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Unternehmensbericht: Postbank schreibt Milliardengewinn

Gute Nachrichten für die Postbank: Im vergangenen Jahr hat sie ihren Gewinn vor Steuern auf über eine Milliarde steigern können. Die US-Hypothekenkrise hat die Bank kaum belastet. Die Aktionäre profitieren davon jedoch zunächst nicht.

Trotz des anhaltend scharfen Wettbewerbs um Privatkunden und der Finanzkrise hat die Postbank ihren Gewinn im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 6,7 Prozent auf 1,004 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand sogar ein Plus von rund 25 Prozent auf 871 Millionen Euro. Grund für den Anstieg waren leichte Zuwächse im Zins- und Provisionsüberschuss sowie eine deutlich geringe Steuerlast.

Im Zusammenhang mit der Subprime-Krise verzeichnete das Institut relativ geringe Wertminderungen in Höhe von insgesamt 112 Millionen Euro - 61 Millionen davon waren bereits im dritten Quartal angefallen. Im Vergleich zu ihren Wettbewerbern kam sie damit noch gut weg: Die Commerzbank hatte Wertkorrekturen von fast 800 Millionen Euro zu tragen. Branchenprimus Deutsche Bank kam auf rund 2,3 Milliarden Euro.

Die zusätzlichen Belastungen machten sich im vierten Quartal bemerkbar: Hier fiel der Überschuss um knapp 39 Prozent auf 169 Millionen Euro. Vor Steuern sank der Gewinn um knapp ein Drittel auf 198 Millionen Euro. Im laufenden Jahr rechnet die Postbank mit einem anhaltend schwierigen Marktumfeld. "Wir gehen weiterhin von einem kompetitiven Privatkundenmarkt aus", erklärte der Vorstand.

Bilanzsumme steigt auf über 200 Milliarden Euro

Die Gesamterträge verbesserten sich den Angaben zufolge inklusive des Veräußerungsgewinns aus den Versicherungsbeteiligungen an Talanx und trotz belastender Einmaleffekte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 4,25 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme stieg von 184,89 Milliarden Euro am Jahresende 2006 auf 202,99 Milliarden Euro am 31. Dezember 2007. Für das Jahr 2008 strebt die Postbank eine Eigenkapitalrentabilität vor Steuern von über 20 Prozent an.

In Deutschland sind vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken bei Privatkunden stark verwurzelt. Geschäftsbanken versuchen deshalb seit Jahren, mit immer günstigeren Produkten Kunden zu locken. Zudem werde der Unterschied zwischen den kurz- und langfristigen Zinsen gering bleiben, was die Margen belaste. Insgesamt erwartet die Postbank deshalb zunächst nur ein moderates Ertragswachstum. Der Vorsteuergewinn soll in diesem Jahr auf 1,22 Milliarden Euro zulegen. Bis 2010 soll er dann auf bis zu 1,45 Milliarden Euro steigen.

Steigerung im Privatkundengeschäft

Niedriger als erwartet waren die Rückstellungen im Kreditgeschäft: Die Risikovorsorge blieb trotz eines um 12,8 Prozent höheren Kundenkreditbestands mit 338 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, die Experten hatten einen Anstieg um knapp sieben Prozent prognostiziert. Stark verbesserte sich trotz des harten Wettbewerbs im Privatkundengeschäft der Zinsüberschuss mit einem Plus von vier Prozent auf 2,24 Milliarden Euro. Im Provisionsgeschäft legte die Postbank um 1,6 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro zu. Das Handelsergebnis lag mit 290 Millionen 9,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Ergebnis aus Finanzanlagen spiegeln sich die Wertberichtigungen im Zusammenhang mit der Krise wider, aber auch Verkaufsgewinne: Es blieb mit 294 Millionen Euro auf Vorjahreshöhe.

In ihrem Kerngeschäft, dem Privatkundensegment, legte die Postbank zu. Das Ergebnis vor Steuern in dem Bereich kletterte um gut zwei Prozent auf 944 Millionen Euro. Während sie beim Zinsergebnis Zuwächse verbuchte, ging der Provisionsüberschuss zurück. Rund eine Million neue Kunden kamen 2007 hinzu. Insgesamt kommt die größte deutsche Filialbank auf fast 15 Millionen Kunden.

Keine höhere Dividende

Trotz der Gewinnsteigerung will die Postbank ihren Aktionären keine höhere Dividende ausschütten. Angesichts der 2006 ohne Kapitalerhöhung durchgeführten Akquisitionen von BHW und den Filialen des Mutterkonzerns Deutsche Post schlage der Vorstand für 2007 eine unveränderte Ausschüttung von 1,25 Euro je Aktie vor, teilte die Postbank mit. Bezogen auf 164 Millionen Aktien entspreche das einer gesamten Ausschüttungssumme von 205 Millionen Euro.

Die Postbank könnte möglicherweise bald einen neuen Eigentümer bekommen. Hauptaktionär Deutsche Post hatte mehrfach anklingen lassen, dass er sich in diesem Jahr über die Zukunft seiner Tochter Gedanken machen wolle. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben bereits nachdrücklich Interesse angemeldet. Auch zahlreiche Institute aus dem Ausland werden als potenzielle Käufer gehandelt.

Lio/ DPA/ AP/ Reuters / AP / DPA / Reuters