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Gigafactory Brandenburg Wasserversorger warnt vor Tesla-Werk: "Die Trinkwasserversorgung wird geopfert"

Silas Heineken filmt den Fortschritt des Tesla-Werkes mit einer Drohne
Sehen Sie im Video: Silas Heineken erzählt im Interview von seinem Filmprojekt über das Tesla-Werk in Brandenburg – und was Elon Musk dazu sagt.


Auf einmal ist mein Handy explodiert. Alle haben mir geschrieben, auf Youtube, Twitter, Facebook, Instagram. Ich dachte so hä, was ist denn jetzt los. Bis ich realisiert habe, dass ich wirklich eine Nachricht von Elon Musk hatte.


Ein ungewöhnliches Hobby für einen 13-Jährigen:


Silas Heineken dokumentiert mit seiner Drohne den Fortschritt des neuen Tesla-Geländes in Brandenburg – und das jede Woche seit drei Monaten.


Ich fahr ca. 15 Kilometer. Ich fahr immer mit dem Fahrrad hin und das dauert ca. eine halbe Stunde. Dann flieg ich dort eine bis eineinhalb Stunden, komm wieder mit dem Fahrrad zurück und zu Hause geht’s dann ans Schneiden. Das dauert dann zwei bis drei Stunden. Und hochladen und alles bearbeiten. Da kommt man insgesamt auf fünf bis sechs Stunden.


Dabei entstehen faszinierende Bilder.


Die Aufnahmen zeigen: Der Aufbau des Tesla-Werkes schreitet sichtlich voran.


Dass das Filmen auf dem Gelände verboten ist, wird dem Brandenburger erst klar, als er im März vom Wachschutz erwischt wird.


Ich war in dem Moment sehr geschockt, weil der Mann immer zu mir meinte, du verbaust dir gerade deine Zukunft. Pass lieber auf, was du machst. Dein restliches Leben ist wichtiger. Mein Papa kam zufällig dort vorbei. Dann wurden die Personalien aufgenommen. Es musste auch Anzeige erstattet werden, die dann aber fallen gelassen wurde. In dem Moment habe ich mich schon sehr geschockt gefühlt und dachte mir, ich bin doch gerade nur mit einer Drohne über das Gelände geflogen, wie kann das denn Hausfriedensbruch sein?


Doch über Twitter gibt Tesla-Chef Elon Musk sein okay für das Drehen:


Auf einmal ist mein Handy explodiert. Alle haben mir geschrieben, auf Youtube, Twitter, Facebook, Instagram. Ich dachte so hä, was ist denn jetzt los. Bis ich realisiert habe, dass ich wirklich eine Nachricht von Elon Musk hatte.


Der Staatsanwalt stellt das Verfahren daraufhin ein.


Damit Silas schneller am Drehort ist, hat der 13-Jährige eine Crowdfunding-Kampagne für ein E-Bike gestartet.
Denn viele Menschen sind begeistert von dem Projekt des Schülers.


Innerhalb weniger Wochen hat Silas bereits 10.000 Abonnenten bei Youtube.


Und einen Plan für nächstes Jahr hat der 13-Jährige auch schon:


Das coolste überhaupt wäre, wenn ich ein Praktikum bei Tesla machen könnte. In der 9. Klasse haben wir ja Praktika. Tesla macht leider keine offiziellen Praktika aber ich bin mir fast sicher, dass ich jetzt eine gute Chance habe doch ein Praktikum machen zu können. Das ist mein Plan, was Tesla angeht.
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Im brandenburgischen Grünheide stampft Elon Musk sein deutsches Tesla-Werk aus dem Boden. Der örtliche Wasserversorger warnt in einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal 21" vor den Folgen.

Schon im Juli dieses Jahres will US-Elektroautobauer Tesla sein neues Werk in Grünheide bei Berlin in Betrieb nehmen. Dafür stellt Elon Musk derzeit massiv Personal ein, der Bau der Fabrik ist in vollem Gange. Noch immer steht allerdings eine abschließende umweltrechtliche Genehmigung aus. Tesla rodet und baut in dem Waldstück bislang auf Grundlage von vorläufigen Genehmigungen der Behörden, während Umweltschützer sich für Natur- und Artenschutz stark machen.

