UNTERNEHMEN Insolvenzantrag gegen Kinowelt


Nach den dramatischen Verlusten in den ersten neun Monaten stellte die Gläubigerbank ABN Amro den Insolvenzantrag über das Vermögen der Kinowelt Medien AG.

Ein Amtsgericht prüft nun nach der Entscheidung von ABN Amro, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden muss, sagte ein Kinowelt-Sprecher. Mit intensiven Verhandlungen will der gebeutelte Medienkonzern die Pleite noch verhindern. An den Gesprächen solle auch die bayerische Staatsregierung beteiligt werden.

Holländer ohne Geduld

Die niederländische ABN Amro-Bank hatte als erster der rund zwei Dutzend Gläubigerbanken die Geduld verloren. Das Kreditinstitut kündigte einen Kredit von mehr als 100 Millionen DM. Kinowelt konnte das Geld nicht wie gefordert bis vergangenen Mittwoch zurückzahlen. Daraufhin beantragte ABN Amro einen Tag später das Insolvenzverfahren und informierte Kinowelt am Freitag über den Schritt. Kinowelt bedauerte die Entscheidung, findet aber den Lösungsweg »nicht optimal.« Noch hat Kinowelt nicht aufgegeben, die Chancen, eine Pleite zu verhindern, sind aber nur schwer abzuschätzen.

Eigenkapital schmolz weg

In den ersten neun Monaten belief sich der Nettoverlust bei Kinowelt auf 309,1 Millionen Euro (604,5 Mio DM). Im Vorjahreszeitraum wurde ein Überschuss von 8,5 Millionen Euro erzielt. Das Eigenkapital schmolz bis Ende September wegen der Verluste von 340,9 auf 31,9 Millionen Euro zusammen. Die Insolvenzgefahr war akut, räumte Kinowelt ein. Die Zahl der Mitarbeiter sank bis Ende September um knapp 20 Prozent auf rund 800.

Wieder operative Überschüsse

Kinowelt sah sich zuletzt auf gutem Wege. Durch die Rückgabe eines Lizenzpakets an Time Warner wurde der Liquiditätsbedarf für die Zukunft deutlich reduziert. Vor Zinsen, Abschreibungen und Tilgung sollen sogar operative Überschüsse erwirtschaftet worden sein. Die hohe Verschuldung von mehr als 400 Millionen Euro belaste Kinowelt aber sehr stark.

Der Umsatz des Konzerns sank in den ersten neun Monaten um ein Fünftel auf 168,4 Millionen Euro. Im Kernbereich Lizenzhandel brachen die Erlöse um 74 Prozent auf 55,1 Millionen Euro ein. Auch wurde in den ersten neun Monaten kein einziger großer Abschluss realisiert, wie Kinowelt einräumen musste.

Niedergang begann mit Filmpaket

Durch die Rückgabe des Pakets mit 270 Spielfilmen und 600 Serienfolgen an Time Warner entstand dem Münchner Unternehmen ein außerordentlicher Aufwand in dreistelliger Millionenhöhe. Der Kauf des Film-Pakets im Jahr 1999 für mehr als 500 Millionen DM leitete nach Einschätzung von Beobachtern den Niedergang von Kinowelt ein. Die Sender von RTL und der KirchGruppe weigerten sich, Filme aus dem Paket zu kaufen. So blieb Kinowelt nur die kostspielige Rückabwicklung.


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