HOME

Stern Logo Technik

Marine-Rüstung: Putins neue Flotte - zwölf Schlachtkreuzer mit 2400 Raketen

Den Kreml plagen Geldsorgen, dennoch ordert Putin zwölf gewaltige Kreuzer - zusammen tragen sie über 2400 Raketen. Ihre Macht sollen die weltweiten Interventionen der USA erschweren.

Bilang existiert die Lider-Klasse nur als Modell oder als Animation

Bilang existiert die Lider-Klasse nur als Modell oder als Animation

Russlands vereinigte Schiffswerften erwarten, dass der Kreml eine neue Baureihe von Schiffen bestellt. Das sagte der Vizepräsident des Werftenkonglomerats im russischen TV. "Nach einer positiven Entscheidung, erwarten wir einen Vertrag, die Schiffe nach den Vorstellungen des Verteidigungsministeriums zu entwickeln." Sogar der Name des ersten Schiffes steht bereits fest. Es soll nach einem russischen Diplomaten der Zarenzeit, Yevgeny Maksimovich Primakov, benannt werden. Die Bestellung ist wegen der  Überalterung der russischen Überwasserschiffe zu verstehen, aber angesichts von zwölf Schiffen, stellt sich die Frage, was Russland mit so einer mächtigen Flotte will.

Genaues weiß man noch nicht über die geplante 23560-Lider-Klasse, außer dass sie erschreckend groß ist. Sie wurde im letzten Jahr als Modell der Öffentlichkeit vorgestellt. Offiziell wird das Kriegsschiff als Zerstörer deklariert, mit ihrer Verdrängung von 17.500 Tonnen sind die Lider-Zerstörer jedoch so groß wie die schweren Kreuzer des zweiten Weltkriegs und übertreffen sogar die Schiffe der US-Zumwalt-Klasse mit ihren 15.656 Tonnen. Wie die Zumwalt-Klasse sollen auch die neuen russischen Schiffe unsichtbar für das Radar sein. Abgesehen von Flugzeugträgern, sind nur die vier 28.000 Tonnen schweren der Kirov-Klasse grösser, die derzeit sukzessive modernisiert werden.


Die neue Lider-Klasse wird mit gepickt. Auch hier sind Details noch nicht bekannt, aber es wird erwarten, dass die Schiffe Landziele mit Cruise Missiles vom Typ Kalibr-NK angreifen können. Sie sollen außerdem 60 Cruise Missiles an Bord haben, die Seeziele angreifen können, 128 Lenkwaffen gegen Luftziele und 16 Lenkraketen gegen Schiffe. Für die weiträumige Luftverteidigung dürfte eine Marine-Variante der neuen  S-500-Systems Samoderschez verwendet werden. Vermutlich wird die S-500 in diesem Jahr erstmals in Dienst gestellt. Die Anti-Schiff-Waffen werden auf der 3M22 Zircon basieren. Sie wird voraussichtlich im Jahr 2018 in Serie gefertigt. Eine Geschwindigkeit über der fünffachen Schallgeschwindigkeit macht die Zircon zu einer Bedrohung neuen Typs. Jedes einzelne Schiff verfügt damit über eine überragende Feuerkraft, die die der Arleigh-Burke-Klasse weit übersteigt. Die Geschwindigkeit der Lider wird etwa bei 30 Knoten liegen, die Einsatzdauer bei 90 Tagen auf See. Die USA vermuten, dass je sechs Schiffe für die Nordmeer- und die Pazifikflotte gebaut werden.


Der Bau so gewaltiger Großkampfschiffe macht nur Sinn, bei einem gesunden Selbstvertrauen, Angriffe durch Flugzeuge, Dronen und Raketen zuverlässig abwehren zu können. Ein deutliches Zeichen, dass die absolute Überlegenheit von Flugzeugen und Trägern auf See zu Ende gehen könnte. So gewaltig die Schiffe auch sind und so erschreckend die Zahl wirkt, reicht diese Flotte bei weitem nicht aus, die US-Navy offensiv herauszufordern. Doch in Syrien hat Putin mit dem Einsatz der Raketenkreuzer Moskva und Varyag demonstriert, welche Möglichkeiten derartige Schiffe unterhalb des großen Krieges haben. Gemeinsam mit der kleinen Landbasis in Syrien machen sie überraschende Luftangriffe auf das Land praktisch unmöglich. Und zwar nicht als symbolischer Stolperstein, sondern als ernsthaftes militärisches Hindernis, Diese Schiffe hätten so eine Kampfkraft, das wohl nur ein massiver Angriff der USA die Chance hätte, sie zu überwinden.

Die USA und ihre Verbündeten befürchten ohnehin, dass Russland und China mit dem offensiven Verkauf von weitreichenden Luft- und Schiffsabwehrsystemen immer größer "No Entry"-Zonen in den Weltmeeren errichten. Die Weltmeere würden dann für die bisher allmächtigen Trägergruppen der USA immer kleiner werden. Diese Zonen könnten durch die mobilen Kreuzer vom nach Belieben verstärkt werden.