US-Immobilienkrise Mittelstandsbank IKB erwartet keinen Gewinn


Die wegen der US-Hypothekenkrise in eine Schieflage geratene Mittelstandsbank IKB hat erneut eine Gewinnwarnung abgeben müssen. Gleichzeitig wurden personelle Kosequenzen gezogen: Mittlerweile haben schon vier Vorstände den Hut genommen.

Die finanziell angeschlagene IKB Deutsche Industriebank hat im Zusammenhang mit der US-Hypothekenmarktkrise erneut eine Gewinnwarnung herausgegeben und weitere personelle Konsequenzen gezogen. Markus Guthoff und Frank Braunsfeld seien mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand ausgeschieden, teilte die Düsseldorfer Mittelstandsbank in der Nacht zum Dienstag mit. Hintergrund ist ein Bericht über eine Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) zur Verwicklung der IKB in die Krise am US-Hypothekenmarkt für bontitätsschwache Titel (Subprime).

Schon vier Vorstände zurückgetreten

Guthoff sei für den Bereich Immobilienkunden und Strukturierte Finanzierung zuständig gewesen, Braunsfeld für das Risikomanagement sowie für Recht und Verträge. Als Nachfolger wurde bislang lediglich Reinhard Grzesik benannt, der zum 15. Oktober das Finanzressort übernommen habe. Vorgänger Volker Doberanzke hatte nach Bekanntwerden der Probleme der Bank am US-Markt der zweitklassigen Hypotheken (subprime) Anfang August seinen Hut genommen. Zuvor war bereits Vorstandschef Stefan Ortseifen zurückgetreten.

Die IKB war Ende Juli als erste prominente Bank in Deutschland Opfer der Krise auf dem US-Markt für zweitklassige Hypothekenkredite geworden. Die deutsche Kreditwirtschaft startete daraufhin eine Rettungsaktion für die Gesellschaft, deren größter Anteilseigner die staatliche Förderbank KfW ist.

Keine Kontrolle bei riskanten Investitionen

Wie die IKB weiter mitteilte, hat der PwC-Bericht zur Entstehung der Schieflage Schwachstellen in einigen Bereichen des Risikomanagements moniert. Aufsichtsrat und Vorstand hätten den Bericht ausgewertet und stimmten mit der Risikoeinschätzung von PwC überein. Ein zentraler Kritikpunkt des Berichts seien Schwachstellen in Teilen der Risikoanalyse und -steuerung gewesen. Entscheidungen über umfangreiche Investitionen bei zweitklassigen US-Hypothekenkrediten hätten ohne angemessene Kontrolle getätigt werden können.

Ferner komme die PwC-Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der Aufsichtsrat vom Vorstand über die Risiken aus dem Subprime-Engagement nicht ausreichend informiert worden sei. Zudem habe der Vorstand den Aufsichtsrat insgesamt nur unzureichend über das wirtschaftliche Gesamtbild der IKB informiert.

Erneute Gewinnwarnung

Die staatliche KfW als Großaktionärin sowie zahlreiche Banken hatten eine milliardenschwere Rettungsaktion für die IKB gestartet. Durch die Änderung im IFRS-Abschluss werde der operative Gewinn im Geschäftsjahr 2006/07 um bis zu 180 Millionen Euro verringert. Im Juni hatte die IKB für 2006/07 noch ein operatives Ergebnis von 263 Millionen Euro berichtet. Der IKB-Vorstand prüfe desweiteren eine Änderung des Einzelabschlusses nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) zum 31. März 2007.

Für das laufende Geschäftsjahr schätzt der Vorstand wegen höherer erwarteter Sanierungskosten, dass der prognostizierte Jahresverlust laut HGB auf rund 500 Millionen Euro steigen wird. Ursprünglich hatte die Bank hier ein Minus von 400 Millionen bis 450 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Prognose eines Jahresverlusts von bis zu 700 Millionen Euro für den IKB-Konzern nach IFRS hielt die Bank jedoch aufrecht.

DPA/DDP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker