Der KI-Boom lässt das Geschäft des Chipkonzerns Nvidia allen Zweiflern zum Trotz weiter explosiv wachsen. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 73 Prozent auf gut 68,1 Milliarden Dollar (57,7 Mrd Euro). Nvidia übertraf damit die Erwartungen der Wall Street. Selbst im Vergleich zum Quartal davor gab es ein Plus von 20 Prozent. Für das laufende Vierteljahr stellte Nvidia den nächsten Sprung in Aussicht. Anleger ließ die Rekordjagd kalt.
Motor der KI-Industrie
Chipsysteme von Nvidia wurden zu einer Schlüsseltechnologie für die Entwicklung von Software mit Künstlicher Intelligenz. Sie werden sowohl für das aufwendige Training von KI-Modellen für Chatbots wie etwa ChatGPT eingesetzt - als auch beim Betrieb solcher Software. Die Nvidia-Ergebnisse sind damit zu einem Gradmesser für den Zustand der KI-Industrie geworden.
Angst vor KI-Blase an der Börse
Tech-Riesen wie Google und der Facebook-Konzern Meta sowie KI-Start-ups wie der ChatGPT-Erfinder OpenAI stecken gerade hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Es gibt Zweifel, ob diese gewaltigen Investitionen zurückverdient werden können. Nvidia profitiert jedoch unabhängig davon schon heute von der Ausgabefreudigkeit: Ein großer Teil des Geldes fließt in Chips des Konzerns.
Ausblick über Erwartungen
Nvidia widerlegte die Zweifler nun erneut mit einer Prognose für das laufende Vierteljahr, die über den Erwartungen der Analysten liegt. Der Chipkonzern rechnet mit 78 Milliarden Dollar Umsatz, mit einer möglichen Abweichung von zwei Prozent nach oben oder unten. Experten hatten im Schnitt mit einer Prognose von rund 73 Milliarden Dollar gerechnet.
Unterm Strich sprang der Quartalsgewinn im Jahresvergleich um 94 Prozent auf knapp 43 Milliarden Dollar. Beim Ergebnis pro Aktie lag der Konzern über den Schätzungen der Analysten. Einen Teil der hohen Gewinne investiert Nvidia in KI-Entwickler. In der Branche spricht man dabei von Kreislauf-Deals: Mit den Finanzspritzen kaufen die Entwicklerfirmen dann Halbleiter-Technik bei dem KI-Chip-Spezialisten.
Skeptische Börsen
Nvidia-Chef Jensen Huang bekräftigte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, die Computerwelt habe sich durch Künstliche Intelligenz verändert und in Zukunft werde es nur noch mehr Nachfrage nach Rechenleistung geben - womit sich auch schon jetzt Geld verdienen lasse. Computer-Kapazitäten führten zu Wachstum und dies wiederum bringe Umsätze. Finanzchefin Colette Kress sagte, Nvidia habe weiterhin Probleme, genug Chipsysteme produzieren zu lassen.
Anleger zeigten sich allerdings unbeeindruckt. Der Kurs der Nvidia-Aktie drehte im nachbörslichen Handel während der Analystenkonferenz in Minus. Danach erholte sie sich und notierte kaum verändert.
Weiter Unklarheit in China
Nach wie vor offen ist, wie es für Nvidia in China weitergeht. Die US-Regierung erlaubt zwar wieder den Verkauf abgespeckter Chipsysteme mit der Bezeichnung H200 in das Land - für eine saftige Gebühr von 25 Prozent. Allerdings ist weiterhin unklar, ob die Regierung in Peking die dortigen Unternehmen diese Chips kaufen lässt. In den Prognosen von Nvidia wird deshalb immer noch kein potenzielles Geschäft in China berücksichtigt.
Speicher-Knappheit bremst Gaming-Geschäft
Der rapide Ausbau der Rechenzentren sorgt gerade für eine akute Knappheit bei Speicherchips - und das bremst wiederum das Geschäft von Nvidia mit Grafikkarten für Gamer, mit denen der Konzern einst groß wurde. Im vergangenen Quartal verpasste die Sparte mit Erlösen von 3,73 Milliarden Dollar die Erwartungen von Analysten, die eher mit rund vier Milliarden Dollar gerechnet hatten.