie das Handelsblatt und der Berliner Tagesspiegel berichten. Offiziell hält Tesla zwar noch am Starttermin Juli fest. Doch ein Produktionsstart vor Oktober/November 2021 sei unrealistisch, schreibt der Tagesspiegel.

Auch die Bauarbeiten selbst sind mittlerweile im Verzug. Zwar erheben sich auf dem 300-Hektar-Areal bereits die stattlichen Produktionshallen. Doch der Schein trügt. Denn das Gelände ist offenbar noch nicht einmal vernünftig erschlossen. Die Infrastruktur mit Trinkwasser-, und Abwasserrohren sowie weiteren Leitungen ist noch nicht fertig, auch vier große Betonbecken zur Aufbereitung von Regenwasser müssen laut Tagesspiegel noch gebaut werden. Der zu erwartende Wasserverbrauch der Fabrik ist eines der großen Streitthemen, zumal das Gelände in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt. 

Viele Stellen unbesetzt

Doch selbst wenn alle Bauarbeiten noch bis Juli abgeschlossen und alle Genehmigungen erteilt werden, könnte die Fabrik wohl nur auf Sparflamme starten. Denn die Mannschaft, die eine halbe Million Elektroautos im Jahr bauen soll, ist offenbar noch nicht ansatzweise komplett. Mehr als 300 Job-Profile sind aktuell auf der Tesla-Karriereseite für Grünheide ausgeschrieben. Trotz großer Recruiting-Offensiven, in die sich Elon Musk persönlich einschaltete und in die auch die lokale Arbeitsagentur involviert ist, fehlt es offenbar noch massiv an Personal, wie der Business Insider berichtet.

12.000 Mitarbeiter sollen in dem Tesla-Werk in Brandenburg arbeiten, für eventuelle spätere Ausbaustufen hatte Musk sogar mal bis zu 40.000 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Doch derzeit wäre Tesla froh, zumindest 7000 Stellen bis zum Produktionsstart besetzen zu können, schreibt der Business Insider. Denn bislang hätten kaum mehr als 1000 Mitarbeiter ihren Vertrag bei Tesla unterschrieben. Das wäre alles andere als Giga.

Quellen: Tagesspiegel / Handelsblatt / Business Insider / Tesla / Youtube

Lesen Sie auch:

Wer will für Tesla arbeiten? Viele hochbezahlte Jobs sind noch nicht besetzt

Gigafactory Grünheide: So läuft ein Bewerbungsgespräch bei Tesla ab

Zum Start der Gigafactory sucht Elon Musk eine ganz bestimmte Jobqualifikation

Wasserversorger warnt vor Tesla-Werk: "Die Trinkwasserversorgung wird geopfert"

Teslas geheime Geldmaschine: Der Gewinn kommt nicht aus dem Verkauf von Autos


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker