VG-Wort Pixel

Waffenlieferung NASAMS – dieses Luftabwehrsystem soll Kiews Truppen vor Putins Bombern schützen

Von NASAMS gibt es mehrere Generation. Unklar ist, welche Kiew erhält.
Von NASAMS gibt es mehrere Generation. Unklar ist, welche Kiew erhält.
© PR
Mit weitrechenden Raketenwerfern soll Kiew Russlands Artillerie bekämpfen. Das Luftabwehrsystem NASAMS könnte es russischen Flugzeugen unmöglich machen, Kiews Soldaten zu bombardieren. Die Lieferung soll bald erfolgen.

Im Rahmen eines neuen Hilfspaktes der USA wird die Ukraine auch moderne Luftabwehrsysteme bekommen. NASAMS wurde vom norwegischen Unternehmen Kongsberg Defence and Aerospace und dem US-Unternehmen Raytheon Technologies entwickelt. Die Lieferung könnte sehr viel schneller geschehen als die des von Kanzler Scholz in Aussicht gestellte Iris-T SLM zur Luftverteidigung (IRIS-T SLM – der Scholz-Schutzschirm gegen russische Jets). NASAMS müssen nicht erst produziert werden. Die Wortwahl der US-Erklärung deutet an, dass die Waffen aus norwegischen Beständen kommen. Doch auch so müssten umfangreiche Schulungen erfolgen.

Umstellung auf West-Waffen

Mit solchen Lieferungen wird die Ausrüstung der ukrainischen Streitkräfte allmählich auf NATO-Standards umgestellt. Diese Waffen sind häufig weit moderner als die Systeme der ukrainischen Streitkräfte, die häufig noch aus dem Kalten Krieg stammen. Und nur so ist es bei lang andauernden Kämpfen möglich, Kiew kontinuierlich mit frischem Material zu unterstützen. Bei den alten Sowjetwaffen und ihrer Munition handelt es um "Restbestände", die bald erschöpft sein sollten. "Dieses von Norwegen und den USA gemeinsam produzierte System ist ein NATO-System, daher ist es für uns wichtig, damit zu beginnen, den Ukrainern dabei zu helfen, ihre Luftverteidigungssysteme von Waffen nach sowjetischem Vorbild umzustellen und moderne Technologie einzuführen", sagte ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter.

Größere Sperrzone

Unklar ist, aus welcher Generation diese Waffen stammen. Teilweise erhält die Ukraine top-aktuelle Modelle, teilweise aber auch bereits aussortierte Bestände. Bei NASAMS handelt es sich um eine Luftabwehr der Kurzstrecke. "Kurz" ist aber deutlich mehr als eine Nahbereichsverteidigung, wie der Gepard sie leistet. Diese Systeme können Schutz für besonders gefährdete Zonen leisten.  Die weitreichendsten Raketen von NASAMS können Ziele bis maximal 50 Kilometer abschießen. Als Besonderheit nutzt NASAMS modifizierte Luft-Luft-Raketen, mit denen normalerweise Jets ausgerüstet werden. Diese "Zweitverwertung" ist kostengünstiger als eine komplette Neuentwicklung.
Wie Iron Man: Soldaten fliegen mit Jetpack auf Kriegsschiff – ist das Video echt?
Eine NASAMS 2-Batterie ist umfangreich. Sie besteht zwölf Raketenwerfern, acht Radaren, einer Feuerleitzentrale, einem elektrooptischen Kamerafahrzeug und einem Kontroll-Fahrzeug. Die Batterie kann über eine größere Zone verteilt werden, so dass die zwölf Starter insgesamt ein recht großes Gebiet abdecken. Das NASAMS-System schützt seit 2005 die Hauptstadt der USA, Washington DC. Es könnte also auch in Charkow oder Kiew eingesetzt werden oder die aktuelle Kampfzone im Donbass schützen.

Erst blockieren, dann zurückdrängen

Die Lieferungen von Waffen NASAMS hat hohe Priorität. Durch die Stärkung der Luftverteidigung und der gleichzeitigen Lieferung von Artillerie und Raketenwerfern hoher Reichweite soll die jetzige Überlegenheit der Russen bei den Fernwaffen gekontert werden. So könnten die Invasoren die Fähigkeit zu weiteren Vormärschen verlieren. Das dann folgende zeitweise "Patt" auf dem Schlachtfeld soll genutzt werden, um auch die Bodenstreitkräfte der Ukraine mit Kampf- und Schützenpanzern auszurüsten und die einberufenen Rekruten auszubilden. In einer späteren Phase könnte Kiew dann selbst die offensive Rolle übernehmen. Eine Schlüsselfrage bei dieser Strategie bleibt, ob es Kiew gelingt, die gelieferten Systeme zu bewahren. Oder ob es die Russen schaffen, deren Standorte zu ermitteln und sie auszuschalten.

Mehr zum Thema



Newsticker