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Übernahmekampf: Cerberus will sich Crysler krallen

Die Entscheidung, an wen Daimler seine verlustreiche Sparte Chrysler verkaufen wird, steht kurz bevor. Favorit im Übernahmekampf ist der Finanzinvestor Cerberus, der dem Autozulieferer Magna Chrysler vor der Nase wegschnappen will.

Im Kampf um die Übernahme des US-Herstellers Chrysler wird es für den Autozulieferer Magna eng. Denn einiges spricht für den für Chrysler bietenden Finanzinvestor Cerberus. Die Entscheidung steht kurz bevor. Zwar hat der Einstieg des Oligarchen Oleg Deripaska Magna gestärkt. Dessen Finanzmittel und Marktzugang nach Russland liefern DaimlerChrysler Argumente für den Chrysler-Verkauf an Magna. Doch der Zuschlag wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aus Kreisen, die mit den Verhandlungen vertraut sind, wird verlautet, dass der Finanzinvestor Cerberus in den Gesprächen über Chrysler derzeit deutlich vorn liegt.

Der kanadische Autozulieferer Magna ist neben den Beteiligungsfirmen Blackstone und Cerberus einer von drei verbliebenen Bietern für Chrysler. Zwar spricht bei der Entscheidung über den Chrysler-Verkauf einiges für Magna. Der Zulieferer hat ein längerfristiges Interesse an Chrysler, da der Autobauer einer der größten Magna-Kunden ist. Unter anderem deshalb haben amerikanische und kanadische Gewerkschaften betont, Magna einem Finanzinvestor vorzuziehen. Doch mit seinem Investment bei Magna geht Deripaska ein großes Risiko ein, sollte er nur darauf abgezielt haben, Zugriff auf einen US-Hersteller und damit einen leichten Einstieg in den amerikanischen Automarkt zu bekommen. Denn auch für die mit um Chrysler buhlenden Finanzinvestoren spricht viel.

Cerberus punktet mit Wolfgang Bernhard

Im Rennen um den Autokonzern kann Cerberus mit dem einstigen Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard punkten, den der Investor angeheuert hat. Bernhard hatte Chrysler vor Jahren im Bund mit dem jetzigen Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche saniert. Da die US-Autokäufer sich aber unerwartet stark von sprit-schluckenden Geländewagen und Pick-Ups, den einstigen Verkaufsschlagern der Hersteller, abgewendet haben, steckt Chrysler erneut in der Krise. "Ein reiner Finanzinvestor wird Chrysler zurückdampfen, bis die Knochen blank liegen", vermutet ein Berater. Ein solch hartes Durchgreifen schreckt die Gewerkschaften ab, könnte für die angeschlagenen Chrysler-Gruppe aber Vorteile bringen. So könnte der Finanzinvestor die Sanierung übernehmen und Chrysler schneller aufpolieren als ein mit dem Konzern verbundener Zulieferer wie Magna.

Magna ist als Lieferant und Auftragsfertiger für Autohersteller dagegen daran interessiert, viele Chrysler-Modelle herzustellen. Einschnitte bei Chrysler würden auch Magna Umsatz kosten. Zwar hat sich Magna den Investor Onex als Bieterpartner ins Boot geholt und will selbst nur einen Minderheitsanteil an Chrysler halten. Doch der Einfluss des Zulieferers wäre dennoch groß, sagen Personen im Umfeld der Verhandlungen. Zudem ist eine Chrysler-Übernahme für Magna mit Blick auf andere Kunden riskant. Mit Chrysler wäre der Konzern Konkurrent von Autobauern, denen Magna eigentlich zuliefert.

Deripaska gibt Magna-Gebot Gewicht

In der vergangenen Woche war Multimilliardär Deripaska, der im Aluminiumgeschäft zu Reichtum kam, bei Magna eingestiegen. Mit seinem Geld und seinen Verbindungen in die wachsenden Märkte Russlands und der GUS-Staaten gibt Deripaska dem Magna-Gebot für Chrysler zusätzlichen Schwung. Magna und Deripaskas russischer Autohersteller Gaz, mit dem DaimlerChrysler bereits zusammenarbeitet, wären für Daimler als Partner mit Fachwissen über das Autogeschäft interessant, das bei der Sanierung von Chrysler helfen könnte. So bietet Deripaska Chrysler einen leichten Zugang in den russischen Markt. Gute Osteuropageschäfte würden auch Jobs bei Chrysler in Detroit sichern.

Im Preispoker um Chrysler kann der Zulieferer nun einiges drauflegen. Die Investition des Russen von 1,5 Milliarden Dollar bei Magna wird in Branchenkreisen als Indiz für ein höheres Chrysler-Gebot gesehen: "Das frische Geld gibt Magna natürlich mehr Raum. Da ist jetzt mehr Speck auf den Rippen, um für Chrysler zu bieten", so Jürgen Pieper, Analyst vom Bankhaus Metzler. Bislang spekulieren Finanzkreise über einen Preis von fünf bis sieben Milliarden Dollar.

Von Kristina Spiller/Oliver Wihofszki/Christian Höller / FTD