US-Wirtschaft Arbeitslosigkeit 2008 dramatisch angestiegen


Die USA stecken fest in den Klauen der Rezession: 2008 haben insgesamt 2,6 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren, so viele wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Die Zahlen zeigen den enormen Druck, der auf dem künftigen Präsidenten Barack Obama lastet. Und Experten befürchten, dass die Lage noch viel schlimmer werden könnte.

Die Rezession hat auch im Dezember dramatisch auf den Arbeitsmarkt in den USA durchgeschlagen: Ein erneuter Verlust von 524.000 Jobs im letzten Monat machte 2008 zum schlimmsten Jahr seit 1945. Wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte, gingen im vergangenen Jahr insgesamt fast 2,6 Millionen Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosenquote schnellte von 6,8 Prozent im November auf 7,2 Prozent im Dezember - der höchste Stand seit 15 Jahren. Die neuen Zahlen unterstreichen das enorme Ausmaß der Herausforderungen für den künftigen Präsidenten Barack Obama, der sein Amt am 20. Januar antritt.

Besonders gebeutelt waren zuletzt die Dienstleister. Allein hier fielen 273.000 Arbeitsplätze weg. Im Produzierenden Gewerbe waren es mit minus 251.000 jedoch kaum weniger. Lediglich der Staat stellte neue Mitarbeiter ein, wenngleich das Plus mit 7000 relativ gering ausfiel.

Insgesamt waren im vergangenen Monat 11,1 Millionen Menschen in den USA ohne Arbeit. Seit Dezember 2007 stiegen dem Ministerium zufolge die Zahl der Beschäftigungslosen um 3,6 Millionen und die Arbeitslosenquote um 2,3 Prozentpunkte. "Dieser Bericht hilft zu erklären, warum sich die Verbraucher zuletzt zurückgehalten haben. Er deutet darauf hin, dass der Abwärtstrend mindestens für die erste Jahreshälfte 2009 intakt ist", sagte William Sullivan, Chefvolkswirt der JVB Financial Group.

Experten hatten das schlechte Dezember-Ergebnis trotz Weihnachtsgeschäfts erwartet, nachdem bereits im November nach revidierten Berechnungen 584.000 Jobs verloren gegangen waren. Obama selbst hatte am Donnerstag gewarnt, dass neue schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt zu erwarten seien. Der künftige Präsident dringt auf ein massives Konjunkturprogramm in einem Umfang von mindestens 775 Milliarden Dollar. Er will im Zeitraum von zwei Jahren drei Millionen Arbeitsplätze schaffen oder sichern.

Die Arbeitsmarktzahlen dürften nach Einschätzung von Experten den Druck auf den Kongress erhöhen, das Konjunkturpaket möglichst rasch zu verabschieden. Allerdings gibt es im Senat und Abgeordnetenhaus erhebliche Bedenken angesichts des enormen Umfangs der Hilfsmaßnahmen.

Ein Ende des massiven Arbeitsplatzabbaus ist nach Experteneinschätzung nicht in Sicht. Die US-Fondsgesellschaft Pimco hält es sogar für möglich, dass vor einer Konjunkturwende noch einmal drei Millionen Stellen verloren gehen. "Die Zahlen verdeutlichen, dass die US-Wirtschaft tief in der Rezession steckt", meinte auch Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten schrumpft seit 2007. Die Schwächephase könnte möglicherweise die längste seit 1981 werden, als die Wirtschaftsleistung 16 Monate in Folge zurückging. "Es ist unwahrscheinlich, dass eine derartige Krise von heute auf morgen verschwindet", erklärte der Finanzdienstleister HSBC Trinkaus. Als entscheidend für eine Erholung der US-Wirtschaft wird ein Anspringen des privaten Konsums angesehen, der etwa zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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