VG-Wort Pixel

Krieg in der Ukraine AS-23 Kodiak – mit diesen Marschflugkörpern greift Putin die Städte der Ukraine an

Start einer A-23
Start einer A-23
© Verteidigungsministerium Russland / PR
Russland überzieht die Ukraine mit einer Welle von Raketenangriffen. Eingesetzt werden unter anderem Cruise-Missiles mit Stealth-Eigenschaften. Sie werden von strategischen Bombern aus gestartet, wie dem altertümlichen Bomber T-95 "Bär".

Putins neuer Oberbefehlshaber Sergej Surowikin greift die Ukraine an und attackiert dabei Städte im ganzen Land. Zuvor war Surowikin Befehlshaber der russischen Luft- und Weltraumtruppen. Es ist wenig verwunderlich, dass er Luft- und Raketenangriffe bevorzugt. Schon beim ersten Angriff am Montagmorgen fiel die Menge der eingesetzten Lenkwaffen auf. Zu der Anzahl gibt es unterschiedliche Angaben, aber es scheinen über hundert gewesen zu sein.

Von Bombern aus gestartet 

Darunter befindet sich auch die CH 101 – AS-23 Kodiak der hier geläufige NATO-Name. Der luftgestützte Marschflugkörper wurde bislang nur selten im Ukraine-Krieg eingesetzt. Er ist seit 2013 im Einsatz. Das Besondere ist seine Tarnkappentechnik, das bedeutet, dass der Radarschatten des Flugkörpers sehr klein und er entsprechend schwer aufzuspüren ist. Marschflugkörper sind ohnehin schwer abzufangen, da sie in geringer Höhe fliegen können und sie daher Geländeerhebungen ausnutzen können. In den "Tälern" schützt sie der Schatten der Höhen vor bodengestützten Radaranlagen.

Die CH 101 wird von einem Satellitensystem gesteuert. Sie muss – wie alle Marschflugkörper – keiner geraden Bahn folgen, sondern kann so programmiert werden, dass sie verschiedene Wegpunkte ansteuert. Auf diese Weise kann sie das Geländeprofil ausnutzen und Luftabwehrstellungen ausweichen. Im Endanflug wird das Satellitenpositionierungs-System durch ein optisches System ergänzt, um die Zielgenauigkeit zu erhöhen.

Insgesamt soll die AS-23 schwer zu entdecken und aufzuspüren sein. Aber natürlich kann auch eine niedrigfliegende Cruise-Missile abgeschossen werden, wenn sie etwa in den Bereich einer Luftnahverteidigung gerät. Zudem können die Elektronik und der Satelliten-Empfang gestört werden. Dann erreicht die Waffe nicht ihr eingegebenes Ziel, sondern schlägt wahllos irgendwo ein, weil die Cruise-Missile die Koordinaten "verwechselt".

Seltene und kostpielige Waffe

Die Reichweite beträgt bis zu 5500 Kilometern. Die AS-23 wird von strategischen Bombern aus der Luft gestartet. Die Tu-22M3 trägt 4 Stück, die Tu-160 bis zu 12 und die altertümliche Tu-95MSM bis zu 16. Der Gefechtskopf wiegt 400 Kilogramm. Die A-23 kann auch nuklear bestückt werden. Wie bei allen Cruise-Missiles sind die Zerstörungen bei konventionellem Gefechtskopf eher punktuell und nicht flächig. Beim Angriff auf einen syrischen Flughafen 2017 setzten die USA gleich 59 Marschflugkörper ein.

Der Angriff soll neben seiner Zerstörungswirkung, mehrere Botschaften senden. Zum einen, dass die Vorräte Russlands an Mittelstreckenwaffen keineswegs erschöpft sind. Dann ist der Einsatz der A-23 eine erneute atomare Drohung. Neben den Zielen in der Stromversorgung hatte er eine klare "Terror"-Absicht. Auch die Bevölkerung der Ukraine jenseits der frontnahen Gebiete soll in Angst und Schrecken versetzt werden.

Die Menge an A-23, welche Russland zur Verfügung hat, ist allerdings begrenzt, diese Attacken können nicht endlos fortgesetzt werden. Wegen der fortschrittlichen Technik ist der Marschflugkörper zudem relativ teuer. Insgesamt soll Russland in der Ukraine über 3800 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt haben. Vor dem Krieg wurden etwa 300 Stück im Jahr hergestellt. Durch die Sanktionen kann diese Zahl noch gesunken sein. Doch selbst wenn es dem Kreml gelungen sein mag, die Auswirkungen der Sanktionen auszugleichen und die Produktion hochzufahren, wird man nie den Verbrauch des Krieges ausgleichen können. Auch der Raketenkrieg wird also aus dem Vorrat der Magazine bestritten. Und diese Vorräte sind im Falle von präzisen Mittelstreckenwaffen weit kleiner als bei Infanteriewaffen oder Haubitzen.

Mehr zum Thema

Newsticker