Ein Streitpunkt dabei ist das Thema Trinkwasser. In einem aktuellen Beitrag des ZDF-Magazins "Frontal 21" äußert der regionale Wasserversorger große Bedenken, was den Wasserverbrauch der neuen Fabrik angeht. "Wenn die Trinkwasserversorgung geopfert wird auf dem Gabentisch der Wirtschaftspolitik, ist das ein deutliches Signal", kritisiert André Bähler, Chef des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE), in dem Beitrag. 

Tesla im Trinkwasserschutzgebiet

Die Tesla-Fabrik werde in einem Wasserschutzgebiet errichtet, für dessen Ausweisung man lange gekämpft habe, sagt Bähler. "Jetzt wird ein Werk auf dieses Trinkwasserschutzgebiet gebaut, von dem wir nicht genau wissen, ob man wirklich verantwortungsvoll mit dem Thema umgeht."

Für den Betrieb der Gigafactory, in der ab Sommer jährlich eine halbe Million Autos vom Band laufen sollen, werden laut "Frontal 21" zum Start mindestens 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr benötigt. In den weiteren Ausbaustufen könnten es sogar bis zu 3,6 Millionen Kubikmeter sein. Das entspreche rund 30 Prozent des jetzigen Wasservolumens in der Region.

"Wir gehen davon aus, dass ab Anfang 2023 die Mengen, die dort gebraucht werden für die Produktion, das was wir zur Verfügung stellen können, übersteigen werden", sagte Bähler dem ZDF. Das bedeute, dass das Wasser an anderer Stelle fehlen wird. "Die Konsequenz ist, dass es irgendwo Einschränkungen geben muss für die Verbraucher." 

Nichtsdestotrotz hat der Wasserverband Strausberg-Erkner den Erschließungsvertrag mit Tesla im September mehrheitlich genehmigt. In einer Pressemitteilung des Verbands heißt es: "Mit der nun getroffenen Entscheidung ist die Ver- und Entsorgung der Tesla-Fabrik in der ersten Ausbaustufe mit den beantragten Mengen aus dem Genehmigungsverfahren und den derzeitig verfügbaren Ressourcen des WSE sicher gestellt. Dies ist möglich, da Tesla den Bedarf im aktuellen Genehmigungsantrag gesenkt hat und durch die Behörden zusätzliche Entnahmemengen genehmigt wurden." 

Wo ist die "Kapazitätsgrenze"?

Also doch alles halb so schlimm? Die ZDF-Reporter zitieren jedenfalls auch aus internen Unterlagen des Brandenburger Umweltministeriums, laut denen das Bundesland schon jetzt bei der Ressource Wasser an "Kapazitätsgrenzen" gelange. Durch die "Ansiedlung von Industrie und Gewerbe (z.B. Tesla)" verschärfe sich die Situation im östlichen Berliner Umland zusätzlich.

Brandenburgs grüner Umweltminister Axel Vogel hält dagegen, dass genug Wasser da sei. "Kapazitätsgrenze heißt nicht, dass aktuell schon die Kapazitätsgrenze überschritten ist", sagt er im Interview mit den ZDF-Reportern. Der Wasserverband Strausberg-Erkner habe noch Luft. Sollte es in der Zukunft zu Knappheiten kommen, auch in Folge von Dürren und Klimawandel, könne dann weitere Entwicklung eben eventuell nicht stattfinden. Das wisse auch Tesla. 

Elon Musk: "Sind nicht in der Wüste"

Für Elon Musk ist die Wasser-Kritik tatsächlich nicht neu. Der ehrgeizige Unternehmer sah sich schon im Januar 2020 veranlasst, beim Thema Trinkwasser die Wogen zu glätten. "Ich glaube, wir müssen ein paar Sachen klarstellen: Tesla wird nicht jeden Tag so viel Wasser brauchen", twitterte Musk.

Und bei einem Ortstermin in Grünheide versuchte er, Reporter-Fragen zur Wasserproblematik charmant herunterzuspielen. Man sei doch hier grundsätzlich nicht in einer sehr trockenen Region und die Bäume würden nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe, sagte Musk mit einem Lachen. "Wir sind ja hier nicht in der Wüste."

Quelle: Frontal 21 / Wasserverband Strausberg-Erkner


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