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Hardware und Games Gaming-PC bis 600 Euro: Wer selber baut, bekommt mehr fürs Geld

Ein Gaming-PC bis 600 Euro steht auf einem Schreibtisch.
Ein Gaming-PC bis 600 Euro macht eine gute Figur, selbst wenn der Tisch auf dem er steht, etwas klein ist.
© Djavan Rodriguez / Getty Images
Endlich wieder Leistung im Gaming-PC bis 600 Euro. Was Budget-Gamer Ende 2022 vom günstigen Rechenknecht erwarten dürfen und warum der Eigenbau lohnt, verrät der Ratgeber.  

Zocker mit etwas schmalerem Geldbeutel fristeten lange Zeit ein eher tristes Dasein. Corona, Inflation und Scraper machten das liebste Hobby zur Tortur. In den letzten zwei Jahren schossen die Preise für Grafikkarten und Prozessoren durch die Decke und es war eine wahre Kunst, einen Gaming-Rechner unter 600 Euro zu bekommen. Inzwischen hat sich die Lage etwas gebessert. Und trotzdem ist es noch immer nicht leicht, einen vernünftigen Gaming-PC unter 600 Euro zu bekommen – unmöglich ist aber auch nicht. 

Eines vorab: Unter 600 Euro ist mehr als Full-HD-Auflösung bei mittlerer bis hoher Detailstufe in neuen Titeln nicht drin. Jedenfalls dann, wenn Zocker den Computer selbst zusammenbauen. Wer einen fertigen Gaming-PC kauft, darf etwas weniger erwarten. Denn bei den Fertig-PCs sterben Gamer einen Tod: Entweder arbeitet im PC eine Low-Budget-Grafikkarte und der Prozessor ist zu schwach oder der Prozessor ist ganz ordentlich, aber eben mit integrierter Grafikeinheit.

Die ist in der Regel schwächer als eine Low-Budget-Grafikkarte. Deshalb vergleichen wir im folgenden zwei Fertig-PCs und schauen uns dann an, was man fürs gleiche Geld bekommt, wenn der Rechenknecht selbst gebaut wird. 

ALTERNATE We Love Gaming-PC Budget Edition 5600G

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We Love Gaming-PC Budget Edition 5600G
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  • Prozessor: AMD Ryzen 5 5600G
  • Grafikkarte: AMD Radeon Vega Graphics
  • Arbeitsspeicher:  16 GB
  • Speicher: 256 GB
  • Netzteil: Sharkoon SHP Bronze 500W

Los geht es mit dem Alternate We Love Gaming-PC Budget Edition 5600G für 599 Euro. In ihm arbeitet der AMD-Ryzen-5-5600G-Prozessor und der ist für den Gaming-Rechner keine schlechte Wahl. In Verbindung mit einer ordentlichen Grafikkarte haben Zocker lange Freude an dem Sechskerner, weil seine CPU-Leistung locker ausreicht, alle aktuellen Spiele zu berechnen. Allerdings verzichtet Alternate auf eine eigenständige Grafikkarte und setzt auf die im Prozessor integrierte AMD Radeon Vega Graphics. Die ist für eine integrierte Lösung gar nicht schlecht, macht Gamer aber trotzdem nicht so richtig glücklich.

Es kommt vor allem auf die Titel an, die Sie zocken wollen. E-Sport-Games wie "Dota 2" oder "Counter Strike – Global Offensive" berechnet die Grafikeinheit mühelos, wenn die Games in Full-HD-Auflösung und hohen Detaileinstellungen laufen. Das allerdings nicht mit den gewünscht hohen Bildern in der Sekunde. Bei "CS – GO" sollten um die 120 Bilder pro Sekunde drin sein, bei "Dota 2" um die 60 bis 70. Spielbar sind die Titel damit allemal. Kniffeliger wird es bei neueren Spielen.

Bei "Cyberpunk 2077" müssen Zocker die Auflösung und Detailstufe nach unten schrauben, damit der Titel überhaupt läuft. Etwas gering bemessen ist bei dem PC auch der interne Speicher mit 256 Gigabyte (GB). Die 16 GB Arbeitsspeicher reichen Zockern dagegen locker aus. Windows 11 ist auf dem Rechner vorinstalliert. Eine Kaufempfehlung für Zocker, die noch eine Grafikkarte besitzen oder darauf warten, bis sich die Preise für die Chips normalisiert haben. 

