Botschaft in Berlin Spionage-Vorwurf: Bundesregierung schmeißt russischen Diplomaten aus dem Land

Seit jeher ein Tummelplatz für Spione: die russische Botschaft in Berlin
Seit jeher ein Tummelplatz für Spione: die russische Botschaft in Berlin
© Christoph Soeder / DPA
Ein russischer Botschaftsmitarbeiter muss die Bundesrepublik verlassen. Er soll – geschützt durch den Diplomatenstatus – Chef einer festgenommenen mutmaßlichen Kreml-Spionin sein.

Die Festnahme der mutmaßlichen Russland-Spionin Ilona W. in Berlin durch das Bundeskriminalamt am Mittwoch ruft eine scharfe Reaktion der Politik hervor.

Die Bundesregierung bestellte am Donnerstag den russischen Botschafter ein – und teilte ihm mit, dass ein Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung das Land verlassen muss. "Spionage in Deutschland toleriert die Bundesregierung nicht – erst recht nicht unter dem Deckmantel des Diplomatenstatus", teilte das Auswärtige Amt mit.

Spionage aus der russischen Botschaft in Berlin?

Der "Spiegel" berichtete, bei der ausgewiesenen Person handele es sich um den stellvertretenden Militärattaché der russischen Botschaft in der Straße Unter den Linden im Berliner Regierungsviertel. Der Mann soll demnach zugleich Geheimdienstmitarbeiter und der Führungsoffizier von Ilona W. sein. Von offizieller Seite wurden diese Informationen nicht bestätigt. Als Diplomat besitzt der Beschuldigte hierzulande Immunität und damit Schutz vor Strafverfolgung. Er gilt fortan als "Persona non grata" (unerwünschte Person). 

Die Bundesanwaltschaft wirft Ilona W. vor, "für einen Geheimdienst einer fremden Macht tätig gewesen zu sein". Sie soll hierzulande unter anderem Informationen über Drohnentests und -lieferungen sowie Standorte der Rüstungsindustrie gesammelt und in Richtung Kreml weitergegeben haben (der stern berichtete). Sie soll auch Kontakte zu früheren Mitarbeitern des Bundesverteidigungsministeriums und der Bundeswehr gepflegt haben. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs schickte die Deutsch-Ukrainerin am Donnerstag in Untersuchungshaft.

Die Behörden sind der mutmaßlichen Agentin durch die Spionageabwehr des Verfassungsschutzes und durch Erkenntnisse des Militärischen Abschirmdienstes auf die Spur gekommen.

Quellen: Auswärtiges Amt, Bundesanwaltschaft, "Spiegel", Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos

Mehr zum Thema