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Gigafactory Grünheide So läuft ein Bewerbungsgespräch bei Tesla ab

Computersimulation des neuen Teslawerkes bei Berlin
Computersimulation des neuen Teslawerkes bei Berlin
© Tesla
Tesla stellt für seine deutsche Gigafactory Tausende Mitarbeiter ein. Erfolgreiche Bewerber berichten, wie das Verfahren abläuft und welche Fragen besonders häufig kommen. Andere haben frustrierende Erfahrungen gemacht.

Für viele dürfte auch 2021 ein schwieriges Job-Jahr werden. Shutdown und Kurzarbeit gehören nach wie vor in vielen Branchen zum festen Vokabular. Elektroautobauer Tesla aber hat ungeachtet der Pandemie für dieses Jahr große Deutschland-Pläne: Im Sommer möchte der US-Konzern seine Gigafactory in Grünheide bei Berlin in Betrieb nehmen. Und stellt dafür Tausende Mitarbeiter ein.

Im Herbst baute Tesla erstmal eine komplette Personalabteilung auf, die nun im großen Stil rekrutiert. Das Unternehmen sucht vom ungelernten Produktionsarbeiter, bis hin zu Ingenieuren und Führungskräften. Anfang November kam Elon Musk sogar persönlich nach Brandenburg, um Bewerbungsgespräche zu führen. Aber natürlich kann der Chef nicht jeden Mitarbeiter selbst einstellen. 

Mehrstufiger Interviewprozess

Wie das Einstellungsverfahren läuft, haben zwei erfolgreiche Bewerber anonym dem Portal Business Insider geschildert. Ein Ingenieur, der bis vor kurzem für Daimler arbeitete, berichtet von einem mehrstufigen Auswahlprozess. Nachdem sich Tesla auf seine Bewerbung zurückmeldete, musste der 40-Jährige insgesamt vier Einzel-Interviews durchlaufen. Jedes Mal nur 30 Minuten, jedes Mal mit einem anderen Gesprächspartner.

Zunächst sprach er mit einem Mitarbeiter der Abteilung, für die er sich beworben hatte. Dann mit einer Führungskraft, die wissen wollte, wie der Bewerber bestimmte technische Probleme lösen würde. Im dritten Gespräch traf er dann auf einen Tesla-Manager aus San Francisco, ebenfalls über Problemlösungs-Szenarien. Nachdem er auch noch das Gespräch mit einem Personaler aus Grünheide gemeistert hatte, bekam er Anfang Dezember seine Zusage.

Erst im Anschluss kam es zu konkreten Gehaltsverhandlungen. Der Mann, der bei Daimler ein Gehalt von fast 100.000 Euro bezog, verdient nun weniger, erhält aber ein Tesla-Aktienpaket in mittlerer fünfstelliger Höhe, das er frühestens nach vier Jahren versilbern kann. 

Begeisterung wichtiger als Noten

Auffällig sei gewesen, wie viel Wert auf eine starke Identifikation der Bewerber mit der Marke und Vision von Tesla gelegt werde. Warum man zu Tesla wolle, sei die zentrale Frage in allen Gesprächen gewesen, sagt der Ex-Daimler-Mann. In allen Interviews sei zudem die Frage gekommen, auf welche berufliche Leistung man besonders stolz sei.

Ähnliches berichtet auch ein Bewerber, den Tesla als Führungskraft in der Montagetechnik einstellte. Auch er absolvierte im Abstand weniger Tage die vier Interviewstufen, anschließend noch zwei, in denen es um Führungsstil und Personalprobleme ging. Wichtig seien die Motivation und der letzte Arbeitsplatz gewesen. "Mein Studienabschluss und die Noten haben die nicht ansatzweise interessiert." Als Führungskraft verdient er bei Tesla künftig über 100.000 Euro, dazu kommt das Aktienpaket, Zuschüsse zur Altersvorsorge und für ein ÖPNV-Ticket. 

Frustrierte Bewerber

Solch positive Erfahrungen haben allerdings nicht alle Bewerber gemacht. Auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu machen zahlreiche Bewerber anonym ihrem Frust über den Ablauf des Verfahrens Luft. Dort ist von "Arroganz", "Intransparenz" oder einem "chaotischen Prozess" die Rede. Einige beschweren sich über unprofessionelles Verhalten der Recruiter, andere haben überhaupt keine Rückmeldung auf ihre Bewerbung erhalten.

Ein Supply Chain Manager und ein Produktionsingenieur berichten, sie hätten den Job nach den Gesprächen abgelehnt, weil Arbeitsbedingungen und Gehalt nicht gestimmt hätten. Ein Bewerber fürs untere Management kritisiert die Kürze des Gesprächs, in dem wichtige Fragen offen geblieben seien. Insgesamt kommt Tesla Deutschland bei rund 100 Kununu-Bewertungen von Bewerbern auf 2,9 von 5 Sternen. 

Arbeitsagentur hilft beim Recruiting

Der Recruiting-Marathon von Tesla ist noch lange nicht am Ende. Derzeit sind auf der Tesla-Website für die Gigafactory Grünheide rund 450 verschiedene Stellen ausgeschrieben. Zudem arbeitet das Unternehmen auch eng mit der Arbeitsagentur zusammen. Mehr als 1000 Bewerber habe man schon mit Tesla zusammengebracht, sagte Jochem Freyer, Chef der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) der Wirtschaftswoche. Er freut sich, dass das Werk auch Arbeitsplätze für viele Geringqualifizierte schafft. Für Produktions-, Lager-, und Logistikarbeiter organisiert die Agentur Bewerbungstage auf dem Tesla-Gelände mit Einzel- und Gruppengesprächen sowie kleinen Tests, wobei Gruppengespräche derzeit wegen der Corona-Lage nicht möglich sind.

Bis zum Sommer sollen in Grünheide 7000 Menschen arbeiten, in der vollen Ausbaustufe könnte das Werk sogar mal 40.000 Menschen beschäftigen. Was das Projekt für einfache Arbeiter attraktiv macht, ist, dass Tesla laut Arbeitsagentur eine Gehaltsuntergrenze von 2700 Euro brutto zugesagt hat, selbst für Ungelernte. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann man laut Freyer mit 3500 Euro aufwärts rechnen.

Der Arbeitsagentur-Mann rät Bewerbern, sich im Vorstellungsgespräch authentisch zu geben, wie er kürzlich im Handelsblatt-Interview sagte. Neben Begeisterung für die Marke Tesla nennt er Belastbarkeit und Flexibilität als wichtigste Anforderungen. Tesla wolle ganz bewusst Mitarbeiter ihre Tätigkeiten innerhalb des Werks wechseln lassen, um Routinen zu durchbrechen. Fließendes Englisch sei nur für Ingenieure und Führungskräfte ein Muss. In der Produktion sei die Arbeitssprache Deutsch.

Quellen: Tesla / Business Insider / Kununu / Wirtschaftswoche / Handelsblatt


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