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US-Konzern am Pranger: AIG - "Arroganz, Inkompetenz, Gier"

Über dem US-Versicherer AIG wütet ein Sturm der Entrüstung, weil die Manager Boni in dreistelliger Millionenhöhe kassiert haben. AIG-Chef Edward Liddy musste nun vor wütenden Kongressabgeordneten Rede und Antwort stehen - und verteidigte die auch aus seiner Sicht "geschmacklosen" Extra-Zahlungen.

AIG-Chef Edward Liddy hat die in den USA mit Empörung aufgenommene Zahlung von Millionen-Boni bei dem taumelnden Versicherer verteidigt. Bei einer Kongress-Anhörung sagte Liddy am Mittwoch, die "kalte Realität" des Wettbewerbs habe AIG dazu gezwungen, die Zulagen zu zahlen - auch wenn er einige der Zahlungen als "geschmacklos" empfinde.

Über AIG wütet seit Tagen ein Sturm der Entrüstung, weil der Konzern insgesamt Gehaltszulagen von 165 Millionen Dollar zahlte, obwohl er nur durch gigantische Regierungshilfen am Leben gehalten wird und im vergangenen Jahr ein historisch einmaliges Minus von fast 100 Milliarden Dollar eingefahren hat. Die größten Chancen auf eine Wiederbeschaffung der Steuergelder bestünden darin, das Geschäft des Versicherers zu erhalten, sagte Liddy.

Der Konzernchef erklärte den Abgeordneten, AIG sei sich bewusst, dass die Geduld der Bevölkerung fast erschöpft sei. Er räumte zudem ein, dass sein Konzern kaum vorstellbare schwere Fehler gemacht habe. Die Bonuszahlungen seien den Managern aber vertraglich zugesagt worden und seien in der Geschäftspraxis üblich. "Wir müssen unser Unternehmen weiter als Unternehmen führen - und uns dabei den kalten Realitäten des Werbens um Kunden, Einkünfte und Angestellte stellen", so Liddy.

Obama geißelt "Verschwendung von Steuergeldern"

Dieses Geständnis konnte jedoch die Wut der Abgeordneten kaum bändigen. Ein Mitglied des Ausschusses sagte, AIG sei die Abkürzung für "Arroganz, Inkompetenz und Gier". Liddy rückte jedoch erst nach der ersten staatlichen Rettungsaktion auf Bitten der Regierung an die Spitze des Konzerns und ist damit nicht für dessen katastrophale Verluste verantwortlich.

US-Präsident Barack Obama übte erneut massive Kritik an den Bonuszahlungen. Die Zahlungen seien eine "unangemessene Verwendung von Steuergeldern", sagte Obama. "Genau so unerhört ist die Tatsache, dass wir das durch AIG entstandene Durcheinander aufräumen müssen." Die Regierung brauche eine Handhabe, damit eine Situation wie die bei AIG niemals wieder ein Risiko für das Finanzsystem darstelle, sagte Obama.

Die US-Regierung hatte am Dienstagabend erklärt, sie wolle AIG dazu zwingen, den Steuerzahler für die Millionen-Prämien zu entschädigen. Finanzminister Timothy Geithner kündigte an, die Boni würden zudem von einer zugesagten Finanzspritze von 30 Milliarden Dollar abgezogen. Die Regierung hat AIG mittlerweile mit insgesamt rund 180 Milliarden Dollar mehrmals vor dem Aus bewahrt.

Druck auf Obama wächst

Auch die Regierung von Präsident Barack Obama gerät wegen der Boni-Affäre unter zunehmenden Druck. Die "New York Times" sprach von einem "Feuersturm, der über Regierung und Kongress" hinwegfege. US-Medien stellen die Frage, warum Obama nicht schon früher handelte. Es heißt, Obama hätte erst Ende vergangener Woche von den Boni erfahren. Der US-Staat hält inzwischen rund 80 Prozent der AIG-Anteile.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erhielten 73 Manager jeweils mindestens eine Million Dollar (776.000 Euro) Bonus. Ein Manager bekam gar 6,4 Millionen Dollar. Insgesamt seien 165 Millionen Dollar (126 Millionen Euro) an Boni geflossen, obwohl AIG Milliarden aus dem staatlichen Rettungsprogramm für den Finanzsektor erhielt. "AIG hat mehr als 73 Millionäre in der eigenen Firma geschaffen, die zuvor so viel Geld verloren hatte, dass sie in die Knie ging und ein Rettungspaket des Steuerzahler erzwungen hatte", meinte die New Yorker Staatsanwaltschaft. AIG weigere sich, die Namen der Empfänger bekanntzugeben, heißt es.

Obama hatte kürzlich verlangt, dass alle juristischen Mittel ausgeschöpft werden, um diese Bonuszahlungen zu blockieren. "Es geht hier nicht nur um Dollar und Cent, es geht um fundamentale Werte", sagte er.

Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters
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