HOME

Stern Logo Technik

Fregatte F125: Unsere neue Super-Fregatte - noch nicht im Dienst und schon veraltet

Sie ist so teuer wie die Elbphilharmonie. Gedacht war die F125 für jahrelange Patrouillenfahrten, aber nun benötigt die Marine echte "Warfighter". Genau das ist die neue Fregatte leider nicht.

Die Baden-Württemberg-Klasse, kurz F125 genannt, ist die neue Fregatten-Klasse der Deutschen Marine.

Die Baden-Württemberg-Klasse, kurz F125 genannt, ist die neue Fregatten-Klasse der Deutschen Marine.

Die deutsche Marine bekommt neue Schiffe. Im Sommer 2017 soll das erste Schiff der F125 Klasse offiziell in Dienst gestellt werden, insgesamt werden es vier. Derzeit befindet sich die "Baden-Württemberg" in der Erprobung. Der ganze Stolz der Marine ist also eine Fregatte. Eigentlich ist das ein eher kleiner Schiffstyp, ein Kriegsschiffchen sozusagen. Die Reihenfolge geht in etwa so: Zuerst kommen die gigantischen Flugzeugträger, dann die - ausgestorbenen - Schlachtschiffe. Es folgen Schlachtkreuzer, schwere und leichte Kreuzer, Zerstörer - dann kommen Fregatten und Korvetten.

Beachtliche Größe

Doch auf die Größe kommt es nicht immer an. Außerdem sind die Kriegsschiffe im Laufe der Jahrzehnte gewaltig gewachsen. Mit 7000 Bruttoregistertonnen ist die F125 immerhin fast doppelt so groß wie ein deutscher Zerstörer des Zweiten Weltkriegs vom Typ 1936C. Und damit die größte weltweit gebaute Fregatte.

Die Fregatten des neuen Typs messen etwa 150 Meter Länge und 19 Meter Breite. An Bord befinden sich 120 Mann Besatzung. Das wiederum ist sehr viel weniger als im Zweiten Weltkrieg. Um den halb so großen Zerstörer zu bemannen, wurden damals 320 Mann benötigt. Generell gilt: Je weniger Besatzung - umso moderner das Boot. Die Personalkosten sind ein großer Kostenblock, außerdem benötigen mehr Menschen auch mehr Raum an Bord - Raum, den sie dem wichtigen technischen Gerät wegnehmen.

Lücken in der Bewaffnung

Und davon hat die Fregatte eine Menge. Allein vier Einsatzboote und zwei Hubschrauber vom Typ Sea Lynx befinden sich an Bord. Die Bewaffnung besteht aus einem mächtigen 127-Millimeter Marinegeschütz Oto Melara, dazu kommen zwei Maschinenkanonen vom Kaliber 27 Millimeter sowie Maschinengewehre. Noch eindrucksvoller sind die acht Anti-Schiff-Raketen vom Typ RGM-84 Harpoon. Gegen angreifende Raketen kann die Fregatte zwei Starterbatterien mit Abwehrraketen vom Typ RIM-116 Rolling Airframe Missile einsetzen. Die F125 verfügt allerdings über keine Luftabwehrsysteme mittlerer bzw. großer Reichweite und auch nicht über Waffen, um U-Boote anzugreifen. Die Fregatte wurde ebenfalls nicht dafür konzipiert, weitreichende Cruise Missiles oder Raketen einzusetzen. 

Marine-Rüstung: Seemacht - die wichtigsten Kriegsschiffe der Welt
Die neue Fregatte der Bundeswehr, die F-125, sollte durch hohe Manövrierbarkeit und lange Einsatzdauer überzeugen, fiel aber in der Erprobung durch. Nun wird nachgebessert.  Lesen Sie:   Fregatte F125 - Unsere neue Super-Fregatte - noch nicht im Dienst und schon veraltet

Die neue Fregatte der Bundeswehr, die F-125, sollte durch hohe Manövrierbarkeit und lange Einsatzdauer überzeugen, fiel aber in der Erprobung durch. Nun wird nachgebessert.

Lesen Sie: 

Fregatte F125 - Unsere neue Super-Fregatte - noch nicht im Dienst und schon veraltet

Ein Einsatz gegen Ziele auf dem Festland ist daher problematisch. Derzeit hat das 127-Millimeter-Geschütz eine Reichweite von 30 Kilometern, damit würde die Fregatte im Bereich zahlreicher einfacher Schiffsabwehrraketen vor der Küste schippern. Trotz des modernen RIM-Abwehrsystems eine mulmige Situation. Es ist zwar geplant, das Geschütz mit gelenkter Munition mit einer Reichweite von über 80 Kilometern auszustatten. Die USA scheiterten allerdings daran, diese Art von Munition zu einigermaßen bezahlbaren Preisen für die USS Zumwalt zu beschaffen.

