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Strompreiserhöhungen: Wechseln leicht gemacht

In den vergangenen Wochen flatterte jedem zehnten Stromkunden eine Preiserhöhung zum 1. Juli ins Haus. Seitdem denken viele Verbraucher über einen anderen Anbieter nach - denn der Wechsel ist gar nicht so schwer.

Von Elke Schulze

Wie man die Strompreise unauffällig erhöht - Anbieter Vattenfall wollte es vormachen und scheiterte. Neue Tarife mit geänderten Namen verschleierten den Vattenfall-Kunden in Berlin und Hamburg geplante Preiserhöhungen von 6,5 und 7,2 Prozent zum 1. Juli. Doch die Kunden protestierten. Hauptstadtanbieter Nuon musste die Anzahl seiner Kundenberater verdoppeln, um die wechselwilligen 18.000 Neukunden bedienen zu können.

Politiker rufen zum Wechsel auf

Zeitgleich entfällt auch die Preisaufsicht der Länder. Bislang mussten sich Stromunternehmen geplante Preiserhöhungen in der Regel von den Wirtschaftsministern der Ländern absegnen lassen - künftig soll der Markt die Preise regeln. Dass das nicht funktioniert, zeigen die jüngsten Erhöhungen. Sie liegen im Durchschnitt bei acht, die ostdeutsche EnvivaM schraubt die Preise um über zehn und die Stadtwerke Rostock sogar um über 13 Prozent nach oben.

Das wird nun selbst den Politikern zu bunt. So ruft längst nicht mehr nur Bundeswirtschaftsminister Glos öffentlich die Bürger auf, den Anbieter zu wechseln. Denn schwer ist das nicht und das Portemonnaie schont es auch. Und so geht es:

1. Anbieter vergleichen

Die günstigsten Anbieter findet man mit einem "Stromrechner" im Internet auf den Seiten www.verivox.de oder www.billigstrom.de oder direkt bei www.stern.de. Um die Ersparnis auszurechnen, gibt man seinen Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh) und die Postleitzahl des Wohnorts ein. Der Rechner ermittelt sofort die günstigsten Anbieter. Wer seinen Verbrauch nicht kennt: Singlehaushalte benötigen 1600 kWh, Dreipersonenhaushalte etwa 3500 kWh und eine vierköpfige Familie rund 4000 kWh im Jahr.

2. Abrechnung bereithalten

Bei der Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Neuanbieter sollte man die alte Rechnung zur Hand haben, um den Verbrauch und die Zählernummer anzugeben. Ist der Vertrag mit dem neuen Lieferanten geschlossen, kümmert der sich um den Papierkram und kündigt auch beim alten Energieversorger, der jedoch weiterhin den Zähler abliest. Dafür wird er vom neuen Anbieter bezahlt. Rund sechs Wochen dauert das Prozedere, dann aber bekommt man nur noch eine Rechnung vom neuen Anbieter.

3. Umzug ist kein Selbstläufer

Bei einem Umzug wird man zunächst automatisch vom lokalen Anbieter, in der Regel die Stadtwerke, versorgt. Wer bereits gewechselt hatte und bei einem überregional tätigen Anbieter Kunde ist, kann dort meist bleiben. Sollte aber den Anbieter und den neuen Versorger vor Ort rechtzeitig über den Umzug informieren.

4. Ärgerlicher Fallstrick

:Bei den ständigen Preiserhöhungen kann es vorkommen, dass der neue Anbieter, kaum dass man Kunde wurde, den Preis erhöht und der Sparvorteil wieder futsch ist. Deshalb sollte man sich vom neuen Versorger eine Preisgarantie geben lassen. So bietet die bundesweit tätige Flexstrom GmbH wie auch Regionalanbieter Nuon stabile Preise von zwölf Monaten. Sechs Monate bieten die ebenfalls überregional tätigen Stadtwerke Flensburg, und eprimo offenbart Festpreise für drei Monate.

5. Vorsicht Paketlösung

Seit Anfang März 2007 bietet die TelDaFax Strom bundesweit extrem günstig an. Allerdings muss der Kunde wie auch bei Flexstrom zu Vertragsbeginn jährlich oder quartalsweise vorauszahlen. Ist der Kunde bereit, für ein ganzes Jahr im Voraus zu zahlen, spart man einen Cent pro Kilowattstunde. Gefahr: Ist der Anbieter pleite, sieht man sein Geld vermutlich nicht wieder. Ebenso riskant sind Strompakete, wie sie Flexstrom anbietet. Verbraucht man mehr, als im Paket enthalten, wird es richtig teuer. Verbraucht man weniger, hat man Pech gehabt. Wer seinen Stromverbrauch nicht genau kennt, sollte die Finger davon lassen.

6. Sparpotential regional verschieden

Wie viel ein Wechsel in Euro und Cent bringt, hängt von der Region ab, in der man wohnt. Dass Sparpotenzial reicht von ein paar Euro bis über 100 Euro im Jahr. Eine Karlsruher Familie, die ihren Strom aus dem Family Tarif der dortigen Stadtwerke bezieht, spart beim günstigsten Anbieter TelDaFax 170 Euro im Jahr. Wählt sie den günstigsten Tarif ohne Vorkasse beim Anbieter Bonusstrom kann sie noch 80 Euro im Jahr zurücklegen. Häufig zahlt sich schon ein Tarifwechsel beim bestehenden Anbieter aus.

7. Versorgungspflicht

Übrigens muss niemand Angst haben, im Dunkeln zu sitzen: Stromanbieter sind gesetzlich verpflichtet, die Bewohner in ihrem Versorgungsgebiet zu beliefern.

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