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Übernahmeangebot: Scania will MAN nicht

Der Münchener Nutzfahrzeughersteller MAN wollte mit der Übernahme des schwedischen Scania-Konzerns zum führenden europäischen Lkw-Hersteller aufsteigen. Das Problem: Scania hat das Angebot einstimmig abgelehnt.

Der schwedische Lkw-Hersteller Scania hat kein Interesse am Übernahmeangebot des Münchener Nutzfahrzeughersteller MAN. Wie Scania am Montag mitteilte, habe der Verwaltungsrat diese Entscheidung in seiner Sitzung bereits am Sonntag einstimmig gefasst. MAN sei noch am selben Tag von diesem Entschluss unterrichtet worden. Das deutsche Unternehmen hatte in der Nacht zum Montag ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot mit einem Wert von 9,6 Milliarden Euro vorgelegt. Sollte der Übernahmeversuch gelingen, würde nicht nur der führende europäische Anbieter, sondern auch der drittgrößte Nutzfahrzeughersteller der Welt entstehen.

MAN sieht erheblichen Wertzuwachs

"Die Kombination von MAN und Scania wird den Aktionären beider Unternehmen einen erheblichen Wertzuwachs bieten", erläuterte der MAN-Vorstandsvorsitzende Hakan Samuelsson seine Offerte. "Die neue Gruppe wird stärker und wettbewerbsfähiger sein und dabei Arbeitsplätze in Deutschland und Schweden sichern", fügte er hinzu. Standortschließungen sollte es nicht geben. Die Management-Positionen sollen zwischen den Managern von MAN und Scania aufgeteilt werden, wobei jeweils die "beste Person für die jeweilige Aufgabe" gesucht werde.

Die Vorteile einer Kombination beider Unternehmen sieht Samuelsson bei der Bündelung des Forschungs- und Entwicklungs-Know-hows, dem Ausbau des Produktportfolios sowie der Expansion in neue Märkte und nicht zuletzt auf der Kostenseite. Die Kostensynergien lägen bei mindestens 500 Millionen Euro jährlich, deren volle Höhe innerhalb von drei Jahren erreicht werde. Diesen Einsparungen stünden Integrationskosten von insgesamt 150 Millionen Euro gegenüber.

Auch VW lehnt ab

Gleichzeitig teilte MAN mit, bereits vom französischen Autohersteller Renault dessen Scania-Anteil von 2,85 Prozent des Aktienkapitals beziehungsweise 5,18 Prozent der Stimmrechte erworben zu haben. Renault hatte schon im Vorfeld signalisiert, verkaufswillig zu sein.

Wenige Stunden nach Bekanntgabe der Offerte über rund 9,6 Milliarden Euro lehnten auch die Großaktionäre Volkswagen und Investor eine Übernahme ab.Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" pocht Volkswagen auf eine deutlich stärkere Position in einem fusionierten Unternehmen. VW bestehe als größter Scania-Aktionär darauf, auch in einem Gemeinschaftsunternehmen aus MAN und Scania eine strategisch bedeutsame Position zu bekommen, berichtet die "FAZ" ohne nähere Quellenangabe. Bei Annahme der MAN-Offerte käme Volkswagen den Angaben zufolge aber nur auf einen Anteil von weniger als zehn 10 Prozent. Der deutsche Autohersteller hält 18,7 Prozent der Aktien und 34 Prozent der Stimmrechte.

Keine Angaben der Industriellenfamilie Wallenberg

Keine Angaben machte das deutsche Unternehmen hingegen zu den Absichten der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg. Die Wallenbergs verfügen über verschiedene Beteiligungen insgesamt über 29 Prozent der Stimmen.

Auf Basis der Zahlen für das Geschäftsjahr 2005 errechnet sich für MAN und Scania den weiteren Angaben zufolge zusammen ein Umsatz von 18,5 Milliarden Euro und ein operativer Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Gemeinsam würde das neue Unternehmen etwa 80.000 Mitarbeiter beschäftigen. Bereits am vergangenen Dienstag hatte es erste Gerüchte gegeben, dass MAN eine Übernahme des viertgrößten europäischen Nutzfahrzeugherstellers plane. Am Mittwoch hatte der Münchener Konzern offiziell sein Interesse an Scania bestätigt.

Ralf Beunink/DDP / DDP