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Billigstromanbieter Flexstrom: Angst vor einem zweiten Teldafax

Nach der Teldafax-Pleite sorgt sich die Branche nun offenbar um die Zahlungsmoral von Flexstrom. Der Billigstromanbieter wiegelt ab, doch Verbraucherschützer sehen den Konzern schon länger kritisch.

Von Daniel Bakir

Seit der Pleite von Teldafax im vergangenen Jahr sind die Verbraucher für negative Gerüchte um Billigstromanbieter sensibilisiert. Während die geprellten Teldafax-Kunden noch vor Gericht um ihr Geld kämpfen, gerät der nunmehr größte Billigstromriese Flexstrom unter Druck. Das "Handelsblatt" berichtet, es häuften sich die Anzeichen, "dass auch beim aktuell größten unabhängigen Stromanbieter Flexstrom etwas nicht stimmt". Das Unternehmen lasse seine Rechnungen "häufig verdächtig lange unbezahlt". Mehrere Geschäftspartner fordern daher laut "Handelsblatt" mittlerweile Vorkasse von Flexstrom. Derzeit gingen aber noch alle Zahlungen ein.

Flexstrom dementiert jegliche Zahlungsschwierigkeiten: "Es gibt keine finanziellen Engpässe", sagte Unternehmenssprecher Dirk Hempel stern.de. Wenn Rechnungen nicht sofort bezahlt würden, liege das daran, dass sie fehlerhaft seien und überprüft werden müssten. Insgesamt verlangten nur eine Handvoll der 1700 Netzbetreiber von Flexstrom Vorkasse. "Wir machen Gewinne und wollen weiter wachsen", so Hempel. Parallelen zum Fall Teldafax gebe es nicht.

Günstige Vorauskasse-Tarife als Köder

Tatsächlich hat Flexstrom in den vergangenen Jahren mit seinen Kampfpreisen ein rasantes Wachstum hingelegt. 570.000 Kunden hat Flexstrom mittlerweile, ungefähr die Hälfte wurde mit günstigen Vorauskasse-Tarifen geködert, bei denen die Kunden ein Jahr im Voraus bezahlen. "Flexstrom bietet Tarife für Neukunden an, die nicht kostendeckend sind", sagt Daniel Dodt vom unabhängigen Vergleichsportal Toptarif. "Erst wenn die Kunden längerfristig im Unternehmen verbleiben, werden sie für Flexstrom rentabel." Grund seien einmalige Rabatte und Boni.

Ähnlich hatte es auch Teldafax gemacht, am Ende stand die Insolvenz. Hunderttausende Kunden, die Vorauskasse geleistet hatten, warten immer noch auf ihr Geld.

Unabhängig von den aktuellen Gerüchten sehen Verbraucherschützer das Unternehmen schon länger kritisch: "Flexstrom ist in der Vergangenheit schon mehrfach unangenehm aufgefallen", sagt Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale NRW. So habe es mit vielen Kunden Streit um Bonuszahlungen gegeben, die das Unternehmen nicht zahlen wollte. Zudem sei die Belehrung über das Widerrufsrecht in den AGB fehlerhaft, was Flexstrom allerdings bestreitet. Vor zwei Jahren hatten Verbraucherschützer erreicht, dass Flexstrom eine Methode verdeckter Preiserhöhungen einstellen musste.

"Kunden, die den Anbieter wechseln wollen, sollten die nächste Gelegenheit zur Kündigung nutzen", empfiehlt Jurist Schröder. Dies ist zum Ende der Mindestvertragslaufzeit möglich (Kündigungsfrist beachten) oder per Sonderkündigungsrecht bei einer Preiserhöhung. "Wir raten grundsätzlich von Vorauskasse-Tarifen ab", sagt Schröder.