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Trotz aller Proteste: RWE-Chef hält an striktem Atomkurs fest

Trotz aller Proteste: RWE-Chef Jürgen Großmann hat bei der Hauptversammlung des Konzerns seinen strikten Atomkurs verteidigt. Das Atom-Moratorium der Regierung bezeichnete er als voreilig und warnte vor steigenden Strompreisen durch die Schließung der Atomkraftwerke.

RWE-Chef Jürgen Großmann hat den strikten Atomkurs des zweitgrößten deutschen Versorgers trotz anhaltender Proteste verteidigt. Der Manager kritisierte am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen das Atom-Moratorium der Bundesregierung als voreilig. "Unsere Regierung hat nach dem Motto gehandelt: Erst abschalten, dann prüfen", sagte er. Großmann verteidigte die Klage des Konzerns gegen das Atom-Moratorium mit der vorübergehenden Stilllegung des AKW Biblis. "Das sind wir Ihnen, unseren Aktionären, schuldig." Der RWE-Chef warnte vor steigenden Strompreisen, die in Deutschland zur Schließung von Werken der energieintensiven Aluminiumindustrie führen könne.

Gleich zu Beginn der Rede Großmanns kam es in der Essener Grugahalle zu Protesten von Atomkraftgegnern. Eine Gruppe von Demonstranten verschaffte sich vor dem Podium mit Rufen wie "Abschalten" und Transparenten wie "Atomprofite. Schluss jetzt" lautstark Gehör. Auch auf den Rängen kam es immer wieder zu Zwischenrufen und zu teilweise tumultartigen Szenen, bei denen Sicherheitskräfte Transparente herunterrissen. Großmann musste seine Rede mehrfach unterbrechen. Die AKW-Gegner wurden unter dem Applaus von Aktionären aus dem Saal geführt. Bereits am Morgen hatten schätzungsweise rund 150 Atomkraftgegner vor der Halle demonstriert. Dutzende Polizisten bahnten den Anteilseignern den Weg. "Die Aktionäre müssen sich entscheiden: Rendite oder Leben", schallte es aus einem Lautsprecher.

Großmann versuchte, sich von den Protesten nicht beirren zu lassen. Im Gegensatz zum Konkurrenten EnBW hält RWE trotz des Atom-Moratoriums an seinen Prognosen fest. Der Konzern erwarte 2011 unter anderem wegen der Belastungen aus der Brennelementsteuer einen Rückgang des Betriebsergebnisses um rund 20 Prozent, bekräftigte der RWE-Chef. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis werde um 30 Prozent fallen. Im Jahr 2013 erwarte der Versorger ein betriebliches Ergebnis von 5,7 Milliarden Euro. 2010 hatte RWE ein Betriebsergebnis von 7,7 Milliarden Euro eingefahren. Die Karlsruher EnBW hatte am Dienstag erklärt, wegen des Moratoriums 2011 einen Rückgang des bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern um bis zu ein Viertel zu erwarten. Zuvor hatte der Versorger lediglich einen Rückgang um bis zu 15 Prozent erwartet.

RWE betreibt fünf der 17 Atomkraftwerke in Deutschland. Rund 20 Prozent der Stromerzeugung entfallen auf die Kernenergie, den größten Teil stemmen die Kohlekraftwerke. Der Versorger erwartet durch das Atom-Moratorium Großmann zufolge einen Ergebnisverlust im dreistelligen Millionenbereich. Die übrigen AKW-Betreiber in Deutschland, E.ON, EnBW und Vattenfall, verzichten im Gegensatz zu RWE auf eine Klage gegen das dreimonatige Atom-Moratorium. Sie behalten sich aber wie der Essener Konzern eine Klage gegen die Brennelementesteuer vor. Die Bundesregierung will nach einer Sicherheitsüberprüfung bis Juni entscheiden, wie es mit den Atomkraftwerken weitergeht.

vim/Reuters / Reuters