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Trotz Schuldenkrise: Konsumforscher erwarten glänzendes Weihnachtsgeschäft

Hübsch eingepackt, mit Schleifen oder Karten: Im Schnitt verschenken die Deutschen Präsente für 285 Euro. Das ist trotz anhaltender Schuldenkrise in Europa deutlich mehr als im vergangenen Jahr.

Krise? Aber doch nicht an Weihnachten! Das scheint derzeit die Haltung der deutschen Verbraucher zu sein. Zwar blicken sie nicht mehr ganz so zuversichtlich in die Zukunft wie in den Vormonaten. Auf ihre Pläne für das Fest wirkt sich das aber nicht aus, ganz im Gegenteil: Gut neun Prozent mehr als im Vorjahr will jeder über 14-Jährige in Präsente für seine Liebsten investieren. "91 Prozent der deutschen Bevölkerung wollen Geschenke machen. Und sie wollen dabei durchschnittlich 285 Euro ausgeben", stellte Wolfgang Adlwarth vom Marktforschungsinstitut GfK am Montag in Frankfurt eine entsprechende Studie vor.

14,9 Milliarden Euro fließen demnach dank der Geschenkeflut in die Kassen des Handels. Hinzu kommen weitere 3,4 Milliarden Euro an Bargeld-Präsenten, die ebenfalls überwiegend ausgegeben statt auf ein Sparbuch eingezahlt werden. "Das würde zu den guten Rahmenbedingungen passen, die wir in Deutschland haben", kommentiert Andreas Scheuerle von der Dekabank die Ergebnisse. "Schuldenkrise hin oder her - der Arbeitsmarkt zeigt sich stabil, die verfügbaren Einkommen steigen an."

Und genau das ist nach Einschätzung der GfK auch der Grund für die hohe Bereitschaft, zum Fest tief ins Portemonnaie zu greifen. "Die wesentlichen Gründe sind ganz klar der stabile Arbeitsmarkt, die gute Einkommensentwicklung, eine niedrige Sparneigung (...) und niedrige Zinsen, die die Geldanlage nicht sehr attraktiv machen", erläutert GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Die Probleme in der Euro-Zone und die schwächelnde Konjunktur rückten dabei in den Hintergrund.

Frauen mit dem Hang zum Praktischen

Hinzu komme, dass die Deutschen den Finanzmärkten noch immer misstrauten, betont Bürkl. Seit der durch die Lehman-Pleite ausgelösten Wirtschaftskrise hielten die Menschen ihr Geld nicht wie sonst in unsicheren Zeiten zusammen, sondern gäben es lieber aus. Tatsächlich ist die Sparquote nach Angaben der Deutschen Bundesbank in diesem Jahr kontinuierlich gesunken.

Entsprechend steht nach Einschätzung der Konsumexperten einer hohen Nachfrage nach Taschen, Teddys und Krimis in den kommenden Wochen nichts entgegen. "Wir haben sehr, sehr gute Voraussetzungen für ein gutes Weihnachtsgeschäft", betont GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. Er ist bei den Nürnberger Marktforschern der Spezialist für die Geschenke-Pläne der Deutschen und legt gleich los:

Am häufigsten würden Bücher, Spielwaren und Bekleidung nebst Accessoires verschenkt. "Da zeigt sich durchaus ein Hang zum Praktischen, denn Bekleidung wird überproportional häufig von Frauen verschenkt", schildert Adlwarth. Kosmetikartikel und Parfüm rutschten in diesem Jahr von Platz acht auf Platz vier, gefolgt von Bargeld und Gutscheinen. "Jeder vierte möchte Bargeld und/oder Gutscheine verschenken", berichtet der Marktforscher. Gemessen an der Summe, die in der jeweiligen Kategorie ausgegeben wird, liegen die Textilien ganz vorne, gefolgt von Spielsachen und Gutscheinen.

"Lebensmittel ist eine typische Eigenart im Osten"

Auffällig: Für Schmuck und Uhren werden in diesem Jahr voraussichtlich 928 Millionen Euro ausgegeben, nach 752 Millionen Euro im letzten Jahr. "Da habe ich etwas Schönes und eine Freude dran, aber auch etwas Wertbeständiges", erklärt Adlwarth den Zuwachs in Zeiten, in denen so mancher an der Beständigkeit der Währung zweifelt. Bekleidung und Kosmetik liegen auch bei den Gutscheinen auf den Spitzenrängen, gefolgt von Unterhaltungselektronik und Büchern. In diesen wie den meisten anderen Kategorien kaufe das Christkind immer häufiger online ein, berichtet Adlwarth aus der Studie.

Wenig überraschend ist das Ergebnis, dass die für Geschenke eingeplante Summe mit der Höhe des Einkommens steigt. Auch das Alter wirkt sich positiv auf die Freigebigkeit aus - nur bei den 25- bis 34-Jährigen stagniert das Geschenke-Budget, hat sich aber zwischen Ost und West fast angeglichen. Im vergangenen Jahr gaben die Westdeutschen im Schnitt noch 20 Euro mehr für Präsente aus. Dennoch bleiben Unterschiede: "Lebensmittel zu schenken ist eine typische Eigenart im Osten", plaudert Adlwarth aus.

jar/DPA / DPA