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Billionen-Misere: AIG wird zerlegt und umbenannt

Der US-Finanzkonzern AIG sitzt auf faulen Papieren in Billionen-Höhe und sorgt mit Millionen-Zahlungen an die Manager für einen Sturm der Entrüstung. Jetzt sollen ein neuer Name und eine neue Struktur für Ruhe sorgen.

Der schwer angeschlagene US-Versicherungsriese AIG soll eine neue Gestalt und einen neuen Namen bekommen. Der Konzern will die Finanzsparte, die für eines der größten Fiaskos in der US-Wirtschaftsgeschichte gesorgt hatte, in den kommenden vier Jahren abwickeln. Dies teilte AIG-Chef Edward Liddy am Mittwoch vor dem US-Kongress mit. Stattdessen konzentriert AIG sein Geschäft auf risikolosere Aktivitäten.

"Was wir derzeit betreiben ist die Auflösung von AIG", erklärte Liddy. "Was seit 90 Jahren als AIG bestand, wird es mit der Zeit nicht mehr geben." Auch der Firmenname American International Group (AIG) solle dabei voraussichtlich verschwinden, sagte Liddy: "Der Name AIG ist derart angeschlagen und entehrt, dass wir ihn wahrscheinlich ändern werden müssen." US-Finanzminister Timothy Geithner kündigte an, AIG - an der der Staat inzwischen die Mehrheit hält - "geordnet" aufzulösen, um den "amerikanischen Steuerzahler zu schützen".

Die Sparte für Finanzprodukte, die im Zentrum der Krise bei AIG steht, will Liddy zunächst drastisch verkleinern und binnen vier Jahren abwickeln. "Wir verringern das Risiko, indem wir kleiner werden." Bislang sitze AIG noch auf riskanten Papieren von 1,6 Billionen Dollar (1,2 Billionen Euro).

Nachdem AIG durch die Finanzkrise in Schieflage gekommen war, sprang die US-Regierung dem Versicherer in den vergangenen Monaten mit 180 Milliarden Dollar zur Seite. Die Regierung in Washington befürchtete, durch die engen Bindungen von AIG zu vielen Banken weltweit könnte eine Pleite unabschätzbare Auswirkungen auf den globalen Finanzsektor haben.

Dass AIG trotz der Staatsmilliarden führenden Managern Millionen-Boni zahlte, sorgte für einen Sturm der Entrüstung und stellt inzwischen auch eine Belastung für US-Präsident Barack Obama dar. Unter dem Eindruck der öffentlichen Empörung haben einige Manager inzwischen damit begonnen, das Geld zumindest teilweise zurückzugeben. Liddy teilte aufgebrachten Kongressabgeordneten mit, er habe die Empfänger von Bonuszahlungen über mehr als 100.000 Dollar gebeten, mindestens die Hälfte zurückzugeben. Insgesamt wurden 165 Millionen Dollar für die umstrittenen Zusatzleistungen bewilligt, obwohl der Konzern gerade erst 170 Milliarden Dollar an staatlicher Hilfe erhalten hat.

Kongress plant 90-Prozent-Versteuerung

Unterdessen plant der US-Kongress das Ende von milliardenschweren Zahlungen an Bankmanager. Noch am Donnerstag will das US-Repräsentantenhaus über ein Gesetz abstimmen, mit dem eine Steuer von 90 Prozent auf Bonuszahlungen für Angestellte vom Staat geretteter Banken erhoben werden soll. Betroffen wären Manager mit einem Familienjahreseinkommen von mindestens 250.000 Dollar.

AFP/AP / AP