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Fragen & Antworten

Strafzölle auf Importe: Trump droht Mexiko mit Strafzöllen – warum das auch für VW eine Hiobsbotschaft ist

Eigentlich schienen die Wogen im Handelsstreit zwischen den USA, Mexiko und Kanada geglättet zu sein. Doch nur kurz darauf erhob der US-Präsident Strafzölle auf mexikanische Importe – und das trifft vor allem die Auto-Industrie. Die Hintergründe.

Lastwagen warten in Mexiko an der Grenze zu den USA

Lastwagen warten in Mexiko an der Grenze zu den USA

AFP

Eben noch schien die Handelswelt zumindest in Nordamerika wieder in Ordnung: US-Präsident Donald Trump brachte am Donnerstag die Ratifizierung des neuen Handelsabkommens USMCA mit Kanada und Mexiko auf den Weg. Doch nur Stunden später verschickte der Präsident via Twitter die nächste Hiobsbotschaft: Er will bis zu 25 Prozent Strafzölle auf mexikanische Importe erheben. Davon wären auch deutsche Autobauer betroffen, die in Mexiko für den nordamerikanischen Markt produzieren.

Mit den Strafzöllen will Washington das Nachbarland zwingen, härter gegen illegale Einwanderung in die USA vorzugehen. Vom 10. Juni an würden Zölle in Höhe von fünf Prozent auf Einfuhren aus Mexiko verhängt, teilte Trump auf Twitter mit.

In einer Erklärung des Weißen Hauses hieß es, die Zölle würden bis 1. Juli auf zehn Prozent steigen und dann jeden Monat um weitere fünf Prozentpunkte angehoben. Ab 1. Oktober lägen sie bei 25 Prozent. Erst wenn Mexiko "wirksame Maßnahmen" gegen die Migration ergreife, würden die Zölle wieder aufgehoben. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador betonte in einem Brief an seinen amerikanischen Kollegen, er wolle keine Konfrontation. "Ich schlage vor, unseren Dialog zu vertiefen, um nach anderen Alternativen für das Migrationsproblem zu suchen", schrieb er. Doch was bedeuten die Zölle für die Autobauer, die in Mexiko produzieren?

Wie wichtig ist die mexikanische Autoindustrie?

Mexiko ist für viele Autohersteller die verlängerte Werkbank auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die Autobauer können ihren Arbeitern dort bei ähnlicher Qualifikation etwa ein Viertel der Löhne ihrer US-Kollegen zahlen.

Wegen dieses Kostenvorteils ist Mexiko laut der Welthandelsorganisation (WTO) mittlerweile der viertgrößte Autoexporteur der Welt hinter Deutschland, Japan und den USA. Laut mexikanischem Wirtschaftsministerium gehen etwa 70 Prozent der dort gebauten Fahrzeuge in die USA. Dem US-Handelsministerium zufolge hatten die aus Mexiko importierten Neuwagen im vergangenen Jahr einen Wert von mehr als 52 Milliarden Dollar (47 Milliarden Euro).

Zu den Herstellern, die in Mexiko produzieren, gehören die US-Autokonzerne Ford und General Motors sowie der US-italienischen Autobauer Fiat Chrysler, die asiatischen Hersteller Baic, Honda, Kia, Mazda, Nissan und Toyota sowie die deutschen Konzerne Volkswagen und BMW. Viele der in Mexiko zusammengeschraubten Teile stammen aber aus den USA oder Kanada und haben während der Produktion mehrmals die Grenzen überquert.

Wie stark wären die deutschen Autobauer betroffen?

Am stärksten betroffen wäre Volkswagen. Der Konzern lieferte vergangenes Jahr 638.300 Autos in den USA aus. Rund die Hälfte davon kamen aus Mexiko. Mercedes betreibt kein Werk in Mexiko und wäre damit nur mittelbar durch höhere Preise für Autoteile aus Mexiko betroffen. Bei BMW ist hingegen gerade die Produktion der 3er-Serie im neuen mexikanischen Werk in San Luis Potosí angelaufen.

Im Premiumsegment könnten die Hersteller die steigenden Produktionskosten noch auf die Kunden abwälzen, bei billigeren Fahrzeugen ist das wegen des harten Wettbewerbs schwer möglich. Die Zölle kämen aber auch deshalb zu einer Unzeit, weil die Abkühlung der weltweiten Konjunktur die Verkaufszahlen der Autobranche drückt, während die Hersteller groß in Elektromobilität und Autonomes Fahren investieren.

Wer würde härter getroffen?

"Mexiko-Zölle hätten erhebliche negative Auswirkungen auf US-Unternehmen", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Besonders betroffen seien die US-Autobauer Fiat Chrysler (FCA) und General Motors (GM), die große Fabriken in Mexiko unterhalten. "Bei GM sprechen wir von mehr als 830.000 Fahrzeugen, die überwiegend in die USA exportiert werden", erklärte Dudenhöffer. FCA produzierte vergangenes Jahr in Mexiko 639.000 Fahrzeuge. "GM wäre bei Zöllen der große Verlierer neben FCA und VW", glaubt Dudenhöffer. 

Wie reagieren die Autobauer?

"Nachdem Trump sich immer unberechenbarer verhält, werden die Autobauer die Produktion ihrer Autos für den Export Stück für Stück nach China verschieben", sagt Dudenhöffer. Dort sei die Politik verlässlicher.

Die Autobauer äußern sich hingegen vorsichtig: Ein BMW-Sprecher betont lediglich, barrierefreier Marktzugang sei ein entscheidender Faktor für das Geschäftsmodell des Autobauers. Und ein VW-Sprecher sagt, solange keine Strafzölle beschlossen, sondern nur angekündigt seien, wolle der Konzern die Situation weiter beobachten. VW hatte erst im Januar eine Investition von 700 Millionen Euro für den Aufbau der Produktion von Elektroautos in den USA angekündigt und dafür Lob von Trump bekommen.

Was passiert mit dem neuen Abkommen USMCA?   

Die USA, Mexiko und Kanada hatten erst im vergangenen Jahr ein neues Freihandelsabkommen ausgehandelt, nachdem Trump zuvor aus dem Nafta-Abkommen ausgestiegen war. USMCA sieht unter anderem strengere Herkunftsregeln für Autoteile vor, damit auf die fertigen Autos keine Zölle erhoben werden. Diese sind laut Experten für die Autobauer aber gut verschmerzbar. Ob die verschärften Regeln nun kommen, oder es tatsächlich Einschränkungen beim Freihandel gibt, ist derzeit nicht absehbar.

Donald Trump
rw / AFP