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Traditionswerft: Verkauf von Blohm + Voss gescheitert

Deal geplatzt: Blohm + Voss wird nun doch nicht an die arabische Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar verkauft. ThyssenKrupp begründete die Entscheidung mit dem politischen Umbruch im Nahen Osten.

Der sicher geglaubte Verkauf der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss vom Industriekonzern ThyssenKrupp an die arabische Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar ist gescheitert. ThyssenKrupp begründete dies am Freitag mit dem politischen Umbruch im Nahen Osten. Die "kommerziellen Anreize" hätten sich abgeschwächt. Auch aus der geplanten Kooperation im militärischen Schiffbau wird nichts. Lediglich den zivilen Teil der Kieler Werft HDW Gaarden wollen die Araber noch übernehmen. ThyssenKrupp kündigte an, nun einen neuen Käufer für die zivilen Teile von Blohm + Voss suchen und den Kriegsschiffbau in eigener Regie weiterbetreiben zu wollen.

Der gescheiterte Verkauf hat ThyssenKrupp am Freitag ins Minus gedrückt. Die Titel des Mischkonzerns gaben 2,1 Prozent auf 35,07 Euro nach und waren damit größter Verlierer im Dax. "Ob die finanziellen Auswirkungen so groß sein werden, bleibt abzuwarten, aber für die Stimmung ist das negativ", sagte ein Händler. Das Scheitern der Gespräche mit dem Schiffbaukonzern Abu Dhabi Mar könnte den Prozess der Restrukturierung bei ThyssenKrupp ins Stocken bringen.

Der Verkauf an Abu Dhabi Mar galt eigentlich bereits lange als perfekt. Schon im Herbst 2009 hatten sich beide Seiten im Grundsatz auf das Geschäft verständigt, mit dem die Araber den Schiffsneubau, das Reparaturgeschäft und eine Maschinenbausparte mehrheitlich übernehmen sollten. Zudem war ein Gemeinschaftsunternehmen für den militärischen Teil von Blohm + Voss geplant. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten beide Seiten im April 2010, die EU-Kommission gab im August 2010 grünes Licht für das Geschäft. Doch dann traten immer neue Verzögerungen ein, unter anderem als der Staatsfonds Mubadala bei Abu Dhabi Mar einstieg.

vim/DPA/Reuters / DPA / Reuters