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Unternehmen: Tchibo verkauft jetzt auch Dessous

Der Kaffee-Konzern Tchibo bietet seinen weiblichen Kunden ab sofort exklusive Dessous an. In speziellen Fachgeschäften soll die eigene Marke "richard" inszeniert werden.

Tchibo startet mit einer Geschäftsidee speziell für Frauen. Das erste Wäschefachgeschäft unter der eigenen Marke richard ist am Donnerstag im niedersächsischen Oldenburg eröffnet worden. Es bietet Dessous ebenso wie Modeschmuck und andere Accessoires. Der für einen Wäscheanbieter eher ungewöhnliche Name solle neugierig machen, sagte eine Tchibo-Sprecherin.

Die Wäsche werde anders als im klassischen Fachhandel "inszeniert". So gebe es geräumige Umkleidekabinen mit flexibler Beleuchtung. Zu einem Dauersortiment kommen monatlich wechselnde Angebote hinzu. In den kommenden Monaten sollen weitere Wäschefilialen eröffnet werden.

50 Jahre Tchibo

Jeweils zum wöchentlichen Wechsel des Angebots gibt es in den rund 1000 Filialen in Deutschland einen Ansturm auf Töpfe, Fahrräder, Computer oder Outdoor-Kleidung. "Mit den Produkten, die wir anbieten, sind wir jeweils für eine Woche der Marktführer in Deutschland", sagt Tchibo-Chef Dieter Ammer. Jährlich kommen rund 1800 neue Produkte in die Filialen, in großer Stückzahl eigens für Tchibo produziert.

Den Grundstein für dieses Phänomen, das es in dieser Form nur in Deutschland gibt, hat der Hamburger Kaufmann Max Herz vor 50 Jahren (13. Oktober) mit der ersten Tchibo-Filiale in Hamburg gelegt. Er war damals schon seit einigen Jahren mit der Idee erfolgreich, Kaffee auf dem Versandweg anzubieten. In der Nachkriegszeit war Röstkaffee knapp und teuer und wurde von Lebensmittelhändlern meist nur unter dem Ladentisch an bevorzugte Kunden verkauft. Mit dem Angebot, ein Viertelpfund Kaffee zu einem günstigen Preis bestellen zu können, erzielte Herz eine enorme Resonanz.

"Nach und nach entwickelt"

In seinem ersten Ladengeschäft in der Hamburger Innenstadt wollte er seinen Kunden die Gelegenheit geben, für einen Groschen eine Tasse Kaffee zu probieren, ehe sie die entsprechende Sorte für ihren Hausgebrauch kauften. Bald bot Tchibo den Kaffee in Schmuckdosen an, die sich bei der Kundschaft großer Beliebtheit erfreuten. Der Keim für einen Handels- und Konsumgüterkonzern mit heute 12.000 Mitarbeitern war damit gelegt. Auch das Gesicht der Innenstädte wandelte sich; in den neu entstehenden Fußgängerzonen gehörte eine Tasse Kaffee bei Tchibo oder dem Konkurrenten Eduscho schnell zum Alltag. Später wurde Eduscho von Tchibo übernommen.

Eine gezielte Strategie, das räumt der heutige Tchibo-Chef Ammer bereitwillig ein, steckte nicht dahinter. "Das hat sich alles nach und nach entwickelt." Auch ein fantasievoller Kaufmann wäre wohl in den fünfziger oder sechziger Jahren nicht darauf gekommen, dass sich in den Filialen einer Kaffee-Kette fast alle Konsumgüter und sogar Reisen und Versicherungen verkaufen lassen. Die Strategie wird nur im Rückblick sichtbar.

Längst ist Kaffee nicht mehr Hauptumsatz-Träger

Den entscheidenden Impuls für den Tchibo-Aufstieg lieferten in den siebziger Jahre ausgerechnet die Konkurrenten aus dem Einzelhandel. Sie erreichten gerichtlich ein Gebot von "Kopplungsgeschäften". Tchibo durfte die Konsumgüter nicht mehr direkt im Zusammenhang mit dem Kaffee verkaufen, also zum Beispiel Kaffeedosen oder Kaffeegeschirr. Da legte der Hamburger Konzern unter seinem damaligen Chef Günter Herz erst richtig los, stellte das Geschäft als Non-Food-Sparte auf eigene Füße und weitete es weit über den Bereich Essen und Trinken aus.

Längst übertrifft der Umsatz mit Gebrauchsartikeln das Kaffee-Sortiment und Tchibo ist dabei, sein erfolgreiches Geschäftskonzept auch im Ausland zu etablieren. Mittlerweile gibt es Tchibo-Filialen auch in Österreich, der Schweiz, England, den Niederlanden, Tschechien und Polen.

Eckart Gienke/DPA / DPA