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Verbraucherportal im Zwielicht: Verivox soll von Teldafax-Problemen gewusst haben

Verivox gerät in den Strudel der Teldafax-Pleite: Das Vergleichsportal hätte nach FTD-Informationen schon 2009 von Zahlungsproblemen bei dem Stromanbieter wissen müssen - lange vor der Teldafax-Insolvenz. Dennoch vermittelte Verivox weiter Zehntausende Kunden an die Firma.

Von Heinz-Roger Dohms

Im Insolvenzfall Teldafax mit Hunderttausenden betroffenen Kunden rückt nun die Rolle des Verbraucherportals Verivox in den Fokus: Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" gibt es Hinweise darauf, dass Verivox-Manager schon 2009 von Liquiditätsschwierigkeiten bei dem Stromanbieter wussten - knapp zwei Jahre vor der Pleite. Im Spätsommer 2009 sei die Zahlung von Provisionen an Verivox und andere Vertriebspartner über Wochen ausgesetzt gewesen, sagte ein früherer Teldafax-Manager. Er stützte seine Aussagen gegenüber der FTD mit einer eidesstattlichen Versicherung. Verivox weist die Behauptungen im Kern zurück.

Teldafax hatte mutmaßlich über Jahre ein Schneeballsystem betrieben. Dieses funktionierte so lange, wie immer neue Kunden mit Vorkassezahlungen die Defizite im laufenden Geschäft deckten. Preisvergleichsportale wie Verivox waren für dieses Geschäftsmodell existenziell: Sie schleusten dem Discount-Stromanbieter einen Großteil der Verbraucher zu.

Vergleichrechner bevorzugten Vorkassemodelle

Allein über Verivox gelangten Zehntausende Kunden zu Teldafax, auch weil die Vergleichsrechner Anbieter mit Vorkassemodellen damals systematisch bevorzugten - und heute immer noch tun. Im Gegenzug zahlte Teldafax besonders hohe Provisionen an Verivox und andere Webportale wie Check24. Mitte Juni dieses Jahres meldete Teldafax Insolvenz an und stellte die Energielieferungen ein.

Leidtragende sind die Kunden, die ihren Strom im Voraus bezahlt haben. Im Spätsommer des Jahres 2009 habe sich die Liquiditätskrise bei Teldafax erstmals dramatisch zugespitzt, sagte der frühere Topmanager. Daraufhin seien die Provisionszahlungen für mehrere Wochen ausgesetzt worden - allein bei Verivox sei es um rund 1,2 Millionen Euro gegangen.

Der damalige Teldafax-Chef Klaus Bath habe intern versichert, dass er die Vertriebspartner über die Probleme informiert habe. "Aber selbst wenn er das nicht getan hat, muss Verivox von den Liquiditätsschwierigkeiten bei Teldafax gewusst haben. Verivox hat damals ordentlich Druck gemacht, weil es schon in den Wochen zuvor zu regelmäßigen Zahlungsverzögerungen gekommen war."

"Keine auffallenden Zahlungsverzögerungen"

Eine Verivox-Sprecherin wies die Aussagen zurück. Vor Oktober 2010, als erste Presseberichte über Probleme bei Teldafax erschienen, habe man keine Hinweise auf Zahlungsprobleme bei dem Stromanbieter gehabt. Zu den Liquiditätsproblemen 2009 hieß es: "Verivox hat bei Teldafax keine auffallenden Zahlungsverzögerungen gehabt. Viele Partner zahlen mit ein bis zwei Wochen Verspätung."

Auf die Frage, ob Verivox zu jener Zeit besonderen Druck auf Teldafax ausgeübt habe, antwortete die Sprecherin: "Verivox hält alle Partner zu einer fristgerechten Zahlung an." Der ehemalige Teldafax-Chef Bath war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Frage, wann welche Partnerfirmen von den Liquiditätsproblemen bei Teldafax wussten, steht im Mittelpunkt des Anfang des Monats eröffneten Insolvenzverfahrens. Das Insolvenzrecht eröffnet dem Insolvenzverwalter die Möglichkeit, Zahlungen anzufechten, wenn diese trotz des Wissens um die Probleme bei Teldafax flossen. Betroffen davon ist auch der Fußballverein Bayer Leverkusen, dessen Trikotsponsor Teldafax war. Insolvenzverwalter Biner Bähr ist momentan dabei, die Geldflüsse zwischen Teldafax und den Vertriebspartnern aufzuarbeiten. Er wollte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Verivox steht vor Verkauf

Der Fall Teldafax droht auch das Verkaufsverfahren von Verivox zu belasten. Bereits Anfang des Jahres hatten der britische Mehrheitseigner Oakley Capital sowie die beiden Unternehmensgründer Andrew Goodwin und Alex Preston das Unternehmen offiziell zum Verkauf gestellt. Die aufgerufene Summe: rund 360 Millionen Pfund, seinerzeit waren das ziemlich exakt 400 Millionen Euro.

In der Branche wird allerdings bezweifelt, dass sich zu diesen Konditionen ein Käufer findet. Erst Ende des Jahres 2009 hatte sich der Finanzinvestor Oakley rund 51 Prozent an Verivox gesichert - für lediglich rund 20 Millionen Euro.

FTD
  • Heinz-Roger Dohms