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Ulf Böge: Ein Mann der leisen Töne

Kartellamtspräsident Ulf Böge scheut den Konflikt nicht: Seit sechs Jahren ist der Volkswirtschaftler als oberster Wettbewerbshüter im Amt - und legte sich in dieser Zeit mit vielen mächtigen Gegnern an.

Der laute Auftritt ist seine Sache nicht. Dennoch ist das Wort von Kartellamtschef Ulf Böge gewichtig, wenn es um Fusionen und Übernahmen von Unternehmen in Deutschland geht. So machte der Wettbewerbshüter dem Verlagshaus Axel Springer zahlreiche Auflagen für die geplante Übernahme der Münchner Fernsehgruppe ProSieben Sat.1 und scheute dabei auch die Konfrontation nicht.

Steile Karriere im Wirtschaftsministerium

Der am 22. Januar 1942 in Eberswalde geborene Böge beschäftigte sich schon früh mit Wettbewerbsfragen. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte Böge Volkswirtschaft an den Universitäten Mainz und Bonn. 1969 wurde er Dozent am Mainzer Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft und befasste sich mit Wettbewerbstheorie und Finanzwissenschaften. 1971 promovierte er. Im folgenden Jahr ging er als Referent für Wettbewerbspolitik ins Bundeswirtschaftsministerium, wo er unter anderem an der Gesetzesnovelle zur Fusionskontrolle mitwirkte. 1976 wechselte er als Leiter des Wirtschaftsreferates ins Bundespräsidialamt.

Nach anderen kurzen Zwischenstationen kehrte Böge 1984 wieder ins Wirtschaftsministerium zurück und machte dort rasch Karriere. 1997 wurde der parteilose Wirtschaftswissenschaftler Leiter der Abteilung Energiepolitik. Nach dem Regierungswechsel stieg er 1998 zum Leiter der Grundsatzabteilung I auf, die sich auch mit Wettbewerbs- und Preispolitik befasst. Im Juli 1999 schlug ihn der damalige Wirtschaftsminister Werner Müller für den Chefposten des Bundeskartellamts vor. Anfang 2000 - auf der Höhe des Fusionsfiebers in Deutschland - trat Böge seinen neuen Job an.

Wollte Eon nicht mit Ruhrgas sehen

In seiner sechsjährigen Amtszeit hat Böge vielfach von sich reden machen: Im Jahr 2000 untersagte er den großen Handelskonzernen den Verkauf von Lebensmitteln unter Einstandspreis. 2001 verhängte er millionenschwere Bußgelder gegen Beton-Unternehmen wegen illegaler Quotenabsprachen. Er untersagte im Januar 2002 den Einstieg von Eon bei der Essener Ruhrgas AG, der erst später durch eine Ministererlaubnis genehmigt wurde. Er ließ die Lufthansa wegen ihrer Kampfpreise auf der Strecke Frankfurt-Berlin abmahnen und ermittelte gegen Papiergroßhändler und Versicherungen wegen verbotener Preisabsprachen.

Auch das Duale System bei der Verwertung von Einwegverpackungen stellte Böge auf den Prüfstand. Für erheblichen Wirbel sorgte sein Nein zur Übernahme der "Berliner Zeitung" durch die Holtzbrinck-Gruppe. Zuletzt legte sich der Kartellwächter mit den Gaskonzernen wegen deren Preisgestaltung an. Böge ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Agnes Tandler/AP / AP