Lange Einsatzzeiten

Die Baden-Württemberg-Klasse hat man für die veränderten Einsätze der Bundeswehr maßgeschneidert. Ihre Besonderheit sind Wartungsarmut und lange Serviceintervalle. Die Schiffe sollen zwei Jahre in entfernten Gebieten im Dienst sein können. So sollen Einsätze wie am Horn von Afrika logistisch sehr viel einfacher zu bewältigen sein. Das sind andere Anforderungen als zur Zeit des Kalten Krieges, als man mit einem eher kurzen, aber überaus intensiven Kriegsverlauf rechnete.

Damit diese Rechnung aufgeht, musste die Besatzung enorm verkleinert werden. Denn zwei Jahre Schiffseinsatz können nur mit zwei Mannschaften durchgeführt werden. Das Schiff bleibt im Einsatzgebiet, die Besatzung rotiert regelmäßig alle vier Monate. Dadurch verspricht sich die Marine eine 50-prozentige Verfügbarkeit der Schiffe. Die Personalkosten sind kaum höher als beim Vorgänger, der Bremen-Klasse, mit 219 Mann Besatzung.

Deutscher Sonderweg

Die F125 verfügt über Stealth-Technologie, um die Ortung durch den Gegner zu erschweren. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit stellt mit 28 Knoten bzw. 52 km/h keine Bestmarken auf. Interessant ist der Schiffsaufbau in "zwei Inseln". Elektronik und Kommandostrukturen sind doppelt in zwei Aufbauten ausgelegt, damit soll das Schiff auch nach einem schweren Treffer in einer der Inseln kampffähig bleiben.

Die USA haben derzeit keine modernen Schiffe dieser Klasse. In Russland entspricht die etwas kleinere Admiral-Gorschkow-Klasse (Projekt 22350) in etwa der F125. Das russische Mehrzweck-Kampfschiff ist allerdings für andere Missionen gedacht. Die Bewaffnung ist für Schiffs-, U-Boot- und Flugabwehr optimiert - die Admiral-Gorschkow-Klasse ist ein "Warfighter".

Echter Krieg nicht vorgesehen

Die Kritik an der F125-Klasse entzündet sich auch genau daran. Trotz der vorhandenen Bewaffnung ist die F125 nichts anderes als ein großes Patrouillenboot: optimal für lange Einsätze etwa gegen Piraten im Horn von Afrika. Auch die Überwachung eines Waffenembargos auf See wie im Falle des Jemens wäre denkbar. Der Einsatz in einem Seegefecht gegen einen Gegner, der technologisch auf Augenhöhe operiert, stand nicht im Fokus. Entsprechend schlecht steht es um die Fähigkeiten der Fregatte, Luftziele und U-Boote zu bekämpfen. Im Verband soll eine Fregatte normalerweise andere, größere Schiffe vor Luft-, U-Boot oder Raketenangriffen schützen. Das alles kann die F125 nicht, im Gegenteil - sie bräuchte wohl selbst Schutz.

Outdated bei Stapellauf

Dabei haben die Konstrukteure nicht gepfuscht. Es zeigt sich, wie sehr sich die Weltlage seit der Konzeption verändert hat. Seit einigen Jahren blickt der Westen besorgt nach Russland oder auf die Spannungen im südchinesischen Meer. Für Konflikte, die hier entstehen könnten, hat die "Baden Württemberg" wenig zu bieten. Dafür ist die Besatzung vergleichsweise komfortabel untergebracht. 

Dem Fach-Blog "Augen geradeaus" sagte der Marine-Typenbeauftragte Christoph Mecke rundheraus, heute würde die Marine eine Fregatte in der Konzeption der F125 nicht mehr in Auftrag geben. In der Nato wünscht man sich kampfstarke Einheiten. Mecke: "Das nächste Schiff wird ein Warfighter."

Jede der Fregatten ist in etwa so teuer wie die Elbphilharmonie. Das ist sehr viel Geld für ein Schiff, mit dem der Auftraggeber bei Lieferung eigentlich schon nichts mehr anfangen kann.


Ergänzung: Inzwischen hat die Marine die angebliche Super-Fregatte wegen ihres Versagens in der Erprobung an die Werft zurückgegeben.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?