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Fregatte F125 " Baden Württemberg": Der Marine reicht es - deutsche Problemfregatte geht zurück an die Werft

Das hat es noch nie gegeben. Bei der Erprobung versagte die neue Fregatte "Baden Württemberg" der Marine derart, dass sie zum Nachbessern an die Werft zurückgegeben wird. Das berichten die "Kieler Nachrichten"

Die "Baden-Württemberg" ist das erste Schiffs des Typs F150.

Die "Baden-Württemberg" ist das erste Schiffs des Typs F150.

Anfang 2017 lud die Marine ein. Die neue vom Typ F125 sollte gefeiert werden – doch nach der Jubelfahrt kühlte die gute Stimmung merklich ab. Der stern meldete Zweifel an, ob das Konzept der Schiffes überhaupt noch in die heutige Bedrohungslage passt (Fregatte F125 Unsere neue Super-Fregatte - noch nicht im Dienst und schon veraltet). Das waren Bedenken am Konzept eines überdimensionierten Patrouillenboots, nicht an der technischen Ausführung durch die Werft.

Danach begann die eigentliche Erprobung des "Baden " – und damit eine Serie von Pleiten und Pannen. Nun hat die Marine offenbar die Nase voll von der gefeierten "Super-Fregatte". Die "Kieler Nachrichten" berichten, dass die Marine das Schiff nicht in Dienst stellen will wegen erheblicher Mängel bei Soft- und Hardware. Zum 19. Januar soll die "Baden Württemberg" zurück an die Hamburger Werft Blohm + Voss gehen. Wie auch beim Handwerkerpfusch üblich, soll die Werft dann die Gelegenheit haben, die Fehler der Problem-Fregatte zu beheben. Das ist ein einzigartiger Vorgang, noch nie wurde ein Schiff in diesem Stadium von der Marine abgewiesen.

Zu schwer und zu schief

Schon im Mai zitierte "Reuters" aus einem Mängelbericht des Verteidigungsministeriums. Schon damals zeigten sich schwere Konstruktionsmängel des Schiffes. Die neue Fregatte liege schief im Wasser, hieß es. Die F125 neigt sich offenbar zur Seite. Eine Neigung (Krängung) von 1,3 Grad nach Steuerbord sei festgestellt worden. Diese Schieflage ist nur schwer zu beseitigen, da die F125 die Krängung nicht einfach durch Ballast ausgleichen kann, weil die Fregatte ohnehin schon schwerer ist, als vereinbart. Laut Reuters überschritt die Fregatte das vertraglich vereinbarte Gewicht um 178 Tonnen. Weiteres Mehrgewicht durch zusätzlichen Ballast würde die Fähigkeiten des Schiffs beeinträchtigen.

Der Typ F125

Die Baden-Württemberg-Klasse hat man für die veränderten Einsätze der Bundeswehr maßgeschneidert. Ihre Besonderheit sind Wartungsarmut und lange Serviceintervalle. Die sollen zwei Jahre in entfernten Gebieten im Dienst sein können. Das sind andere Anforderungen als zur Zeit des Kalten Krieges, als man mit einem eher kurzen, aber überaus intensiven Kriegsverlauf rechnete.

Fregatte Baden-Württemberg: Das ist die neue Wunderwaffe der Marine


Die Fregatten des Typs messen etwa 150 Meter Länge und 19 Meter Breite. An Bord befinden sich 120 Mann Besatzung. Vier Einsatzboote und zwei Hubschrauber vom Typ Sea Lynx befinden sich an Bord. Die Bewaffnung besteht aus einem mächtigen 127-Millimeter-Marinegeschütz Oto Melara, dazu kommen zwei Maschinenkanonen vom Kaliber 27 Millimeter sowie Maschinengewehre. Noch eindrucksvoller sind die acht Anti-Schiff-Raketen vom Typ RGM-84 Harpoon. Gegen angreifende Raketen kann die Fregatte zwei Starterbatterien mit Abwehrraketen vom Typ RIM-116 Rolling Airframe Missile einsetzen.

Pleiten, Pech und Pannen

Doch derzeit ist es unklar, ob und wann die "Baden Württemberg" den normalen Dienst aufnehmen kann. Die neue Panne passt in die Reihe von Kostensteigerungen und Verzögerungen, die die F125-Klasse begleitet haben. Das Jahr 2017 geht für die Streitkräfte mit einer Reihe von Blamagen zu Ende. Vor dem Ausfall der "Baden Württemberg" wurde bekannt, dass kein einziges deutsches U-Boot einsatzfähig ist. Schon zuvor wurde berichtet, dass mehr als die Hälfte der deutschen Leopard-Panzer auf eine Reparatur wartet.