Systemtreff Gaming-PC Radeon RX 6400

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  • Prozessor: Ryzen 5 4500G
  • Grafikkarte: RX 6400
  • Arbeitsspeicher: 16 GB
  • Speicher: 256 GB
  • Netzteil: Unbekannt (400 Watt)

Einen etwas anderen Weg beschreiten Gamer mit dem Systemtreff Gaming-PC unter 600 Euro. Als Prozessor spendiert der Hersteller seinem Rechner einen Sechskernprozessor in Form des AMD Ryzen 5 4500. Im Vergleich zum Ryzen-Prozessor im Alternate-PC ist der in Sachen Gaming-Performance leisstungsschwächer. Das hat zwei Gründe: Der Ryzen 5 4500 basiert auf einer älteren Architektur und taktet in Spielen deutlich niedriger als der Ryzen 5600G und das macht sich dann auch in den Bildern pro Sekunde bemerkbar.

Ein großes Problem ist das aber nicht, denn der Hersteller paart das Hirn des Rechners mit trüben Augen: Als Grafikkarte spendiert Systemtreff seinem Gaming-PC unter 600 Euro eine AMD Radeon RX 6400. Dabei handelt es sich um die aktuelle Einsteigerkarte von AMD. Und diese Karte ist ein großes Mysterium auf dem Markt der Gaming-Computer. Zum Sterben zu viel, zum Zocken zu wenig, passt wohl am ehesten. Einzeln kostet sie um die 170 Euro. Für fünfzehn Euro mehr bekommen Gamer dann schon eine leistungsstärkere RX 6500 XT, die in jedem Fall den Vorzug vor der 6400 erhalten sollte. 

Die RX 6400 bietet leider nur 4 Gigabyte Videospeicher. Das ist 2022 selbst für Full-HD-Auflösung mau bemessen. Mit der Karte müssen Gamer also Abstriche bei der Detailstufe hinnehmen. Trotzdem ist sie natürlich deutlich performanter als die integrierte Grafikeinheit beim Alternate-PC. Den Systemtreff-PC runden 256 GB interner und 16 GB Arbeitsspeicher ab. 

X-HARDWARE X-Gaming 4700S

Hier gibt es den X-Gaming 4700S

  • Prozessor: Ryzen 4700S
  • Grafikkarte: GTX 1650
  • Arbeitsspeicher: 16 GB
  • Speicher: 512 GB
  • Netzteil: AZZA PSAZ New 550W ATX

Einen ähnlichen Weg wie Systemtreff geht Hersteller X-Hardware mit seinem Gaming-PC unter 600 Euro. Der Computer bietet mit 512 Gigabyte internen Speicher doppelt so viel Speicherplatz wie sein Konterfei. Interessant wird es beim Prozessor: In ihm arbeitet Ryzen 4700S. Und dieser Prozessor ist schon eine Kuriosität, denn AMD verkauft ihn nur in Verbindung mit einem Mainboard, auf dem sich auch noch 16 Gigabyte Arbeitsspeicher befinden. In Zukunft upgraden lässt sich dieses Bundle aber nicht. Sowohl Prozessor als auch Arbeitsspeicher sind fest verlötet. Das ist natürlich schlecht.

Der Prozessor basiert wie der Ryzen 5 4500 auf der Zen2-Architektur, bietet aber zwei Kerne mehr. Vermutlich handelt es sich dabei um Bestände von AMD-Chips, die eigentlich mal in der XBox Series X verbaut werden sollten. Jedenfalls ähneln sich die Spezifikationen von Konsolenprozessor und Ryzen 4700S enorm. Leider ist die integrierte Grafikeinheit des Chips deaktiviert. Und das ist wirklich schade, denn der Prozessor lässt sich leider nicht mit jeder Grafikkarte kombinieren. Und auch das ist Murks, was zukünftige Upgrades betrifft. Laut AMD können Gamer folgende Karten mit dem Prozessor paaren: 

  • AMD Radeon 550 Grafikkarte​
  • AMD Radeon RX 550 Grafikkarte​
  • AMD Radeon RX 560 Grafikkarte​
  • AMD Radeon RX 570 Grafikkarte​
  • AMD Radeon RX 580 Grafikkarte​
  • AMD Radeon RX 590 Grafikkarte​
  • NVIDIA GeForce GT 1030­
  • NVIDIA GeForce GTX 1050­
  • NVIDIA GeForce GTX 1050 Ti­
  • NVIDIA GeForce GTX 1060

Und als sei das alles noch nicht wild genug, paart der Hersteller den Prozessor mit einer GTX 1650 – also einer Karte, die laut AMD gar nicht mit dem Prozessor zusammenpassen sollte. Die Vermutung liegt aber nahe, dass GTX 1060 und 1650 die gleichen Treiber nutzen, weshalb das Zusammenspiel funktioniert. Leistungstechnisch liegt die 1650 auf dem Niveau einer RX 6400 aus dem PC von Systemtreff. Eine Maschine für die Zukunft ist dieser Computer also mitnichten. 

Gaming-PC Marke Eigenbau

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Intel Core i3-12100F 12. Generation Desktop Prozessor (Basistakt: 3.3GHz, 4 Kerne, LGA1700, RAM DDR4 und DDR5 bis zu 128GB) BX8071512100F
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  • Prozessor: Intel Core i3 12100F
  • Grafikkarte: RX 6500 XT
  • Arbeitsspeicher: 16 GB
  • Speicher: 960 GB
  • Netzteil: be quiet! 500W System Power

Nach dieser durchaus wilden Exkursion durch die Welt der Fertig-PCs stellt sich nun die Frage, ob es sich lohnt, selbst Hand anzulegen. Lange Geschichte, kurze Antwort: Es lohnt, wird aber auch ein untypischer Mix aus Komponenten. Beim Prozessor setzen wir auf den Intel Core i3 12100F, dessen vier Kerne dank ihrer hohen Taktraten alle Prozessoren aus den Fertigrechnern in die Tasche steckt. Einen zusätzlichen Kühler sparen wir uns und setzen stattdessen auf den mitgelieferten Intel-Kühler.

Den Prozessor setzen wir auf ein ASRock H610M-HVS. Das bietet leider nur zwei RAM-Slots und einen Grafikkarten-Slot, aber es ist günstig und das muss uns genügen. Weil das Mainboard nur DDR-4-RAM schluckt, bauen wir einen günstigen 16-GB-Riegel hinein. Der zweite Slot bleibt frei, falls später einmal mehr RAM gewünscht wird. Ein be quiet! PC Netzteil ATX 500W System Power 9 BN246 befeuert unser System. 500 Watt genügen dem Gaming-PC unter 600 Euro. Wer später eine bessere Grafikkarte verbauen will, sollte ein leistungsstärkeres Netzteil kaufen. 

Aktuell wollen wir das aber nicht und setzen auf eine Radeon RX 6500 XT. Keine Monsterkarte, aber schneller als jede Grafikkarte im Vergleich. Nicht schneller aber größer ist die 1 Terabyte große SSD, die wir in den Rechner bauen. Und damit sind wir fast fertig, wäre da nicht ein Gehäuse, in das wir unseren PC schustern müssen. Wir halten es schlicht und entscheiden uns für das Fractal Design FD-CA-CORE-1000.

Alle Komponenten zusammen kosten 611,49 Euro. Ziel knapp verfehlt. Sparpotenzial bieten sich beim Gehäuse. Ein weiterer Tipp, um Kosten zu sparen, wäre den Gebrauchtmarkt für Grafikkarten im Auge zu behalten. Allerdings ist der Kauf gebrauchter Hardware immer risikoreich. Und Sie müssen immer das Netzteil mitbedenken. Eine gebrauchte RX Vega 56 etwa kostet bei Ebay um die 160 Euro. Die schluckt aber weitaus mehr Strom als die RX 6500 XT. Entsprechend müssen Sie die gesparten 40 Euro in ein besseres Netzteil investieren, bekommen dafür aber auch etwas mehr Grafikleistung.

Zusammenfassend schlägt der Eigenbau-PC seine fertigen Gegner aber allemal. Er ist flexibler was Upgrades betrifft und bietet die beste Leistung fürs Geld, auch wenn Sie natürlich etwas mehr Arbeit haben.

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